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We've Got Muscles: Haellstroem 10"

Für Nerds instrumentaler Musik
Wertung: 7/10
Genre: Noise Rock/ Instrumental Rock/ Post Rock
Spielzeit: 19:33
Release: 29.07.2017
Label: Stöhr Sound

Nicht kleckern, sondern klotzen, zumindest was gleich mal das Medium der ersten EP „Haellstroem“ von We've Got  Muscles betrifft, denn wer sich mal mit den Vinylpresskosten beschäftigt hat, wird schnell merken, dass „Sonderformate“ wie eine 10" gleich mehr in der Anschaffung kosten – umso erstaunlicher, dass man die EP schon für zehn Euronen (plus Porto und Verpackung) abgreifen kann. Dafür bekommt man aber auch ein fein aufgemachtes, auf 500 Einheiten limitiertes Kleinod geliefert.

Dabei sollte man sich allerdings nicht auf dem skandinavischen Entdeckungspfad wähnen, kommt das Trio trotz des schwedisch anmutenden Titels eben aus dem herrlichen Kölle. Natürlich drängen sich bei der instrumentalen Ausrichtung auch gleich Vergleiche an eine Band wie den Brachenprimus Long Distance Calling auf, doch so einfach machen es sich die Herren dann doch nicht, um hier als Plagiat durch die Zeilen zu huschen.

Der Opener „Haellstroem“ kommt gleich mal als frech verspielter, leicht schräger, aber nie zu ungriffiger Song daher, solide sorgen die Drums für einen unaufdringlichen Soundteppich, der von einem manchmal leicht knarzenden Bass unterstützt wird. Und wenn die ersten Minuten noch wie ein fester Griff an die zarten Instrumentalmomente erinnern und manchmal sogar ein wenig ziseliert zerbrechlich wirken, so schaffen We've Got Muscles zwischendurch Bandnamen-geeignet auch etwas Raum für mehr Durchschlagskraft, nur um im nächsten Moment so ganz und gar in Zeit und Raum spärlicher Instrumentalisierung einen Gegenpol zu schaffen.

Gleich ohne hörbaren Übergang leiten die Kölner dann in „The Kraken's Got Tattooed Tentacles“ über, kratzen weiterhin weitestgehend an den krachigen Noise-Elementen vorbei, deuten diese vielleicht marginal an, setzen aber eben auch ein wenig mehr auf drängendere Dynamik und wirken insgesamt ein bisschen düsterer, aber eben auch nicht zu bedrohlich. Verspielt in der Gitarre, hier ein Hauch an sentimentaler Klampfe, dann doch wieder das sparsame unverzweifelte Vorbereiten für eine kurze angedeutete krachigere Eruption, nur um dann wieder in die Posttraumata zurückzufinden.

Fast schon fordernd fröhlich mit einem lustigen Bassbeat bettelt „Faux Fur“ um erhöhte Aufmerksamkeit. Etwas mehr Noise, eine kürzere Laufzeit, auch hier die verspielten Gitarren und fertig ist ein Song, der eben nicht an seiner leidenden Gebrechlichkeit zerschellt. „Pink Penguin“ startet dann gleich auch mal mit der akustischen Klampfe, wird von dem noisigen E-Sound eingeholt, eine leichte Stop and Go-Dynamik sorgt sogar für leichtes Mitwippen, schräg, was sie da den Saiten entlocken, doch dabei niemals radiountauglich werden, fast schon beschwingt leicht mit einer positiven Botschaft, nur um die kurze Dramatik wieder zu verschärfen – so lassen es We've Got Muscles auf der B-Seite ausklingen.

Vier durchaus sehr unterschiedliche Instrumentalsongs, die es geschickt schaffen, verschiedene Stimmungen aufzubauen und auch zu vermitteln, aber eben nicht den Wunsch nach Vocals wegwischen. Man muss schon ein ordentlicher Nerd instrumentaler Musik sein, um hier völlig steil zu gehen, denn viel falsch machen die Kölner beileibe nicht, weswegen man auch durchaus bei der 10" gerne zugreifen darf. Sicherlich haben schon vor langer Zeit beispielsweise Long Distance Calling den Boden für derlei Musikspielarten salonfähig gemacht, trotzdem dürften sich We've Got Muscles im Nischenbereich der instrumenatlen Welt wohlfühlen, zumindest haben sie mit „Haellstroem“ einen ordentlichen 10Incher hingelegt, der nicht nur Vinylfreaks begeistern dürfte. Kurzweilig, auch wenn vielen eben der Gesang fehlen wird, da kann man aber gerne schon fast über das „Schimpfwort“ „Post Rock“ hinweg sehen – ist ja auch genug „Noise“ drin.

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