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Wardance: Heaven Is For Sale

Ein starkes Stück German Melodic Speed Metal
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Speed Metal
Spielzeit: 42:24
Release: 01.02.1990
Label: No Remorse Records

Nun ist ein weiteres Metalhighlight aus meinem Archiv an der Reihe, welches so ohne weiteres nicht mehr so einfach zu bekommen ist. In Onlineaktionshäusern oder Tauschbörsen findet man diese Juwel aber immer noch, das allerdings teilweise zu recht hohen Preisen. Trotzdem möchte ich euch dieses viel zu wenig beachtete Scheibe näher bringen, zumal ja in ein paar Monaten sozusagen das zwanzigjährige Jubiläum ansteht.

Die Pfälzer Band startet direkt im Uptempo durch und knallt dem Hörer eine kräftige Speed Metal-Salve um die Ohren. Der markante Gesang von Sandra Schumacher sticht aus dem Sound heraus. Das ist eventuell ein Grund, warum die Band nicht unbedingt zur Metal Elite der damaligen Zeit aufgestiegen ist. Ihr Gesang gefällt mir außerordentlich gut, da er wirklich original und unverbogen klingt. Eine leicht quäkiger Unterton macht sie für mich noch interessanter, da sie die Toleranzgrenze bei weitem nicht überschreitet, dazu die technisch sauberen guten Gitarren, fertig ist ein eigenständiges Machwerk. Der Refrain animiert zum Mitgröhlen.

„Destroyer“ donnert dann ähnlich daher, beherbergt aber ein exzellentes Gitarrensolo und einige überraschende Breaks, die mit viel Liebe zum Detail arrangiert wurden. Was Thomas Heyer und Franz Römer hier abgeliefert haben, ist schon klasse. Der Nackenmuskulatur zum Graus entwickelt sich der Song zu einem kleinen Neckbreaker, obwohl er doch so langsam begonnen hatte. 

Aber auch das Midtempo beherrscht die Band par excellence. „Believe“ zeigt dies eindeutig. Mit toller Vocalline zockt man sich eingängig durch die Hörgeräte ins Gedächtniszentrum. Schön, wie die Band hier selbstbewusst ihr Ding durchzieht und ohne Rücksicht auf Verluste frei von der Leber weg Akzente setzt. Klar, der Sound klingt etwas Old School aus der heutigen Zeit betrachtet, aber die Scheibe ist ja auch von Anfang der Neunziger. 

Mit einigen technischen Effekten beginnt „Neverending Nightmare“, der nächste Nackenbrecher der Band. Das Stöhnen von Sandra mit anschließendem Schrei könnte man aber auch durchaus falsch verstehen, es soll sich hier thematisch natürlich um einen schlimmen Albtraum gehandelt haben. Ein feines Stück deutschen Speed Metals.

„I Don`t Love You Anymore“ ist dann die Ballade des Albums. Wer jetzt aber an einen Schmusesong denkt, wird doch eher enttäuscht werden. Im Midtempo, aber dennoch deutlich melodiöser gesungen, artet das eher zu einer zünftigen Powerballade aus. Irgendwie klingt das fast ein wenig unausgegoren, aber genau das passt wie die Faust auf das berühmte Auge des Textes, der das hin und hergerissene Liebesbeziehungsthema eines Teenagers aufgreift. Ein Song, der sich tief ins Gedächtnis bohrt und trotzdem zum gemächlichen Kopfschütteln einlädt. Als zusätzliches Schmankerl ließ es sich Rudy Graf (Warlock, Rage) auch nicht nehmen, der jungen, aufstrebenden Band hier ein Solo beizusteuern.

Etwas seltsam mutet dann auch das Instrumental „Overture“ an. Das hätte man sicher so nicht auf diesem Album erwartet, aber irgendwie ist es die passende Eröffnung für die nächste Uptempo-Nummer, nämlich „Don`t Play With Fire“. Ein weiteres hervorstechendes Highlight dieses Albums. Hier wurde auch geschickt vom Schema F (Strophe/Refrain/Strophe/Refrain) abgewichen und gekonnt eine Bridge eingebaut. 

„Death Caress“ nimmt wieder ein wenig das Tempo heraus, ohne aber langweilig zu wirken.  Sehr schöne Guitarlines, gepaart mit dem starken Bass von Markus Wawersich und dem tadellosen Drumming von Schlagwerker Stefan Humbert. Live ein Hammer, schon aufgrund des das Publikum fordernden Endes.

Der Überhammer der regulären LP kommt dann aber mit „Paris In Fear“. Ganz klar: hier geht es nicht um Paris Hilton, sondern um Terror in Frankreichs Hauptstadt. Beste Gitarren von Thomas und Franz sorgen für einen Adrenalinschub beim Hörer, aber auch Markus darf mal kurz seinen Bass in den Vordergrund stellen. Besser kann man das eigentlich nicht machen. 

Den Abschluss bildet dann die freche, ja fast unverschämte Coverversion von Alan Lomax beziehungsweise der bekannteren Animals. Wie schon die Animals wird der Text ein wenig angepasst und auf die Band abgestimmt. Man beginnt akustisch, um dann in eine wahre Speed Metal-Euphorie zu geraten, die dann aber dennoch zum Ende hin wieder akustisch im gemäßigten Tempo verläuft. 

Als Bonus gibt es auf der CD noch zwei ganz besondere Leckebissen. Als erstes die ein wenig düsterer schleppende Hommage an Jason Vorhees mit dem treffenden Namen „Friday The 13th“. Man bangt im Midtempopart nach Kräften mit und die Hörer, die mit Sandra Schumachers Stimme ein Problem haben, freuen sich, da sie nun deutlich tiefer singt, zumal sie dabei auch keine schlechte Figur abgibt. Starke Nummer.

Deutlich schräger geht es dann mit „Blues“ auf die Zielgerade der CD. So muss wohl Blue im Metal-Gewand klingen, wenn man keine Kompromisse eingeht. Extremer Gesang, recht heftige Gitarren und unheimlich viel Groove. Eigentlich unverschämt, so etwas von einer damals so jungen Band zu hören, aber das Gehörte auch ein wenig mit zur Rebellion. Eine starke Nummer, die auch heute noch auf jeder alkoholgeschwängerten Party für viel Freude sorgt.

Fazit: Warum hat die Band keinen Durchbruch geschafft? Zum einen, weil die Plattenfirma den Bach runter gegangen ist und zum anderen, weil mit Charly Rinne der ehemalige Chefredakteur des Metal Hammers der Plattenboss war. Er hatte sich nicht gerade viele Freunde geschaffen und sich auch nicht gerade als guter Geschäftsmann bewiesen. Als dann auch noch gerichtliche Streitigkeiten das Aufleben von Wardance erschwerten, weil das Tonstudio Ansprüche erhob, war dann auch letztendlich das Schicksal der Band besiegelt. Trotz aller Unwegbarkeiten erspielte sich die Band einen guten Ruf in der Szene und durfte sogar im Vorprogramm von Overkill oder Blind Guardian zocken. Schade, mit dem richtigen Label im Rücken, wer weiß, wo die Band heute stünde.

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