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Welkin: Traces

Ein zu dünnes Schlagzeug drückt auf die Stimmung
Wertung: 7/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 38:48
Release: 06.02.2010
Label: Sonic Death Metal

Melodic Death Metal-Bands gibt es inzwischen wie Sand am Meer. In Flames, Dark Tranquillity und At The Gates sind beziehungsweise waren die großen Vorreiter dieses Sounds, prägten den sogenannten Göteborg-Sound und verdienten sich dumm und dämlich daran. Zigtausende Bands haben versucht, in die übergroßen Fußstapfen vor allem erstgenannter Band zu treten, die meisten von ihnen sind kläglich untergegangen oder haben sich nach erfolglosen Versuchen anderen Stilen zugewandt.

Aus Belgien kommt jetzt das dritte Werk der Melodic Death-Formation Welkin, das ordentlich Groove, Melodie und Aggression mitbringt und den typischen Schweden-Sound mit Gefrickel à la Cannibal Corpse, sowie einer Prise Manie im Stil von Meshuggah verknüpft. Bereits seit 1997 perfektionieren die Fünf ihr Soundgebräu, 2002 kam die erste Platte „Angel Inside“ auf den Markt, gefolgt von „The_Origin“ im Jahr 2007. Dabei hat das Quintett sich von einem Label zum nächsten gehangelt – die erste Scheibe erschien bei den italienischen Spew Records, das Folgewerk beim belgischen Label Shiver Records. Das Gelbe vom Ei dürfte keines der beiden Labels gewesen sein, denn das neueste Werk „Traces“ bringen die Jungs im Eigenvertrieb auf ihrem Label Sonic Death Metal heraus.

Der neue Silberling bietet acht Songs, die einen soliden Spagat zwischen Death Metal der älteren Schule und modernem Groove wagen – damit bewegt sich die Band zwar nicht unbedingt an der Spitze, interessant ist die Mischung aber dennoch. Im Opener „Acheron“ wird die Richtung für den Rest der Platte vorgegeben: Auf eine Black Metal-hafte, bedrohliche Intro-Melodie folgen beeindruckende Growls, das Ganze erinnert direkt an die groovigen Anteile von Meshuggah und auch die Menge an Blastbeats in Kombination mit den deftigen Vocals verfehlen ihr Ziel nicht.

Richtig in die Beine und den Kopf geht aber erst „Lotus Eater“, das mit süchtig machenden Gitarrenlicks und sphärisch anmutenden Melodien zu überzeugen weiß. Der Song bietet eine Mischung aus dem groovenden, sofort in den Magen gehenden Sound, den die Amis von Chimaira verbreiten, und der Hymnenhaftigkeit der schwedischen Mnemic, und stellt schon jetzt das Highlight der Platte dar.

„Tied“ legt erste Diskrepanzen im Sound frei, die vorher gar nicht aufgefallen waren: Zwar prescht Sänger Demis nach einem apokalyptisch-düsteren Gitarrenintro unvermittelt nach vorne und auch die Gitarren legen ordentlich los, jedoch klingt das Schlagzeug einfach eine Spur zu dünn, es fehlt der finale „Rumms“, der bei dieser Art von Musik besonders wichtig ist. Auch „Humanivore“, das vom Titel und der Dynamik her an Cannibal Corpse erinnert, tröstet nicht über diesen Ausfall hinweg.

Überraschende heftig kommt im Anschluss „Nymphs“ daher. Die leicht an Heaven Shall Burn angelehnten Tempowechsel und der zutiefst gutturale, fast Pig Squeal-ähnliche Gesang wollen so gar nicht zum Titel passen; das Ganze wird gewürzt mit gesprochenen, leicht verzerrten Passagen, die den Song noch gruseliger machen. Spannender wird´s leider nicht mehr: „No Man“ schleppt sich düster, fast walzenartig dahin, durchsetzt von fiesen Schreien und dem erneut zu dünn ausgelegten Schlagzeug, während beim Rausschmeißer „Scylla“ zwar der Sound stimmt, aber keine sonderliche Überraschung mehr auf den Hörer wartet.

Welkin sind mit ihrer neuen Scheibe zwar meilenweit davon entfernt, schlecht zu sein, spielen sie doch guten bis außergewöhnlichen Melo Death (siehe „Lotus Eater“), dennoch bietet ihre neue Scheibe wenige Überraschungen. Live können die Belgier sicher einiges an Punkten gut machen, auf Platte eignet sich der Großteil der Songs allerdings doch eher zum Nebenbei-Hören.

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