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Warrant: Metal Bridge

Hinknien und ehrfürchtig lauschen
Wertung: 9,5/10
Genre: Speed/ Heavy Metal
Spielzeit: 65:42
Release: 31.10.2014
Label: Pure Steel Records

Kann man einem Album mehr als nur entgegenfiebern, sich über Monate in gespannter Zitterlaune dem Höhepunkt „Releasetag“ entgegenbeben? Natürlich, ein ganz klares Ja, denn endlich kommen die Düsseldorfer Warrant mit einem neuen Album daher. Und das hat dazu auch noch mehrere Seiten, denn zum einen sind da die nicht gerade häufigen, aber immer wieder seit Jahren sehr intensiven Shows wie ein Katapult in die Vergangenheit, von der mindestens die Hälfte der gealterten Metaller behauptet, dass damals doch alles besser war, und zum anderen dadurch angefüttert, dass die alten Speedklopper schon 2010 in einer Neuauflage die vermeintlich Staub-behafteten Songs von anno dazumal ans neumetallische Universumslicht zerrten, verstärkt durch die beiden neuen Tracks aus dem Jahr 2011 anlässlich der sonderbaren sommerlichen Großveranstaltung 70 km hinter Hamburg.

Und was hat der Fan in den letzten Jahren weiter leider müssen, denn immer wieder schwappte so manche Hiobsbotschaft aus dem Düsseldorfer Lager: Drummer Arno packte seine Sticks aus persönlichen Gründen (und half vor kurzem sogar noch an der Schießbude aus), viel gravierender für uns Außenstehende war aber 2011 der Abgang von Quasi-Gründungsmitglied Oliver May, der seitdem mit Ferromanic (das Debüt „Precession“ erschien 2012) eher vor sich hindümpelt und nicht wirklich aus dem Quark kommt (vielleicht ja jetzt mit neuem Bassisten). Mit Dirk Preylowski ist aber wahrlich kein schlechter an der Klampfe mit an Bord, ergänzt durch Drummer Thomas Rosemann – beide zusammen aber müssen zusammen mit Ober-Warrant-Kopf Jörg Juraschek genau diese schwere Bürde meistern, dass eben in den „glorreichen“ 80ern doch so überaus famose Scheiben wie „The Enforcer“ oder „First Strike“ ans Tageslicht gezerrt wurden.

Ein kleiner Exkurs sei darüber hinaus erlaubt, ist auch noch gar nicht so lange her: Warrant-Jörg schaute beim finalen Swordbrothers Festival in Andernach vorbei und ließ mal eben durchblicken, dass das neue Album nicht umsonst „Metal Bridge“ heißen würde. Heiß und kalt wurde es da einem. Was wollte der Kerl damit sagen? Ist die Brücke zwischen damals und heute gemeint, die dann ja auch mal eben locker 30 Jahre überspannen muss, oder will er damit eine musikalische Ausrichtung ankündigen, die sich von den damaligen Wurzeln mehr entfernt als der faule Apfel vom Stamm?

Gut, dass jetzt endlich „Metal Bridge“ vorliegt, denn es wird einfach Zeit, die innere metallische Fieberkurve nach unten zu fahren, das Fanherz in die engen redaktionellen Beherrschungsfesseln zu zwängen und mit ein wenig Abgeklärtheit den „Nonnen haben keinen Spaß“-Predigern auf den Grund zu gehen. Der erste Durchlauf weiß zu begeistern, der zweite legte noch eine riffige Schippe drauf, ab dem dritten Durchlauf wird es schwer, die CD jemals aus dem Schacht zu befördern, aber spätestens nach der vierten Rutsche ist der Metalfan mit Hang zum Old-School-True-Geriffe einfach nur noch süchtig.

Kein wirklicher Ausfall, noch nicht einmal das abschließenden Instrumental „Labyrinth Of The Lost“, doch vorher gibt es das volle Warrant-Programm inklusive Gesang. Und dass uns Jörg da nichts verlernt hat, zeigen die höheren Tonlagen, die noch immer sitzen und nicht ein Opfer der dahinraffenden langen Zeit geworden sind. Die mittlerweile auch als Lyric-Video im Netz durchstartende Up-Tempo-Hymne „Asylum“ erweist sich als Opener, der schon früh einfach die Lust auf mehr steigern kann, mit dem anschließenden „Come And Get It“ (einigen vielleicht schon von der Wacken-CD her bekannt) wird wieder ein truer Brückenschlag in einer krachigeren Version dargeboten und besteht noch aus richtigen Stahlnieten und nicht aus winzigen Blechschräubchen.

Und so kann man sich schon fast beliebig einen Song herauspicken und den Abfeiermodus eingeschaltet lassen. „Helium Head“, die Midtempo-Hymne „All The King’s Horses“ oder auch „You Keep Me In Hell“ – was bitteschön sind das für mieffreie Old-School-Kracher, die gleich den perfekten Powerfaust-Refrain mitliefern? Die ersten Takte bei „You Keep Me In Hell“ mögen vielleicht noch auf die balladeske Irrroute führen, doch weit gefehlt, denn auch hier schleicht sich völlig unverkrampft ein wahres Riffmonster ins oldschoolige Ohr. Selbst das vom Bass getriebene „Blood In The Sky“ integriert sich in den hochklassigen Kompositionen, die dann in dem speedigen Riffmonster „Nyctophobia“ als weiteres von vielen Highlights enden. Die beiden Neueinspielungen „Ordeal Of Death“ sowie „The Enforcer“ sind dann wie ein Sahnehäubchen am strahlenden Sonntagnachmittag – hinknien und ehrfürchtig lauschen.

Vielleicht, aber nur vielleicht können die Düsseldorfer Warrant endlich den Lohn einsacken, den sie schon Mitte der 80er hätten gebührlich feiern sollen – Fans der Truppe müssen wohl über übel hinnehmen, dass sich der ewige Geheimtipp so nicht mehr darstellt, dafür ist „Metal Bridge“ einfach zu gut geworden. Die Halbwertszeit überspringt locker auch noch die nächsten dreißig Jahre.

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