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Watain: Lawless Darkness

Eines der besten Black-Metal-Alben der letzten Jahre
Wertung: 9.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 79:40
Release: 04.06.2010
Label: Season Of Mist

Viele halten Watain für die Heilsbringer, was den klassischen melodischen Black Metal angeht. Eindeutig von Dissection beeinflusst, handwerklich auf einem sehr hohen Niveau, songschreiberisch stark und atmosphärisch dicht, kommt diese Meinung natürlich nicht von ungefähr. Das letzte Album „Sworn To The Dark“ (2007) konnte zudem auch produktionstechnisch überzeugen, sodass es nicht verwundert, dass das Interesse an Watain rapide gewachsen ist – trotz unschöner und schlichtweg saudämlicher Geschichten wie dem wahrscheinlich massivem Alkoholeinfluss zuzuschreibenden Vorfall bei der 2006er Ausgabe des Party.San-Festivals.

Vom ideologischen Konzept der Band darf man halten, was man will, und auch der Verfasser dieser Zeilen muss ganz klar sagen, dass die Jungs mit Sicherheit schwer einen an der Marmel haben, doch musikalisch ist es wirklich nicht weiter verwunderlich, warum sich derzeit so viele Black Metal-Bands und -Musiker auf die Combo um Erik Danielsson beziehen, sie immer wieder als Vorbild nennen, da die oben genannten Attribute nicht weg zu diskutieren sind und auf der neuen Scheibe „Lawless Darkness“ stärker als je zuvor zum Vorschein kommen. Etwas vollmundig wurde das Werk mit den Worten „Black Metal shall be reborn“ angekündigt, doch egal, ob sie nun tatsächlich Old School Black Metal neu definieren oder nicht – „Lawless Darkness“ ist in jedem Fall ein beeindruckendes, atmosphärisches und exzellent produziertes Album geworden, das mit – zählt man das Death SS-Cover „Chains Of Death“ dazu – fast 80 Minuten außerdem äußerst lang ausgefallen ist. Ein pechschwarzer Trip, der demnach ein gewisses Maß an Geduld erfordert, denn von den zehn regulären Tracks ist fast gar keiner kürzer als sechs Minuten; insgesamt ist das Material einen Zacken komplexer als der Vorgänger „Sworn To The Dark“ ausgefallen.

Dennoch liegt die große Stärke der Band weiterhin darin, ihre Songs zwar mit Tempo- und Rhythmuswechseln zu garnieren und auf diese Weise abwechslungsreich zu gestalten, dabei aber trotzdem mit eingängigen Melodien und Riffs zu versehen, die sich schnell im Gehörgang festsetzen. Wegen dieser Fähigkeit und der an die alten Klassiker des norwegischen und schwedischen Black Metal aus den frühen Neunzigern erinnernden Atmosphäre, die trotz der sehr klaren Produktion – gerade die Gitarren sägen in allerbester Black-Metal-Manier – zu jeder Zeit authentisch zum Vorschein kommt, genießen Watain momentan die Anerkennung der gesamten Szene.

Ausfälle sind auf „Lawless Darkness“ wirklich keine auszumachen: Angefangen vom brillanten Eröffnungstrack „Death’s Cold Dark“ über das majestätische, mit einem im Prinzip recht simplen, aber unheimlich mitreißenden Mainriff ausgestattete „Malfeitor“, den hervorragend aufgebauten, mit neun Minuten zweitlängsten Track „Wolves Curse“, bei dem geschickt Melodie und kraftvolles, teils äußerst dissonantes Riffing miteinander verknüpft werden, das in feierlichem Midtempo gehaltene instrumentale Titelstück, welches dank vieler Soli und Harmoniepassagen sehr facettenreich daherkommt, die grandiosen Düsterhymnen „Total Funeral“, „Hymn To Qayin“ und „Kiss Of Death“ bis hin zum fast viertelstündigen Epos „Waters Of Ain“, dem absoluten Highlight der Platte, gibt es nur Exquisites zu vermelden. Zurecht wurde „Waters Of Ain“ an letzter Stelle platziert, das Beste soll schließlich zum Schluss kommen. Genial, wie man am Ende des Stückes vom schwarzmetallischen Element zu einem rockigeren überleitet, bei dem SL von The Devil’s Blood, der ja eng mit den Schweden befreundet ist, ein atemberaubendes Gastsolo beisteuert, das mal wieder zeigt, dass er derzeit einer der besten Gitarristen der Szene überhaupt ist, und das man in einer Endlosschleife hören könnte. Auch wenn Watain es vielleicht nicht gerne hören, aber dieser letzte Part erinnert stark an Dimmu Borgir, speziell an „A Succubus In Rapture“, was allerdings keineswegs negativ gemeint ist.

Abgeschlossen wird „Lawless Darkness“, das eines der besten „echten“ Schwarzmetallalben der letzten Jahre geworden sein dürfte – Wiedergeburt des Black Metal oder nicht – und die beeindruckende Entwicklung Watains in den letzten Jahren verdeutlicht, auf der limitierten Auflage dann mit dem bereits erwähnten Death SS-Cover „Chains Of Death“, das sich problemlos ins Gesamtbild einfügt. Bei über 79 Minuten Spielzeit soll es erst mal einer nachmachen, eine Platte ohne Ausfall zu produzieren – jeder Black Metal-Fan muss diese Scheibe besitzen.

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