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Weeping Breath: Anosognosic Industry of the I

One-Man-Fruity-Loops-Black-Metal?
Wertung: 4/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 73:29
Release: 18.06.2008
Label: Conatus Records

Hinter der Schweizer Black-Metal-Band Weeping Birth verbirgt sich lediglich ein Mann namens Vladimir Cochet, der sich voll und ganz der Musik verschrieben hat und sich auch noch in diversen anderen Ein-Mann-Black-Metal-Bands künstlerisch auslebt.

Seit der Gründung von Weeping Birth im Jahre 1999, in dem auch „Officium Tenebrarum“ als erstes Demo erschien, konnte er 2003 seine erste Full-Length-CD namens „A Painting Of Raven And Rape“ präsentieren. Nachdem die Veröffentlichung weiterer Songs im Jahre 2006 scheiterte, haben es dieselben jetzt auf das 2008er Release „Anosognosic Industry of the I“ geschafft.

Der Sound von „Anosognosic Industry of the I” ist eine Wand aus shreddenden Klampfen, pausenlos blastenden Drums und wütendem Black-Metal-Geschrei, geschaffen von nur einer Person. Teilweise kommen auch Synthie Sounds, die sehr nach Dance Club Massacre klingen, zum Einsatz, wie zum Beispiel bei „Orgasmic Fetid Breath“. Keine Frage, Vladimir Cochet beherrscht die Gitarre, was auch teilweise den Einsatz eines Drumcomputers entschuldigt. Aber dass dieser so gar nicht zum Gesamtsound passt, ist eine andere Geschichte. Die Drumspuren klingen unter anderem auch aufgrund des stetigen Voranpreschens viel zu maschinenhaft und leblos. Fruity Loops ist eben nicht für jeden Stil geeignet.

Schade eigentlich, da Songs wie „Hurle À La Mort“ wirklich Potenzial besitzen. Feine Gitarrenarbeit, Kompliment, die epischen Passagen erinnern an Bands wie Abigail Williams und können durch eingängige Melodien wirklich begeistern.

Anzumerken sind hier auch noch die multilingualen Lyrics, die wahlweise auf Englisch, Französisch oder auch Deutsch sind, beispielsweise bei „Der Tanz Der Toten“, bei dem mit einer längeren Solopassage wenigstens etwas Abwechslung geboten wird.

Bei den meisten Songs wirkt es so, als wolle Vladimir Cochet einen Geschwindigkeitsrekord brechen, was leider bewirkt, dass nahezu alle Songs trotz der sehr langen Spielzeit einfach an einem vorbeirauschen. Fast 80 Minuten lang wird hier im sechsten Gang gefahren, was schon ziemlich anstrengend ist. Ist gerade der Hauch einer möglichen Erholungsphase zu spüren, so wird dieser im nächsten Moment wieder durch ein Drum-Tornado hinweggefegt.

Auch die vereinzelt starken Melodien, die teilweise sogar an Whitechapel erinnern, wie beim vorhin genannten „Hurle À La Mort“, können das zu hektische Gesamtbild nicht retten. Keiner der Songs fällt wirklich aus dem Raster oder bietet etwas wirklich Neues. Bei „Shadowless“ versucht Vladimir Cochet sich an Clean-Vocals, die wie Mönchsgesang und teilweise richtig schief klingen, beabsichtigt oder nicht, mich kann das nicht überzeugen.

„Vaginal Secretions“ bietet einen ganz interessanten Anfangspart, der dann allerdings auch in matschigen Blastbrei mit Synthie-Untermalung übergeht, in dem sogar die Vocals untergehen.

Bei Songs wie „Immobile“ klingen die Kirchenorgelsounds, als hätte Cochet beim Recording auf „Play“ gedrückt und sich dann einfach auf den Synthesizer gesetzt. Dissonanz in allen Ehren, aber das ist mehr als nur gewöhnungsbedürftig.

Gerade wegen der langen Spielzeit hätte man auf Songs wie „Mutisme“ auch getrost verzichten können, welches zur Hälfte nur aus seltsamen Sounds und diabolischen Stimmen besteht. Schade eigentlich, vor allem „Hurle à la Mort“ beweist, dass sich aus Cochets Talent mehr machen lässt. Insgesamt ist diese Platte jedoch definitiv ein Fehlgriff. Weniger Synthie und Geprügel würden dem Ganzen sicherlich nur gut tun. Und vielleicht würde auch die Konzentration auf ein Projekt und eine Zusammenarbeit mit einem Studiodrummer zu besseren Ergebnissen führen: Innovation und Abwechslung statt Fruity Loops und blindem Chaos.

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