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War From A Harlots Mouth: MMX

Ein bisschen mehr Ruhe kann nicht schaden
Wertung: 7/10
Genre: Mathcore, Tech Metal
Spielzeit: 32:29
Release: 29.10.2010
Label: Lifeforce Records

Alle Hardcore-Fans lassen sich diesen Stilmix mal bitte auf der Zunge zergehen: Hardcore plus Grindcore plus Technical Metal plus Jazz. Klingt das geil?! War From A Harlots Mouth haben sich zum Ziel gesetzt, das alles in Songs zu verpacken, bei denen man gleichzeitig headbangen, moshen und durch die Wand rennen will. Zumindest zum Moshen kommt man auch beim Hören der neuesten Platte „MMX“ genug – Ende Oktober wird das gute Stück wie schon die Vorgänger-Alben „Transmetropolitan“ und „In Shoals“ via Lifeforce Records veröffentlicht und den Berlinern stehen Touren bis zum Umfallen ins Haus. Recht so, denn mit der geballten Wucht der Core-Dampfhämmer sollen neue Fans gewonnen werden – als ob die Combo das noch nötig hätte.

Trotz des sehr diffizilen, temporeichen und nicht leicht zu verdauenden Stils hat der Fünfer schon eine beachtliche Fanbase hinter sich stehen, dabei sind die Stücke auf „MMX“ nicht von schlechten Eltern – da wird gegrowlt, geshoutet, gekeift, Gitarren kreischen, die Drums fallen beinah auseinander vor lauter Geprügel und zwischendurch regiert der Free Jazz. „Schön“ ist anders, aber kraftvoll kommt das Ganze allemal daher, und es wundert nicht, dass man nach anfänglicher Skepsis ein bisschen auf dem Sitz vor sich hinmosht.

Klar ist man erst mal wie erschlagen, wenn „Insominia“ full speed loslegt, ohne auch nur eine Sekunde Intro verstreichen zu lassen. Knapp zweieinhalb Minuten Deathcore-Massker prasseln auf den Hörer nieder, dass dem hören und sehen vergeht – und in genau dem Stil geht’s weiter, denn bei „To Age And Obsolete“ wird nicht etwa das Zuckerbrot ausgepackt, stattdessen lassen WFAHM die Peitsche knallen – wenn auch wesentlich langsamer und schleppender als zuvor. Sänger Nico liefert hier eine Paradevorstellung des manischen Core-Shouters ab, bis ruhige Gitarrenklänge ihn kurzzeitig unterbrechen – brutal, aber genial.

Wer sich nach dem Instrumental „Sleep Is The Brother Of Death“ schon in Sicherheit gewogen hatte, wird mit „The Polyglutamine Pact“ direkt eines Besseren belehrt – schwerfällig und basslastig kommt das Stück daher, im Refrain wird an den Drums richtig aufgedreht, die Gitarren verströmen Black Metal-Feeling – wie fast alle Songs der Combo eine etwas anstrengende Mischung, die aber durchaus ihre Daseinsberechtigung hat.

Mit „Sugarcoat“ schieben WFAHM ein jazziges Instrumentalstück ein, das nach typischer Fahrstuhlmusik klingt. Wer die Jungs kennt, kann sich denken, dass es danach knallhart weitergeht – „Spineless“ kommt mit Gang-Shouts und auch sonst einer eher Hardcore-lastigen Attitüde daher und bietet neben verzerrten Vocals einige heftige Breakdowns, die live sicherlich für blaue Flecken sorgen werden. Besonders irritierend wirkt bei dieser geballten Kraft der jazzige Einschluss, bei dem sich die Gitarristen Daniel und Simon zumindest für kurze Zeit austoben können, bevor es wieder deftig zur Sache geht.

Gegen Ende der Platte, die mit etwas mehr als einer halben Stunde recht kurz ausgefallen ist, geht einem beim Hören etwas der Atem aus. Zu viele Einflüsse prallen aufeinander, fast jeder Song wird durchgeprügelt – da kann man schon mal vergessen, wo einem der Kopf steht, erst recht, weil WFAHM zum guten Schluss mit „Inferno IIIVI“ noch mal einen richtigen Nackendreher raushauen, der mit soviel schreddernden Gitarren und Growls aufwartet, dass man schon nach der Hälfte kaum noch weiß, wo oben und unten ist.

Die Band wird’s freuen, schließlich spricht allein die Stil-Bezeichung Mathcore/Tech Metal Bände, ein wenig schwierig ist „MMX“ allerdings doch geworden. Beim ersten Hören bleibt – abgesehen von einem Tinnitus – nicht viel hängen, bei mehreren Durchläufen erkennt man zwar die Feinheiten in den einzelnen Songs, schon bald schwirrt einem aber der Kopf ob dieser Fülle an akustischen Informationen. Aufgelockert wird das Ganze durch jazzige Einlagen, trotzdem finde ich vor allem den Gesang eine Spur zu eintönig, obwohl Nico ohne Frage eine Glanzleistung abgibt. Trotzdem: Alle Fans des härteren Core sollten sich „MMX“ nicht entgehen lassen.

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