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Watain: Trident Wolf Eclipse

Im Vergleich zu den vorigen Alben ein wenig enttäuschend
Wertung: 7/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 34:42
Release: 05.01.2018
Label: Century Media

Über vier Jahre ist es nun schon wieder her, dass Watain ihren letzten Output „The Wild Hunt“ veröffentlichten und nach so langer Zeit durfte man gespannt sein, mit was für Einfällen die Schweden als nächstes um die Ecke kommen. Die 2013er Platte war facettenreich, spannend, abwechslungsreich – und damit ein recht deutliches „Fuck you“ in Richtung all jener, die meinen, der Welt diktieren zu müssen, wie „reiner“ Black Metal zu klingen hat. Vor allem die (absolut großartige) Ballade „They Rode On“ war mutig und ein klares Zeichen, dass im Hause Watain eben nicht nur klischeehaft dahergelabert wird, sondern tatsächlich auch etwas dahintersteckt.

Nachdem die Band sich also stetig weiterentwickelt hat und immer wieder überraschen konnte, war es natürlich eine interessante Frage, was das sechste Studioalbum „Trident Wolf Eclipse“ bieten würde. Die Jungs aus Uppsala gelten nicht umsonst als legitime Erben der legendären Dissection, verschmelzen sie doch in ähnlich gekonnter Manier technisches Niveau, songschreiberische Finesse und düster-dichte Atmosphäre, sodass die Szene stets genau hinguckt, wenn Erik Danielsson und Co. einen neuen Output am Start haben.

Und so wird auch diese Scheibe wieder polarisieren: Statt die Ausrichtung von „The Wild Hunt“ weiterzuführen, vollführen Watain eine 180-Grad-Wendung und kehren mit „Trident Wolf Eclipse“ (dass sie dem 2014 verstorbenen The Devil’s Blood-Genius Selim Lemouchi widmeten) zurück zu den Wurzeln. Die kurze Spielzeit von kaum 35 Minuten spricht bereits eine deutliche Sprache und Experimentelles der Marke „They Rode On“ oder „Outlaw“ sucht man hier vergeblich. Wie es bei kontroversen Bands eben häufig so ist, werden einige dies bejubeln, andere sich hingegen eher ernüchtert zeigen, dass die Skandinavier nicht den nächsten Schritt wagen – wie immer der auch aussehen mag.

Der lediglich drei Minuten währende Opener „Nuclear Alchemy“ ballert von der ersten Sekunde an mit voller Kraft aus den Boxen und nimmt die old-schoolige Direktion quasi gleich vorweg. Die Atmosphäre stimmt, die Produktion ist Hall-lastig, aber damit ja passend für Schwarzmetall, der Refrain geht gut ins Ohr – sicherlich kein schlechter Beginn, wenn auch recht simpel gestrickt. Das folgende „Sacred Damnation“ kann da schon mehr überzeugen: Mit Blastbeats startend, wird hier doch immer wieder clever und nachvollziehbar das Tempo gedrosselt, die versteckten Melodien offenbaren sich erst nach mehreren Durchläufen – das ist schon starkes Songwriting, hier blitzt das hohe musikalische Niveau Watains merklich durch.

Allein vom Titel auffällig ist auch „Teufelsreich“ (ist jetzt die Hölle, also das Reich des Teufels gemeint, oder etwas, das reich an Teufeln ist?), das im Kontrast dazu schleppend beginnt und erst zur Mitte in höhere Geschwindigkeitsregionen vordringt – ein sehr hypnotischer Track und zweifellos eine der stärksten Nummern des Rundlings, die zudem ebenfalls mit einer Menge verborgener Melodien aufwartet.

Es steht außer Frage, dass Watain es immer noch verstehen, Songs zu schreiben, die abwechslungsreich sind, in nahezu unnachahmlicher Manier kleine Widerhakenmelodien besitzen, welche aber nur zur Bereicherung des Songs beitragen, ohne dass an Brutalität und bösartiger Atmosphäre eingebüßt würde – dennoch will „Trident Wolf Eclipse“ auch nach mittlerweile mindestens acht Rotationen nicht hundertprozentig zünden. Selbstverständlich ist es auch immer entscheidend, wie man an ein Album herangeht: Wenn man sich über die, sagen wir mal, progressiven Elemente der letzten Scheibe gefreut hat, ist man schon ein wenig enttäuscht ob der vergleichsweise einfachen Ausrichtung des neuen Albums. Wer es dagegen direkter bevorzugt, wird seine Freude an dem Werk haben.

Relativ gesehen stecken die Schweden das Gros aller Schwarzmetallcombos mit dieser Platte immer noch locker in die Tasche, und doch bleibt ein kleiner Nachgeschmack; auch wenn sich nach längerer Zeit Melodien und Riffs herauskristallisieren, plätschert das Ganze vor allem in der sperrigen Mitte ein wenig vor sich hin und man schweift immer mal ab, um festzustellen, dass man doch irgendwie nicht recht bei der Sache war. 35 Minuten sind heutzutage (noch dazu nach viereinhalb Jahren) auch quantitativ einfach zu wenig. Immerhin legt man mit dem hymnischen „The Fire Of Power“ einen richtig geilen Abschluss hin, der versöhnt – aber Watain können mehr, das haben sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Schwer zu bewertende Platte, am Ende sind sieben Punkte wohl ein guter Konsens.

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