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Wargsang: Laute Minne Macht Dich Hinne

Progressive Mittelalternative
Wertung: 5/10
Genre: Mittelaltermusik (Progressive Mittelalternative)
Spielzeit: 24:27
Release: 11.01.2008
Label: Eigenproduktion

Progressive Mittelalternative – so und nicht anders will Wargsang das Genre bezeichnet wissen, in dem sich die Dudeleien auf ihrer ersten Demo „Laute Minne macht dich Hinne“ bewegen. Humor und Kreativität scheinen die Jungs aus der Nähe von Köln also zu besitzen, aber ob sie ihr angepeiltes Ziel, nämlich nicht gewöhnliche und meistenteils einschläfernde mittelalterliche Marktmusik zusammenzubrauen, denn auch wirklich erreicht haben, steht noch zur Debatte.

2003 gründete sich die Horde Wargsang. Horde deshalb, weil sich das ordentlich behaarte Ensemble eher als Metalband denn als mittelalterliche Spielmannsvereinigung versteht. Ordentlich Druck, ein gewisses Tempo, ausgefeilte Soli und Präzision in Einklang mit rockig-aktiver Grundstimmung sollen dem Hörer auf dem ersten offiziellen Output entgegenschallen, vorgetragen mit Sackpfeifen, Drehleier und allerlei Percussion, was nicht heißen soll, dass die NRW'ler nicht auch gerne mal die Schalmei, das schwedische Nationalinstrument die Nyckelharpa oder auch die Rauschpfeife zur Hand nehmen, um dem einfältigen Mittelalternerd die Trommelfelle deftig zum Vibrieren zu bringen. Die Kompatibilität beziehungsweise die Affinität zu harter Stromgitarrenmusik haben Wargsang schon 2004 auf dem Wacken Open Air als Support von GunBarrel und 2006 als Gastmusiker auf der „Liberty or Death“-Scheibe von Grave Digger unter Beweis stellen können.

Wenn man den Silberling mit dem ironischen Coverartwork nun das erste Mal in den Player geschoben hat, so folgt nach dem ersten, flüchtigen Hören eine Ernüchterung. Die angekündigten Innovationen und die Abkehr von Mittelalterstandards scheint auf den ersten Blick wenig bis gar nicht erfüllt. Es erklingt glatt polierter, zwar technisch einwandfrei vorgetragene, aber leider schon viel zu oft gehörte Spielmannsmusik – denkt man. Bei genauerer Betrachtung fallen schon die Details auf, für welche sich Wargsang das „Progressive Mittelalternative“-Label haben aufdrucken lassen. Einige Arrangements kommen nämlich gar ungewöhnlich daher und der Aufbau erinnert wirklich zutiefst an eine Band, die normalerweise dem Metal frönt.

Eine Melodie Neidharts neu aufgemacht mit polyphonen Dudelsacklinien bestimmt das Bild vom Opener „Do der lieber sumer“. Das anfangs merkwürdig klingende „Dolorem Ipsum“ ist komplett in Latein vorgetragen und beweist die Abkehr Wargsangs vom Einheitsbrei. Allerdings zieht sich der Song ein wenig hin. Mit feinen Nyckelharpaklängen beginnt das vertonte „Ein kneht“ aus dem 13. Jahrhundert. Ganz übel stößt einem hier aber der Gesang auf. Dieses Pseudo-Minnegejaule hätte wohl keiner Frauen Ohren geschmeichelt. „Sto-vo-kor“ ist da von ganz anderem Kaliber und verbreitet Tanzlaune, während auch „Alles nai macht der Mai“ mit der umgebauten Melodie von Neidhart gut „rockt“. Das Arrangement und die Geschwindigkeit bei genanntem Fünfminüter hat noch am ehesten Metalqualitäten. „Carry On“ fungiert letztendlich als getragener Rausschmeißer.

Zusammenfassend sei zu sagen, dass ich mir unter „Progressive Mittelalternative“ doch ein wenig mehr vorgestellt hab. Die Technik ist einwandfrei, doch klingt die Produktion ein wenig zu poliert, teilweise leider fast schon elektronisch, was dem angestrebten Rockrotzfeeling eher hinderlich ist, und auch der Gesang lässt zu wünschen übrig. Wenig zu sagen allerdings ist gegen die Ideen, welche von der Truppe in die Arrangements gesteckt worden sind, obwohl auch hier noch Weiterentwicklungsbedarf besteht. Das Ziel haben Wargsang mit ihrer ersten Demo „Laute Minne macht dich Hinne“ also nicht ganz erreicht, aber für Metaller mit feinem Gehör und Sensibilität für Mitterlaltermusik und zur Einstimmung auf den nächsten Mittelaltermarkt ist die ansehnlich aufgemachte EP mehr als geeignet.

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