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Artwork der W.A.S.P. Compilation "The Best Of The Best"

W.A.S.P.: The Best Of The Best

zweiter Anlauf der Compilation mit doppelt soviel Futter
Wertung: 99/10
Genre: Heavy Rock US Metal
Spielzeit: 152:22
Release: 24.09.2007
Label: Snapper Music

Irgendwie hätte es man erahnen können: „Dominator“ ist recht positiv abgefeiert worden, schon wird es Zeit für die nächste Compilation. Juchhu, seltsam nur, dass es eine Compilation unter demselben Namen schon seit dem Jahre 2000 gibt. Unglaublich dann aber erst recht, dass man sogar dasselbe Cover benutzt, nur mit einem Sticker, der besagt, dass es sich hier um eine 2 CD Compilation handelt. Trotzdem gibt es praktisch nur Material bis zur „Helldorado“ von 1999. Was das nun soll, wird wohl niemand so genau wissen, denn selbst wenn es an den Labelwechseln liegt, macht es dann keinen Sinn, so eine Scheibe „The Best Of The Best“ zu nennen. Egal, hier geht`s halt vorrangig um Kohle. Was allerdings nicht heißen soll, dass die Doppelscheibe an sich nicht durchaus seinen Reiz hat.

Positiv finde ich auf jeden Fall die Tatsache, dass die Songs nicht wild durcheinander gewürfelt sind, sondern ziemlich genau chronologisch angeordnet sind. Den Reigen eröffnen dann logischerweise die Singles „Animal (Fuck Like A Beast)“ und „I Wanna Be Somebody“. Wenn das mal nicht nostalgische Gefühle hochkommen lässt. Damals schockte die Band die Musikwelt mit ihren Auftritten und den blutigen Shows. Ja, das ließ damals auch mein Herz deutlich schneller schlagen. W.A.S.P. waren sehr schnell Kult geworden. Musikalisch nicht gerade sehr anspruchsvoll, aber immer derart gut in Szene gesetzt, dass man regelrecht begeistert ist.

Genau das ist ja auch das große Plus von Blackie Lawless: Er schafft es immer wieder, selbst mittelmäßige Songs durch seine unnachahmliche Stimme zu einem Highlight werden zu lassen. Rauh und eigentlich für sich gesehen nicht wirklich gut, aber in Kombination mit der Musik ein wahrer Ohrenschmaus. Auf Grund der chronologischen Anordnung der Songs kann man auch recht gut die Entwicklung der Band verfolgen. Denn nach dem Debutalbum wird dem „The Last Command“ gehuldigt, und zwar in Form von „Wild Child“, „Ballcrusher“, dem genialen „Blind In Texas“ (wer erinnert sich nicht noch an das Video zu dem Song?) und „Sex Drive“.

Zur Hölle, W.A.S.P. sind immer klischeehaft gewesen und haben permanent durch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit die Schlagzeilen der Yellowpress gesucht und gefunden. Dies dürfte aber auch vorrangig in dem Plan der Bandpromotion verankert sein. Konzertverbote und Anfeindungen, welche sogar in Schüssen auf die Band gipfelten, waren die populäre Folge.

Mit „The Last Command“ begann dann auch der Krieg mit der PMRC, welcher in Amerika schon für einiges Aufsehen sorgte. Soviel, dass man selbst in Europa Notiz davon nahm. Abwertend als Organisation frustrierter Politikerfrauen verschrien, versuchte die Organisation eine recht seltsam wirkende Reinigung der Musikszene zu bewirken, indem sie nicht geliebte Bands an den Pranger stellte. Dies wurde aber auch mit unfairen Mitteln getan. Im Falle von W.A.S.P. bediente man sich der Lyrics und veränderte sie nach freiem Willen, um sie als böse darzustellen. W.A.S.P. wurde kurzerhand in „We Are Sexuel Pervers“ umgetauft und der Säuberungskrieg hatte begonnen. Die Band selber nutzte diesen Trubel bereitwillig aus und setzte sich in deren Rampenlicht gekonnt in Szene.

Ja, unser Blackie ist ein ausgebuffter Medienmann. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass die Band hervorragende Alben veröffentlichte, welche immer in die jeweilige Zeit passten. „I Don`t Need No Doctor“ darf man dann auch als kleine Antwort auf die zahllosen Scharmützel mit der Öffentlichkeit werten. Trotzdem oder gerade deshalb konnte es die Band live etwas unblutiger angehen lassen Man wechselte ins Zirkusgewerbe und veröffentlicht „Inside The Electric Circus“. Zur Abwechslung sprühten Blackie nun live Funken aus seinem Genitalbereich. Es soll manchmal etwas heiß geworden sein, wie er auch in Interviews der damaligen Zeit erwähnte. Man merkte der Scheibe eine etwas schwächelnde Produktion an, was wohl auch daran lag, dass Blackie erstmals selbst produzierte.

Des weiteren machte sich beim Songwriting auch der Album/Tour/Album/Tour Stress bemerkbar. Dazu dann noch die permanent nachtretende Öffentlichkeit, die man aber selber im vorhinein gesucht hatte. So blieben Songs wie „9.5.-N.A.S.T.Y.“ oder auch „Restless Gypsy“ hinter den Erwartungen zurück. Vielleicht auch deshalb muss ein weiterer Eklat her. Die Band kündigt für ihren Monsters Of Rock Gig die Rückkehr zur alten Blutshow an, was aber vom Headliner Bon Jovi strikt unterbunden wird. Als Folge zerstört die Band zum Abschluss ihrer Show kurzerhand das Bühnenequipment. Den Fans gefällt es, aber es gibt ein paar Bands mehr, die keine Lust mehr haben, nochmal mit W.A.S.P. auf die Bühne zu gehen. Aber die gewünschte Aufmerksamkeit ist da, und das dürfte alles sein, was für die Band zählt.

