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W.A.S.P.: Babylon

Fulminater Einstieg, stark nachgelassen und ein echter Rausschmeißer zum Ende hin
Wertung: 8/10
Genre: Heavy US Rock / Metal
Spielzeit: 49:23
Release: 16.10.2009
Label: Demolition

W.A.S.P. melden sich mit „Babylon“ zurück. Die Deutschland-Tour ist quasi mit der Veröffentlichung vorbei und hinterließ einen sehr guten Eindruck (mehr). Da man dort den Titeltrack präsentierte, wurden natürlich die Erwartungen zum Album deutlich angehoben, denn „Babylon`s Burning“ reihte sich nahtlos in die Riege der Hits der Band ein und das beim ersten Höreindruck!

„Crazy“ startet richtig gut im typischen W.A.S.P.-Stil. Starker US-Rock mit den typischen Attributen der Band. Blackie brilliert am Mikro und die Stimmung steigt. Der Song, der auch als erste Singleauskopplung fungiert, ist für einen Opener aber vielleicht ein wenig zu eingängig geraten. Die Melodie bohrt sich nämlich tief ins Hirn und sorgt für angenehmes Mitsingfieber. So darf es gerne weiter gehen, dann kann sich der „Dominator“-Nachfolger sehen lassen.

„Babylon`s Burning“ hält dann auch auf CD, was es schon live versprochen hat. Starker Song, der irgendwo in der Tradition von „The Headless Children“ steht und auch fast an die Genialität des Albums heranragt. Das Highlight dieses Albums bis jetzt. Da kann man mitbangen, mitgröhlen und abgehen. Was will man von einer Rock/Metal Band mehr? Das ist Spaß pur mit kritischen Texten, die hier allerdings erst so wirklich ins Bewusstsein des Hörers kommen. 

Weiter geht`s mit der ersten Coverversion „Burn“. Wer kennt den alten Hardrocker von Deep Purple nicht? Klar, gesanglich sollte man das jetzt nicht mit David Coverdale (Whitesnake) vergleichen, aber W.A.S.P. lassen den Song eh fast wie einen eigenen klingen. Mit deutlich mehr Härte wird der Song hier gezockt, nicht schlecht, aber da gibt es deutlich bessere Coversongs, welche die Amerikaner hingelegt haben. Eigentlich eher eine gelungene B-Side einer Single, wie ich finde.

„Into The Fire“ ist dann die erste Halbballade des Albums. Und irgendwie gefällt mir der hier etwas unausgeglichene Sound nicht. Etwas stark drumorientiert klingt gerade in den ruhigeren Phasen die Gitarre zu herausstechend. Sobald Blackie singt, verschwinden die Sechssaiter im Hintergrund. Da hätte man mehr rausholen können. Blackies Gesang dann auch noch einen Ticken weiter zurückgenommen und das Ganze hätte ein wenig mehr Flair entwickelt. Aber auch so weiß der Song zu überzeugen.

„Thunder Red“ kommt als zügige Rock`n`Roll-Nummer daher, vermittelt aber doch recht wenig Flair und stirbt so den Tod des Lückenfüllers. Sicher, viele Bands könnten sich solch einen Song direkt in die unabänderbare Setlist ihrer Livegigs schreiben, aber für eine Band wie die von Blackie Lawless ist das dann doch eher schmale Kost. Besonders ärgerlich, dass die Band mit den ersten drei Nummern so fulminant gestartet ist.

„Seas Of Fire“ beginnt recht spannend und treibt die Erwartungen hoch, ohne sie dann aber zu 100 Prozent zu erfüllen, hier erscheint dann auch wieder der Sound ein wenig behindernd. Irgendwie klingt das hier ein wenig dünn. Es scheint fast so, als wäre das Album in mehreren Etappen eingespielt worden. Umhauen kann der Track allerdings auch trotz des sehr guten Bassspiels nicht, da hilft auch Blackies Stimme nicht. 

Dagegen klingt „Godless Run“ deutlich wärmer und stimmiger, was den Sound angeht. Die letzte Halbballade des Albums mit richtig starkem Flair. Blackies Stimme könnte zwar noch ein wenig kratzender rüber kommen, um noch mehr Kultflair zu verbreiten, aber auch so ist es ein hart eingespielter Softschmeichler der besten Art. Doug Blair spielt sich mit seinem Sechssaiter in den Vordergrund, aber das stört hier weniger, zumal er an seinem Instrument vom Spielerischen her ein starke Leistung im Verbund mit der Gitarre des Chefs hinlegt. 

Zum Abschluss wird dann noch ein Rock`n`Roll-Cover ausgepackt: „Promised Land“ im Original wohl von Chuck Berry. Mutig, so etwas zu machen, aber es funktioniert für Rocker deutlich eher, diese Version zu hören als das Original, aber trotz typischer W.A.S.P. Instrumentierung wirkt der Song wie ein Fremdkörper und hat so deutlich mehr als nur einen B-Side-Charakter für die Die Hard-Fans. Ich bin schon gespannt, wann die Band ein Doppelalbum nur mit Coversongs gefüllt veröffentlicht. Da würde der Song besser hinpassen, weil man ihn dann nicht zu ernst nehmen müsste. Hier eher ein umrühmlicher Abschluss eines insgesamt guten Albums.

Fazit: Ich hatte mir nach „Dominator“ und der Tour mehr erhofft vom neuen Album. Es wirkt stellenweise nicht unbedingt perfekt produziert und weist meiner Meinung nach mit zwei Coversongs bei einer Spielzeit von weniger als fünfzig Minuten doch ein bisschen wenig Material auf. Wenn Blackie mit seinen Mannen dann aber so loslegt wie bei dem Eröffnungstrio, dann ist die Welt absolut in Ordnung. Als EP mit vier bis fünf Songs wäre man mit der Höchstwertung richtig zugange, so aber bleibt ein gutes Album übrig, welches nicht als Kult in die Musikgeschichte eingehen wird. Aber welche Band schafft es auch, nach 28 Jahren Bandgeschichte permanent nur Kracheralben abzuliefern?

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