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Warrel Dane: Praises To The War Machine

Der Nevermore-Frontmann erstmals solo
Wertung: 8.5/10
Genre: Power Thrash Metal
Spielzeit: 45:9
Release: 25.04.2008
Label: Century Media

Warrel Dane genießt in der Metalszene einen exzellenten Ruf. Er war bzw. ist in zwei der bedeutendsten Bands aktiv (gewesen) und seine Stimme ist äußerst markant, so dass ihn jeder erkennt. Nach Sanctuary und der nicht minder genialen (und heutzutage auch bekannteren) Nachfolgeband Nevermore hat sich der blonde Frontmann nun auch entschieden, ein Soloalbum aufzunehmen. Unterstützt wird er dabei vom ehemaligen Soilwork Gitarristen Peter Wichers, der viele Ideen zu „Praises To The War Machine“ beisteuerte. Im Gegensatz zu anderen Soloalben, bei denen man die Hauptbands der jeweiligen Beteiligten stets überdeutlich heraushört, gehen Dane und Wichers glücklicherweise einen anderen Weg. Denn auch wenn man aufgrund von Danes Stimme natürlich immer an Nevermore denkt, ist das Material eher rockig orientiert ausgefallen und stellt das progressive Element in den Hintergrund.

Warrel Dane kündigte im Vorfeld an, sich mehr auf den Song und nicht auf die ohne Zweifel vorhandenen technischen Finessen der Musiker konzentrieren zu wollen. Das gelingt ihm im Eröffnungsdreier „When We Pray“, „Messenger“ und „Obey“ zwar gut, aber die Songs lassen dennoch einiges vermissen, was sie einzigartig machen würde. Erstmals aufhorchen lässt „Lucretia My Reflection“, eine Coverversion von den Sisters Of Mercy. Warrel Dane ist sehr gefühlvoll an den Song herangegangen und hat ihn Stück für Stück in ein Rockstück verwandelt, ohne die Atmosphäre des Originals zu verletzen. Herausgekommen ist eine Version mit mehr Gitarren (logisch), leicht veränderten Gesangslinien und dem Potenzial, ein kleiner Szenehit zu werden.

Und als wäre diese erstklassige Coverversion ein Startschuss gewesen, wird nun auch das eigene Material hochkarätig. „Let You Down“ ist einer der besten Songs auf „Praises To The War Machine“ und lebt von den puren Emotionen, mit denen Dane ihn singt. Der Refrain hat absoluten Ohrwurmcharakter und kann leicht den ein oder anderen Gänsehautanfall auslösen.

Als Kontrastprogramm gibt es das harte "August" auf die Ohren. Der Song ist zwar nicht besonders schnell und wird von kräftigen Riffs vorangetrieben und hat einen Chorus, der mich ein wenig an eine harte Version von "The Heart Collector" erinnert.

Ruhige, balladeske Töne lagen dem Sänger ja schon immer und so gibt es auf diesem Album noch einiges mehr in dieser Richtung zu entdecken. „Your Chosen Misery“ ist ein ruhig gehaltenes Lied zum Thema Drogensucht, wobei Dane wohl leider auch aus eigener Erfahrung sprechen kann (er hat mittlerweile Alkohol sowie Drogen abgeschworen). Die Art, wie er sein Anliegen in Worte verfasst, war schon immer einzigartig und dieses Lied macht da keine Ausnahme. Das gleiche gilt auch für das melancholische „This Old Man“, mit dem an den Titelgebenden erinnert wird, mit dem Warrel Dane als Kind viel Zeit verbracht hat.

Eines der absoluten Highlights ist „Brother“! So einen persönlichen Text hat der Nevermore Fronter wohl noch nie geschrieben! Es geht um seinen Bruder, mit dem er keinerlei Kontakt mehr hat und dass dieses Problem wohl nie aus der Welt geschafft werden kann, da dieser Krebs im Endstadium hat. Rein musikalisch gesehen ist „Brother“ eine fantastische Ballade, die durch diese persönliche Komponente ihre ganz besondere Note bekommt.

„The Day The Rats Went To War“ ist der schnellste Song der Scheibe und damit wohl am ehesten mit Nevermore vergleichbar, auch wenn dieser Vergleich ein wenig hinkt. Auf den kommenden Konzerten (bei denen auch wieder Sanctuary Klassiker zum Zuge kommen sollen) dürfte dieses Lied aber einer der Eckpfeiler werden. Weiterhin verbirgt sich mit „Equilibrium“ und „Patterns“ (ein Paul Simon Cover, was nicht so zerhackt wurde wie einst „The Sound Of Silence“) noch weiteres Pflichtmaterial auf „Praises To The War Machine“. Wenn möglich, sollte man sich das Digipack anschaffen, was neben der tollen Aufmachung mit dem treibenden „Everything Is Fading“ einen qualitativ nicht abfallenden Bonustrack enthält.

Fazit: Nach einem etwas langatmigen Beginn mausert sich das erste Soloalbum von Warrel Dane zu einer richtigen Pflichtveranstaltung. Hier hat er sich richtig ausgetobt und lässt auf die kommenden Konzerte hoffen. Nevermore Fans hören ohnehin rein, aber auch Fans von klischeefreiem Power Metal sollten mal ein Ohr riskieren.

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