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Welicoruss: Siberian Heathen Horde

Ohne Klargesang könnten deutlich mehr Punkte erziehlt werden
Wertung: 7/10
Genre: Symphonic Black Metal
Spielzeit: 47:36
Release: 27.03.2020
Label: El Puerto Records

Bands aus Sibirien beehren uns hier ja eher selten; zuletzt die harmonisch-klassisch sozialisierten Gebrüder Beselt von Sons Of Sounds, diesmal bewegen wir uns ein bisschen weiter nach unten im musikalischen Spektrum – es wird düster mit Welicoruss aus Nowosibirsk, die auf ihrem mittlerweile vierten Full-Length-Album „Siberian Heathen Horde“ Symphonic Black Metal in die Welt hinaus tragen.

Dass man die Band hierzulande nicht schon häufiger gehört ist, ist an sich schade, obwohl Anhänger des althergebrachten Black Metals hier eher dem Augenrollen statt dem Nackenkreisen anheimfallen könnten; technisch sind die Sibirier aber durchaus gut aufgestellt und haben mit drei Studioplatten und jeweils zwei Demos und EPs schon einen beachtlichen Backkatalog seit ihrer Gründung vor 15 (!) Jahren zusammengehamstert.

Der Vierer um Gründer und Sänger Alexey Boganov inszeniert sich zwar als brutale Horde, hat dafür dann aber doch deutlich zu viele symphonische Anteile in die Musik eingebaut – gerade der Opener „Spellbound“ kommt mit seinem auf Russisch gesprochenen Intro und den Wardrums natürlich sehr martialisch daher und kann auch mit ordentlich Groove punkten, und auch der folgende Titeltrack verbreitet mit Pferdeschnauben und Wagenquietschen und der insgesamt eher schaurigen Atmosphäre eine entsprechende Stimmung, zumal unheilschwangere Gitarren sich recht flott mit dramatischen Drums paaren. Gesanglich wird eine Mischung aus derben, sehr gelungenen Growls, fast schon gesprochenen Passagen und dem leider nicht immer ganz treffsicheren Klargesang geboten. Ein Einstand, über den man nicht groß meckern kann.

„Frostbounded“ fällt dann erfreulich, nun ja, frostig aus, aber auch hier wird wieder ein klarer Refrain eingebaut, der nicht so recht passen will. Welicoruss können zwar in den rasanten Passagen deutlich Punkte gut machen, Boganov ist aber weit davon entfernt, in die Riege der weltbesten Sänger aufzusteigen.

Vielleicht hat die Truppe das im Verlauf auch gemerkt und sich darum für „Metaphysical“, das mit einer etwas irritierenden, aber an sich sehr beruhigenden Meditationsübung beginnt, den Sänger der Symphonic-Melodic-Death-Band Xaon eingeladen – Rob Carson übernimmt einen Gutteil der Gesangsparts, in dem Blastbeats-geladenen Track und agiert von Anfang an auf deutlich gehobenerem Niveau als der Bandchef. Ein bisschen sehr abrupt gerät dann auch der Übergang zwischen Klaviergeplänkel und akustischem Massaker bei „Hymn Of Lost Souls“, obwohl die Russen alles versucht haben, um einen möglichst geschmeidigen Wandel zu vollziehen.

Insgesamt kann man bei „Siberian Heathen Horde“ zwar von einer soliden Platte sprechen, deutliches Manko ist aber zumindest der Klargesang des Fronters. Dass der Mann des englischen „th“ auch nicht fähig ist, darf man ihm eigentlich nicht ankreiden, führt aber zum Teil eher dazu, dass man ein bisschen schmunzeln muss, was vermutlich nicht im Sinne des Erfinders ist. Schaut man sich dann noch die entsprechenden Livebilder im Internet dazu an, muss man eher an Powerwolf denken als an „richtigen“ Black Metal. Dennoch: Album Nummer vier beinhaltet einige gute Songs und kann durchaus mal nebenbei gehört werden.

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