Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Wayward: Headlines

Nicht umwerfend, aber durchaus annehmbarer Power Metal
Wertung: 7/10
Genre: Power Metal / Hard Rock
Spielzeit: 58:54
Release: 05.02.2010
Label: 7Hard

Es könnte wahrlich schönere Einstiege für eine Plattenkritik geben, aber manche Fragen drängen sich so penetrant auf, dass sie gestellt werden müssen: Warum leitet man ein Album mit den billigsten Streichern ein, die der Synthesizer hergibt? Klar, nicht jede Band kann sich ihr eigenes Sinfonieorchester leisten, aber es muss doch irgendetwas zwischen den Extremen geben. Wohlwollen gegenüber der eigenen Veröffentlichung hervorrufen geht jedenfalls anders.

Und so stehe ich „The Loss“, dem Opener des Albums „Headlines“, an dem Wayward eigenen Angaben zufolge vier Jahre lang herumproduziert haben, zunächst einmal einigermaßen feindselig gegenüber. Die Konservenstreicher werden glücklicherweise bald von verzerrten Gitarren abgelöst, später gesellt sich Gesang dazu, der leider viel zu laut abgemischt zu sein scheint. Sechseinhalb Minuten lang wechseln sich pathetische Melodien, Rhythmuswechsel, Breaks und orchestrale Passagen ab – was man in einen melodischen, progressiv angehauchten Rocksong nun einmal so reinpackt. Absoluter Tiefpunkt des Tracks ist übrigens das Keyboardsolo (ja richtig...die fiesen Streicher vom Anfang) und das anschließende kurze Gitarrensolo, das entweder so klingen soll oder in der falschen Tonart geschrieben wurde. Ich vermute ersteres, es klingt trotzdem nach letzterem.

Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass „The Loss“ neugierig auf den Rest der Platte macht. Eher regt sich die Frage, ob Wayward im Verlauf von „Headlines“ noch mehr zu bieten haben als standardmäßigen Power-Rock mit zu lautem Gesang und misslungenen Soundexperimenten.  

Und tatsächlich, ein erster Lichtschimmer offenbart sich in „Human Rights“: Anfangs düster angehaucht und von der Atmosphäre her leicht an Kamelot erinnernd; später mit einem netten Gitarrensolo gesegnet, das sogar den ziemlich kitschigen Mitgröhlrefrain teilweise verzeiht. Sänger Mark Tobler ist zwar nach wie vor kein Roy Khan; unhörbar schlecht ist sein Gesang aber auch nicht: Die Halbballade „Lost Forever“ meistert er zufriedenstellend und kraftvoll; restlos begeistern und für Gänsehaut sorgen kann sein Organ aber leider in keinem Song.

Auf instrumentaler Ebene geben sich Wayward durchaus Mühe, abwechslungsreiche Ideen in ihren Songs zu verwirklichen: Mal agieren sie gelassen zurückgelehnt, mal vorantreibend wie in „Silent Majority“ und auch vor Arrangements und Melodien am Rande des comichaften wie in „Call It Fame“ schreckt die Band nicht zurück. Immer gern genommen sind mehrstimmige Hintergrundchöre und pathetische Orgeleinwürfe sowie Instrumentalsoli, die immer wieder eingeflochten werden. Mit „In The Morning“ gelingt Wayward ein stimmiges Piano-Intro für den nachfolgenden Track „Beg In My Nightmares“.

Normalerweise steht der beste Track einer Platte an ihrem Anfang. Wayward machen es meiner Meinung nach umgekehrt, packen mit „The Loss“ einen eher durchschnittlichen Track an die Front und verstecken die besseren Songs im hinteren Viertel von „Headlines“. „Reasonable“ ist so ein Fall, ebenso wie „Wiseman“: Hier erleben zwar die Konservenstreicher eine Renaissance, diesmal aber in einem irgendwie an Discostampfer erinnernden Kontext, wo sie gerade wegen ihres synthetischen Klangs eine sehr gute Figur machen.  

In „Temptation“ passen sie dann nicht mehr ganz so gut; gelungene bis schamlose „Kashmir“-Zitate, die wohl aufregendste Gesangsmelodie des ganzen Albums und vorbildliche atmosphärische Stimmigkeit machen hier aber alles wieder wett.

Fazit: Vier Jahre sind eine lange Zeit, um an einem Album zu feilen. Man hört „Headlines“ diese Sorgfalt besonders in den teils recht ausgefeilten Songstrukturen an. Der Produktion hat das großzügige Zeitfenster ebenfalls gut getan, sieht man einmal von dem stellenweise zu lauten Gesang ab. Revolutionär oder umwerfend ist das Material allerdings trotzdem nicht; gleichzeitig natürlich auch weit entfernt von qualitativer Minderwertigkeit. „Headlines“ ist eine nette Platte für Fans von Rock/Metal mit großen Melodien und leicht progressiv-klassischem Einschlag, aber eben keine Offenbarung.

comments powered by Disqus