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Wayste: The Flesh And Blood

Eine bitterböse Granate
Wertung: 9/10
Genre: Hardcore, Punk, Crust
Spielzeit: 37:03
Release: 07.09.2018
Label: Day By Day Records/Through Love Records

Die Leipziger Wayste sind eher von der flotten Sorte: Ziemlich genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „No Innocence“, die sich als räudiger Rotzklumpen aus Punk, Hardcore und Crust entpuppte, kommt die Truppe mit einem Full-Length-Album hinterher: „The Flesh And Blood“ war bereits als hübsche Vinyl vorbestellbar und schon das Coverartwork lässt vermuten, dass Wayste auch auf dieser Platte wieder ordentlich Staub aus den Boxen pusten werden.

Erstes Pluspünktchen noch vor Beginn: Bei einem Blick auf die Tracklist fällt auf, dass kein einziger Song der EP auf dem Album neu verwurstet wurde. Sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht, da immer wieder Bands die scheinbaren Lücken auf ihrer Debütlangrille mit Tracks der vorangegangenen EP(s) füllen. Uns erwarten also knapp 37 Minuten brandneues Material, was in diesem Fall zwölf Tracks und viel Geschrei entspricht.

Wayste, wie man sie kennt, bauen ihren Sound auf „The Flesh And Blood“ weiter aus: viele düstere Melodien, viel Gekeife, auch mal Gangshouts oder Klargesang, der aber eher als Teppich unter der Soundwand dient und nie in den Vordergrund drängt, außerdem ein Oktopus am Schlagzeug – die Spielzeit von 37 Minuten, obwohl auf den ersten Blick etwas knapp wirkend, reicht völlig aus, um den Hörer zu plätten.

„I And You“ startet da schon in bester Hardcore-Punk-Ausraster-Manier, schon jetzt bleibt kein Fuß still, keine Stirn trocken, so richtig los legt die Platte dann aber beim folgenden „The Great Disguise“, das sich ironischerweise überhaupt nicht verkleidet, sondern dem Hörer mit einem rostigen Gartenstuhl fies von hinten eins überzieht, ihm dann ins Gesicht spuckt und ihm die Kniescheibe mit einem Baseballschläger zertrümmert. Gegen Ende wird man dann noch von einer absolut genialen, düsteren Melodie zu Boden gezwungen – ein geiler Song!

Fast schon bedächtig startet da „Mourn“, hier wird eher die Grooveschiene gefahren, auch die bereits angekündigten Gangshouts kommen zum Einsatz, die zwar etwas schief wirken, aber keineswegs fehl am Platz sind, sogar vor „richtigem“, wenn auch schüchternem Gesang schreckt die Truppe nicht zurück und beweist einmal mehr, dass hier mehr geht als nur stumpfes Geballer.

Wayste wären aber natürlich nicht Wayste, wenn Geballer nicht einen Großteil ihres Charmes ausmachen würde. Beim folgerichtig betitelten, rasanten „Killing Pace“ zeigt die Truppe wieder sehr schön, wie Ausraster klingen können – die überschießende Gitarre zaubert da fast ein Grinsen auf das Gesicht des Hörers, die galligen Screams tun sicherlich ihr Übriges, zudem ist der Song gerade durch seinen Groove auch noch erschreckend tanzbar ausgefallen.

„Elder“ startet überraschenderweise als so etwas wie eine Akustikvariante des sonstigen Geschreis und kreiert damit ein wahnsinnig deprimierendes Gefühl, das durch die bluesige Gitarre nur noch verstärkt wird. Erstaunt, so was auf einer Hardcore-Punk-Platte zu finden? Vermutlich war genau das der Plan.

Den Leipzigern ist etwas gelungen, was für Musiker wie auch Schreiberlinge einen wahren Glücksgriff darstellt: Schon mit der EP hatten die Jungs ja ein gewisses Können gezeigt, mit der Debüt-Full-Length-Scheibe mausern sich Wayste nun in Rekordzeit zu einer der derzeit spannendsten deutschen Hardcorebands. Ganz klar, dass „The Flesh And Blood“ sich da punktemäßig sehr weit oben bewegen muss.

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