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Warmblood: Timor Mortis

Grind auf höchstem technischem Niveau
Wertung: 7.5/10
Genre: Grindcore / Death Metal
Spielzeit: 39:24
Release: 06.10.2010
Label: Punishment 18 Records

Spätestens, wenn man mal auf dem legendärem Wacken Open Air durch die Zeltstädte gewandert ist, sollte einem klar sein, dass eine der größten Metalhead-Fangemeinden Europas, vielleicht sogar der Welt, die italienische ist. Natürlich hören die Italiener nicht nur fleißig Metal, sondern produzieren ihn natürlich auch in Form eines reichhaltigen Untergrunds voller Bands, unter denen auch das ein oder andere Juwel zu finden ist. Eine der vielen Bands aus dem Land der Pasta ist die dem Death Metal und Grind verfallene Truppe Warmblood. Das Trio setzt sich neben den beiden Jungs Giancarlo und Davide, die sich um die Saiteninstrumente und den stimmlichen Beitrag kümmern, auch aus Schlagzeugspiel von Elena zusammen. Eine Dame an den Trommeln in extremeren Gefilden des Metal ist ja leider immer noch eine Seltenheit.

Zusammen hat das zweigeschlechtliche Dreigestirn sein neuestes Werk mit dem verheißungsvollen Titel „Timor Mortis“, zu deutsch „Die Angst vor dem Tod“, auf die Beine gestellt und will damit natürlich auch in Deutschland den ein oder anderen Fan an die Band binden. Nach einem der gewählten Thematik entsprechend stimmigen, finsteren Intro knallen die Italo-Grinder einem mit „The Ghoulish Doctor“ die volle Ladung Todesblei ins Gesicht. Tiefergelegte, aber dabei auffallend technisch anspruchsvolle Gitarrenwände zaubern intelligente Melodien und Soli mit viel Gefrickel aus dem Hut, das Schlagzeug liefert eine schön brutale Untermalung, bei der sich Elena als wahres Tier am Drumkit entpuppt, und tiefes grindiges Gegrunze sorgt für den Rest, bevor ein plötzlicher Klavierakkord den Übergang zum mindestens ebenso brutalen „Living Dead Superstition“ markiert. Die Mischung aus klapperndem Grind und groovigem Death wird mit unglaublichem Melodiegefühl und handwerklich meisterhaften Gitarrenleads zu einem interessanten und ungewohnten Klangerlebnis geformt, das sich sofort Aufmerksamkeit verschafft. Bezeichnend hierfür sind die fast schon neo-klassischen Leads, die vielleicht sogar von Yngwie Malmsteen höchst persönlich stammen könnten, mit denen ein brutaler Grind-Song wie „Sacred Puritan Scenario“ ungemein aufgewertet wird.

Allerdings findet hierbei auch eine Wechselwirkung statt, bei der die brutale Untermalung die klassischen Melodien in ein ganz neues Licht rückt. Man kann sich das Ganze in etwa so vorstellen, als würde der geniale Mohammed Suicmez von Necrophagist über eine alte Carcass-Aufnahme shredden und sich daraus einen Spaß machen. Abzüge muss es dann aber trotz der innovativen Leistung geben, denn mit Ausnahme des instrumentalen Titeltracks „Timor Mortis“, der es durch ruhige, cleane Gitarren und ein Quentchen Epik schafft, sich abzuheben und dem hymnisch anmutenden Rausschmeißer „Among The Living Dead“, sind fast alle Lieder nach derselben Formel zusammengesetzt und es kommt hier und dort Berechenbarkeit und ergo auch ein bisschen Langeweile auf.

Die Rechnung der Italiener geht nichtsdestotrotz total auf und „Timor Mortis“ hat mit Sicherheit seinen Platz und seine Berechtigung sowohl in der Grind-Szene als auch in den Hallen des (Technical) Death Metal. Auch wenn nicht viel Abwechslung geboten wird und die beabsichtigte Botschaft schnell beim Hörer angekommen ist, bleibt „Timor Mortis“ eine mehr als hörenswerte Scheibe, die dem manchmal etwas unbedachten Gebolze des Genres eine neue Dimension verleit.

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