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Warrior Soul: Salutations From The Ghetto Nation

Rebellion groß geschrieben
Wertung: 9.5/10
Genre: Psychedelic Punk Metal Rock
Spielzeit: 56:30
Release: 13.10.1992
Label: Geffen

Ich freue mich, euch ein weiteres Highlight aus den Neunzigern vorstellen zu dürfen, welches auch im Zuge der damals aufkeimenden Grunge-Bewegung nur bedingt Beachtung gefunden hat. Es handelt sich hierbei um Warrior Soul mit ihrem dritten Album „Salutations From The Ghetto Nation“. Die Band spielt einen recht kreativen Mischmasch aus Metal, Punk und Psychedelic Rock, das Ganze aber in einer doch durchaus gelassenen Einfachheit.

„Love Destruction“ beginnt mit John Riccos Gitarre, bevor es härter wird und Kory Clarke seine Texte herausschreit. Mit einer gehörigen Portion Sozialkritik zelebriert die Band hier einen Hit, der vor Groove und hymnenhafter Eingängigkeit trotz aller Härte nur so überquillt. Irgendwie werden auch ruhigere Gesangspassagen eingebaut, ohne aber den heftigen Tritt in den Allerwertesten, der zu jeder Zeit in der Musik von Warrior Soul fest verankert ist, zu verwässern. Viel stärker kann man ein Album nicht eröffnen.

„Blown“ wirkt da vom Sound her schon deutlich fülliger. Kory Clarke (der aktuelle Sänger der Doom Metal-Legende Trouble besticht hier durch weniger aggressiven Gesang, welchen er auch perfekt beherrscht. Unglaublich, welche Intensität sich nach ein paar Durchläufen bei diesem Song herauskristallisiert.

„Shine Like It“ ist eine leicht düstere Halbballade mit einigem Flair. Mark Evans am Schlagzeug sorgt für den perfekten Takt und trägt deutlich mehr zum Sound der Band bei als dies meistens der Fall ist. Sein teilweise fast schon ein wenig hypnotisch wirkendes Drumming, welches trotzdem vor Energie strotzt, ist einfach ein weiteres Sahnehäubchen auf dem auch so schon gelungenen Gesamtkonzept der Band.

„Dimension“ beginnt ebenso recht ruhig, entwickelt sich aber langsam zu einem weiteren Highlight, mit ein wenig Psychedelic Touch. Recht sonor bahnt sich der Song seinen Weg aus den Lautsprechern rein ins Gedächtniszentrum und verankert sich da wie ein Geschwür. Man weiß eigentlich gar nicht so recht, warum, aber es ist einfach so. Kory Clarke versteht es wie nur wenige andere, allein mit seiner Stimme Songs auf unausdrückliche Weise zu veredeln. Dazu kommen die recht politisch engagierten Texte, absolut stark.

Aber genug der etwas ruhigeren Stücke, denn nun folgt „Punk And Belligerent“. Wie der Titel es schon verkündet, wird hier kräftig auf die dampfenden Kotausscheidungen gehauen, und zwar so, dass es meterweit spritzt. Die kräftige, raue Gitarre und das fulminant treibende Schlagzeug sticheln Kory an, mal so richtig loszurocken, ohne allerdings überschwänglich zu wirken, denn das würde stilistisch nicht ganz passen. Sehr starke, punkig angehauchte Nummer.

„Ass-Kickin“ hat neben den Punk-Genen deutlich mehr Rock`n`Roll im Blut, was aber auch textlich genauso transportiert wird. Eine starke Abgehnummer ohne Geschwindigkeitsinferno bei den Musikanten, aber mit einem geilen Gitarrensolo ausgestattet. Eine Hymne an den eigenen Lebensstil und das allgemeine Rock`n`Roll-Feeling.

„The Party“ ist eine klare Kampfansage an die Republikaner (natürlich die amerikanischen). Das Ganze wird mit einem Refrain garniert, der noch wochenlang im Schädel hängen bleibt und dank seines Grooves nicht nur zum Mitsingen geeignet ist. Man sieht vor dem geistigen Auge permanent den Mittelfinger, den Kory in die Luft streckt. Eine starke Rebellennummer mit intelligentem Text, ohne aber besserwisserisch zu wirken. George Bush wird diesen Song sicher nicht gemocht haben.

In eine komplett andere Richtung geht dann „Golden Shore“. Die melancholisch und atmosphärisch angehauchte Ballade verläuft musikalisch fast schon ein wenig verträumt. Eine coole Nummer, die Zeit zum Regenerieren gegeben hat, was auch nötig ist, denn „Trip Rider“ hämmert wieder deutlich mehr in die Magengegend. Kory schreit wieder die psychedelisch, angehauchten Gitarren sorgen für eine gewisse Unruhe, während das Schlagzeug und Bassist Pete McClanahan für den gewünschten Groove sorgen. 

„I Love You“ ist dann aber keine softe Ballade, sondern eine doch deutlich punkigere Hymne, wie sie wohl nur wenige Bands schreiben können. Ruppig und ein wenig ungestüm hämmern hier die Gitarre aus der Anlage und sorgen für wahres Entzücken beim Hörer. So hätte wahrscheinlich früher der Sex Pistols-Song „This Is Not A Love Song“ klingen müssen.

„The Fallen“ beginnt zwar wieder recht zahm, gipfelt aber immer wieder in einem unglaublich starken Refrain, der dann aber wieder schlagartig in das ruhigere, komatöse Gesäusel verfällt. Unheimlich viel Emotionen werden hier im Wechselbad präsentiert. Mr. Clarke zeigt deutlich auf, dass er nicht nur schreien kann, wie im Refrain angedeutet. John Ricco macht einen fulminanten Job und auch Bassist Pete McClanahan darf mal deutlich mehr im Vordergrund agieren.

Schwer, das zu toppen oder mit einem wirklich krönenden Abschluss zu besiegeln? Nein, nicht für Warrior Soul anno 1992. Zum Finale kommt, wie schon beim Opener, eine hasserfüllte Punk Metal / Rock-Nummer in Form des Titeltracks. Der Frontmann schreit seine Stimmbänder nach außen. Eingängigkeit  wird mal wieder groß geschrieben und live dürfte es für die Band schwer sein, lauter als die Fans zu sein, gerade in Zeiten von dezibelbegrenzten Auflagen für Konzerte.

Fazit: Ein Meisterwerk, welches leider insgesamt nur wenig Beachtung in Deutschland fand. Wer es gerne auch mal ein wenig punkiger mag, ohne musikalisch zu sehr in dieses Gefilde abzudriften, wer gerne bei Song aus vollem Hals mitgrölt, wer Spaß an hymnenhaften Songs hat, muss hier einfach reinhören beziehungsweise zuschlagen.

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