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Watain: The Wild Hunt

Stinkefinger für alle Reinheitsfanatiker
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 62:49
Release: 16.08.2013
Label: Century Media

Dass die Black-Metal-Szene nicht unbedingt die toleranteste Sparte unserer Lieblingsmusik darstellt, dürfte nichts Neues sein – sobald eine Band auch über die Genregrenze hinaus einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt und zu viele Experimente wagt, wird ihr Ausverkauf und Verrat vorgeworfen. Da Watain mit jedem Album erfolgreicher wurden und sich mittlerweile längst als eine der wichtigsten Gruppen der Szene etabliert haben, mussten auch sie sich schon diese Vorwürfe gefallen lassen – doch wirklich große und visionäre Bands polarisieren eben häufig.

Umso erfreulicher, dass Erik Danielsson, Sänger, (Studio-)Bassist und Sprachrohr nicht gedenkt, sich von seinem Weg abbringen zu lassen. Sicher, man kennt die üblichen Worthülsen von wegen „vielfältigstes Album“, „kompromisslos“ oder in diesem Fall auch „ich spucke auf sogenannte Künstler, die sich anpassen, um mehr Menschen anzusprechen“. Doch hat man sich die neue, mit Spannung erwartete Platte „The Wild Hunt“ zu Gemüte geführt, ist man geneigt, dem Schweden zu glauben; tatsächlich agiert die Combo facettenreicher als je zuvor, experimentiert einigermaßen herum und kann mit so mancher Überraschung aufwarten.

Grundsätzlich wird natürlich wieder sehr melodisches Schwarzmetall geboten, das besonders durch die ausgefeilte Gitarrenarbeit und die unverkennbaren, akzentuierten Vocals des Frontmannes besticht. Schon „De Profundis“, der erste echte Song nach dem Intro „Night Vision“, führt die Tugenden des Vorgängeralbums „Lawless Darkness“ fort, indem geschickt Raserei in der Strophe und hymnisches Midtempo im Refrain in Band-typischer Manier miteinander verknüpft werden. So gesehen hätte das Stück auch gut auf dem letzten Album stehen können, dennoch ist bereits hier ein Fortschritt erkennbar, da es noch mehr Details zu entdecken gibt, und allein wie hier stumpfes, punkiges Uffta-Riffing problemlos neben gediegenen Gitarrenläufen steht, ist schon bemerkenswert.

In Sachen Songwriting und Arrangements hat man noch einmal eine Schippe draufgelegt, obwohl es dem Hörer nicht immer leicht gemacht wird – insgesamt lief das Material auf dem 2010er Werk deutlich schneller rein. Nach einigen Rotationen lassen einen harte Brocken wie der sich pechschwarz dahinwalzende „Black Flames March“ oder das peitschende „All That May Bleed“ aber nicht mehr los. Mit dem grandiosen, bereits zuvor als Appetizer im Internet veröffentlichten „The Child Must Die“ hat man außerdem auch eine vergleichsweise eingängige Hymne am Start.

Und die zahlreichen kleinen Einfälle verdeutlichen klar, dass die Jungs nicht viel von Stillstand halten: Seien es die vielen, sorgsam durchdacht platzierten Gitarrenlicks, das Piano, das inmitten des Geschwindigkeitsrausches von „Sleepless Evil“ erklingt, dabei aber keineswegs unpassend eingesetzt wurde, die Akustikgitarren am Ende des Titelstücks und beim Finale „Holocaust Dawn“, dezent eingesetzte Keyboards hier und da, oder die Ritual-mäßigen Sequenzen bei „Outlaw“ – Watain zeigen allen Reinheitsfanatikern den Mittelfinger und ziehen ihr Ding durch, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen.

Am auffälligsten ist ganz eindeutig die sich genau in der Mitte der Platte befindliche Ballade „They Rode On“. Ballade? Ja, ganz richtig gelesen, Erik versucht sich erstmals an Klargesang, was ihm überraschend gut gelingt, und das Lied bleibt frei von Screams oder Blastbeats. Ein sehr mutiger Schritt, denn die Basis wird die Band dafür sicherlich hassen, doch wer etwas open-minded ist, wird erkennen, dass die Uppsala-Truppe schlichtweg eine wahnsinnig unter die Haut gehende Gänsehaut-Nummer komponiert hat – die Gitarren sind einfach nur göttlich. Wieder einmal scheint sich das Klischee zu bestätigen, dass die emotionalsten und ehrlichsten Balladen eben doch meist diejenigen schreiben, die sonst viel härter unterwegs sind.

Auch der schleppende Titelsong fällt mit seinen erhabenen Chören und abermaligem Cleangesang aus dem Rahmen, fügt sich nach einer kleinen Eingewöhnungsphase jedoch im Prinzip ebenfalls relativ problemlos in die Trackliste ein. Wie oben erwähnt: Man braucht ein paar Rotationen, um die Strukturen alle erfassen und die Detailverliebtheit der Skandinavier tatsächlich schätzen zu können, allerdings kann man bereits nach einem Durchlauf erkennen, dass Watain sich klar weiterentwickelt haben, was einem Respekt abringen muss. Und hat sich „The Wild Hunt“ erst einmal in den Hirnwindungen festgesetzt, wird es dort so schnell nicht verschwinden, denn dann hat sich die Erkenntnis, dass hier äußerst talentierte Musiker einmal mehr große Visionen umgesetzt und eine unheimlich facettenreiche Platte abgeliefert haben, durchgesetzt. Dieses beeindruckende Album dürfte mindestens unter die Top five der bisherigen Veröffentlichungen des Jahres gehören. 

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