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Warbringer: Waking Into Nightmares

Die wohl beste Thrash-Platte der letzten Jahre
Wertung: 10/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 40:14
Release: 25.05.2009
Label: Century Media

Die amerikanischen Warbringer stehen für Thrash Metal der alten Schule und für pure Zerstörung, was sich sowohl live als auch im Debütalbum "War Without End" widerspiegelt. Das junge Quintett kommt aus Kalifornien, somit quasi direkt aus der Bay Area, und hat nach einer Demo, einer folgenden EP und dem bereits genannten Debütalbum nun auch sein zweites Werk fertiggestellt. "Waking Into Nightmares" klingt jedenfalls schon mal ganz nett und wartet mit einem geilen Artwork auf. Mal sehen, ob die Platte auch bereit ist, die Thrash-Szene zu erobern.

Der Bandname ist hier wie beim Vorgänger Programm. Direkt der Opener "Jackal" rauscht mit schnellen Riffs und Skank Beats so ungezügelt daher, dass es den Hörer glatt überrollt. Nach den rund drei Minuten purer Thrash-Ekstase hätte manch einer gerne eine Pause zum Verschnaufen, doch die Truppe lässt es erst gar nicht so weit kommen. Kaum wurde der letzte Ton gespielt, prescht schon der zweite Track "Living In A Whirlwind" gnadenlos voran. Stürmische Riffs wechseln sich ab mit stampfenden Breakdowns und wütenden Black-Metal-Passagen, allein der Titel lässt schon vermuten, dass da Moshpit-Potenzial hinter steckt. Und gerade, wenn man denkt, die beiden Opener waren so stark, dass da kaum noch Verbesserungspotenzial nach oben besteht, walzt "Severed Reality" einen ohne Weiteres nieder und lässt eine Spur reiner Verwüstung zurück.

Auch die weiteren Tracks sind so überwältigend wie vielseitig und können vollends überzeugen. Sei es das schnelle "Abandoned By Time" oder der Midtempo-Stampfer "Prey For Death" - das hohe Potenzial, das die Band zu Beginn des Albums aufgestellt hat, wird aufrechterhalten bis zur letzten Minute. Wer die Platte spätestens jetzt noch nicht ins Herz geschlossen hat, sollte entweder bei Steel Panther das Weite suchen oder muss sich noch vom grandiosen Überkracher "Forgotten Dead" überzeugen lassen. Auch hier wird Thrash gekonnt mit Black Metal und melodischen Hooks vermischt und bietet mit dem mitreißenden Outro-Riff einen glänzenden Abschluss.

Die Arbeit auf "Waking Into Nightmares" ist wirklich unübertroffen, sowohl technisch als auch in den Bereichen Songwriting, Kreativität und Authentizität. Alle Bandmitglieder scheinen ihr Werk im Schlaf zu beherrschen. Das schöne an Warbringer ist vor allem, dass sie nicht nur old-schooligen Thrash Metal bringen, wie er auch bei vielen anderen gerade im Trend ist, sondern noch einen Schritt weitergehen. Hier und da sind Blastbeats eingebaut, Ansätze zu melodischen Riffs und immer wieder mal eine Prise aus verschiedenen Genres. 

Das virtuose Akustik-Stück "Nightmare Anatomy" spricht für sich selbst. Daher halte ich es nicht für relevant, bei der Truppe bestimmte Einflüsse festzumachen, denn obwohl man natürlich hier und da an Thrash-Titaten wie Dark Angel oder Slayer erinnert wird, lässt die Band doch hauptsächlich ihre eigenen Ideen einfließen und schafft ihren ganz eigenen Stil mit den eigenen Markenzeichen. Zudem sei hier die absolut überragende Gesangsleistung von Sänger John Kevill zu würdigen, der seine furiose Leistung vom Debut noch einmal um Weiten übertrifft. Obwohl der Frontmann hier fast schon selbstzerstörerisch rumschreit und sich die Seele aus den Lungen brüllt, ist das Booklet (wäre da nicht das wunderschöne Artwork) schon fast überflüssig, da man die Lyrics meistens auch ohne Booklet versteht. Und das ist wirkliches Talent.

Auch der Sound fällt wesentlich besser aus als beim Vorgänger. Kein Wunder, als Producer hat sich die Band niemand anderen als den legendären Exodus-Gitarristen und Mastermind Gary Holt an Bord geholt, der wirklich gute Arbeit vollbracht hat. Der Sound ist genauso fett wie präzise, die Bässe kommen stark daher und die Drums klingen beinahe perfekt, ohne auch nur eine Sekunde lang unecht oder überproduziert zu wirken. Alles in allem ist da zwar noch Verbesserungspotenzial vorhanden, was einige zeitgenössische Veröffentlichungen der Szene-Kollegen verdeutlichen, doch der Sound ist auch so schon durchaus hörenswert.

Nun, was bleibt hier noch Großartiges zu sagen? Nachdem mich die erste Scheibe völlig weggeblasen hatte, hatte ich im zweiten Schaffenswerk der Band mit einer Bombe gerechnet, aber was mich da letztendlich erwartet hat, war eine verdammte nukleare Vernichtungswaffe, bereit, die ganze Welt mit der Wurzel auszureißen. Warbringer bringen mit "Waking Into Nightmares" das wohl beste Thrash-Album der letzten Jahre und katapultieren sich somit direkt an die Spitze der modernen Thrash-Szene. Die Band lässt sich eigentlich nur durch ein Phänomen beschreiben: Immer wenn man denkt, es geht nicht mehr besser, kommen Warbringer und beweisen dir das Gegenteil mit einem direkten Schlag ins Gesicht. Dabei sind die Burschen selbst nicht älter als um die 20 rum und das Album erst deren zweite Platte. Alle Achtung! Man darf gespannt sein, was da die nächsten Jahre noch auf einen zukommen wird.

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