Also rettet man sich erstmal in eine Schaffenspause, die hauptsächlich nur durch die Single „Scream Until You Like It“ unterbrochen wird, welcher auch den Titelsong zum Horrorfilm „Ghoulies II“ gibt. Dann kommt auch das beachtliche Livealbum „Live … In The Raw“ in die Läden. „Harder Faster“ ist einer der beiden neuen Songs. Er rechnet nochmal kräftig mit der PMRC ab. Ein richtig toller Song, der leider nie im Studio aufgenommen wurde. Schön, dass man hier bei der Compilation die komplette Hassansage dabei gelassen hat. Dies sollte dann aber auch den Abschluss der etwas unreif anmutenden Provokationen sein.

Mit dem „The Headless Children“ Album machen sich W.A.S.P. dann geradezu unsterblich. Die Songs sind deutlich ausgefeilter und die Lyrics richtig tiefsinnig. Man hat damit eine andere intellektuelle Stufe erklommen, die der Band sehr gut steht. Das Album wird auch heute noch neben „The Crimson Idol“ als das Meisterwerk der Band gesehen. Ob nun der Titelsong oder das balladeske „Forever Free“, „Mean Man“ oder auch „The Real Me“, um nur die Songs auf dieser Compilation zu nennen, hier passt alles.

Mit der Single B-Side „Locomotive Breath“ heimst die Band unerwartete Beachtung ein. Die Coverversion des alten Jethro Tull-Hits kommt durch seinen deutlich härter rockenden Anstrich richtig gut bei den Fans an. 1992 erscheint dann „The Crimson Idol“, eine Rockoper. Die Scheibe rechnet recht schonungslos mit der Musikindustrie ab, was dann auch einen Labelwechsel zur Folge hat. Unglaublich, was der während der Aufnahmen zur Band gestoßene Stet Howland hier an den Drums abliefert. Da kommt ein Fill nach dem anderen.

Da man sich halt inzwischen etwas ernster mit der Musik beschäftigt, die man macht, fliegen auch die meisten Showeffekte bei der Tour raus und man demonstriert sich als versierte Band. Da aber die Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben, begräbt Blackie die Band. Böse Zungen sprechen davon, dass er keinen Plattendeal mehr bekam wegen seiner textlichen Abrechnung auf „The Crimson Idol“. Ob nun „Hold On To My Heart“, „Chainsaw Charlie“ oder die anderen beiden Songs, die hier vertreten sind, jeder hat seine Berechtigung auf dieser Doppel-CD.

Aber dem Himmel sei dank, entert er mit einem eigentlich als Soloalbum gedachten „Still Not Black Enough“ erneut die Showbühnen der Welt. Diese wird leider bei dieser Compilation ausgespart. Weiter geht es dann mit dem „Helldorado“-Album. Interessanter dürfte aber die für die erste „The Best Of The Best“ Compilation verwandte Coverversion von „When The Levee Breaks“ (Led Zeppelin) sein . Nicht wirklich mein Geschmack, aber sehr interessant zu sehen, wie die Band den Song interpretiert. „Helldorado“, „Damnation Angels“, „Dirty Balls“ oder auch „Cocaine Cowboys“ demonstrieren, dass W.A.S.P. , welche inzwischen ihren ersten Gitarristen Chris Hokmes wieder an Bord haben, wieder die eher einfach gehaltenen Rocksongs spielen wollen. Ein Schelm, wer den Grund darin in den Fähigkeiten des alten-neuen Gitarristen sieht. Als krönenden Abschluss wird dann noch das Elton John Cover „Saturday Night`s Allright For Fighting“ zum Besten gegeben.

Fazit: Es gibt viel Musik für wenig Geld. Dass W.A.S.P. gute Songs bieten, ist unbestritten, aber dass gerade der inzwischen, was die Politik angeht, zum Moralapostel mutierete Blackie Lawless jeder Chance zum Geld verdienen hinterher rennt, ist schon befremdlich. Die Band hat immer gut gewusst, wie sie provoziert und ins Gerede kommt. Dabei hat man sich auch einige sehr dunkle Flecken eingehandelt, sei es bei den Ticketpreisen für Liveshows oder den viel zu kurz geratenen Auftrittszeiten. Dass die Band problemlos mehrere Stunden auftreten könnte, ohne auf Lückenfüller zurückgreifen zu müssen, zeigt diese Compilation.

Und wer sich jetzt wundert, dass ich hier weniger die Stücke beschrieben habe und ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert habe, dem kann ich nur sagen: Wer es bis jetzt geschafft hat, W.A.S.P. zu ignorieren, der wird auch hier fälschlicherweise nicht zuschlagen. Für Fans dürfte die Scheibe wie eigentlich jede Compilation nichts Neues bieten. Für Leute, die die Musik zwar gut fanden, sich aber bislang lieber das Geld gespart haben, ist nun die Gelegenheit, mehrere Stunden klasse Musik günstig abzugreifen.

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