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Warrant: Rockaholic

Kein Meilenstein, unterhält aber prächtig
Wertung: 7/10
Genre: Hard Rock, Sleaze Rock
Spielzeit: 53:33
Release: 13.05.2011
Label: Frontiers Records

“Sie haben Post” – nein, nicht der bärbeißige Postbote mit einem weitern Päckchen, sondern die gütliche Stimme des Mail-Accounts. „Ihnen wurde die Aufgabe zugeordnet: Warrant: Rockaholic.“

Spontan zogen apokalyptische Visionen einer Haarsprayvergiftung auf, blondierte und auftoupierte Locken, festgeklebt zwischen den Hirnlappen irgendwo zwischen Hörzentrum und „Hände über dem Kopf-Zusammenklapp-Nerv“ – da konnte man ja nur rot sehen (1991), der blinde Glauben (ebenfalls 1991) an eine Wahnvorstellung wurde schnell aus dem Körper gerockt (1992) – sollte so der siebte „Himmel“ (1989) aussehen?

Warrant-Fans haben sicherlich diese kleine, spaßig gemeinte Einleitung erkannt – alles vor Urzeiten sehr erfolgreiche Singles. Sicherlich, die unbekümmerte Blütezeit der US-Rocker, die mehr für glatt gebügelten Radiorock als für krachenden Heavy Metal stehen, es aber zumindest damals eher Backstage haben krachen lassen, ist seit geraumer Zeit vorbei. Die zahlreichen Personalwechsel dürften ebenfalls dafür gesorgt haben, dass bei der schwindenden Zahl an Fans eher Frust statt Lust aufkam. Doch Warrant hatten im Vorfeld angekündigt, zum klassischen Sound zurückzufinden.

In den letzten Jahren allerdings zeigte sich das Line-Up stabil, sodass die beiden Gründungsmitglieder Jerry Dixon (Bass) und Erik Turner (Gitarre) mit den beiden 2004 zurückgekehrten Joey Allen (Gitarre) und Steven Sweet (Drums) ein neues Album aufnehmen konnten. Am Mikrofon hatte man sich ja bekanntlich schon 2008 mit Robert Mason verstärkt.

Auch 2011 haben Warrant noch genug Energie um ordentlich zu rocken. „Sex Ain't Love“ (wie wahr), zu Beginn mit einem leichten Cinderella-Hauch, ist ein straighter Rocker mit dem klassischen Pimper-Thema sowie auch „Innocence Gone“ (straighter Rocker), und beide Tracks transportieren das flauschige Partyleben recht anhörlich ins Jetzt, doch Warrant schaffen es nicht, den ganz großen Glanz hervorzuzaubern. In das selbe Schema reiht sich auch „Show Must Go On“ – Warrant rocken schön im Uptempo, und das Arschtritt-Feeling trifft das Band-Motto auch ganz gut, doch auch hier fehlt der Glanz, die Souveränität, die diesen Song zu einem Hit machen würde.

„Snake“ dürfte ein wenig als Beleg herhalten, warum das Album gefällig ist, aber die Lunte ein wenig feucht zu sein scheint – leicht sperrig, doch im Refrain wieder ohrwurmartig süßlich: Das haben Warrant raus. Gerade die Refrains dürften die große Stärke sein, und „Snake“ wird spätestens bei Live-Shows ordentlich zünden, denn vom Tanzrhythmus bis zum mitfeiernden Grölen ist alles vorhanden.

Natürlich dürfen gerade bei Warrant auch die Balladen nicht fehlen – immer scharf am Abgrund zum Kitsch, und wie eng gerade hier dieses Genre sich gerne selbst kopiert, hört man immer wieder an den Bon Jovi- und Konsorten-Einflüssen. Spätestens hier sollte man den Erfindern der Skip-Taste noch ein Denkmal setzen.

Es fällt schwer, bei „Rockaholic“ die Kritikhebel anzusetzen, denn Warrant bieten wenig Angriffsfläche. Alles ganz gut durchdacht, viele griffige Hooklines und mitsingkompatible Refrains, aber vielleicht ist genau auch das das Manko dieser Scheibe, denn Warrant reihen sich fast gesichtslos in der Masse an Rockbands ein, die genauso gut sind und Spaß machen. Radiorock, voll auf AOR getrimmt, genau das liefern Warrant 2011 ab und verlieren so ihre Wurzeln. Schade eigentlich, denn da wäre eigentlich mehr drin gewesen – ein wenig mehr Mut, die eigenen Songwritinggrenzen mehr nach hinten auszuloten – mit „Rockaholic“ gehen Warrant einfach zu sehr auf Nummer sicher und lassen ihren angekündigten klassischen Sound außen vor. Das sollte aber Fans der üblichen Verdächtigen wie Bon Jovi, Cinderella, Mötley Crüe und Co. nicht abhalten, beide Lauscher weit aufzusperren, denn „Rockaholic“ ist zwar kein Meilenstein, unterhält aber prächtig.

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