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Vuur: In This Moment We Are Free – Cities

Okayer Einstieg mit Luft nach oben
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 64:53
Release: 20.10.2017
Label: InsideOut

Geschlagene zehn Jahre ist es her, dass Anneke van Giersbergen bei The Gathering ausgestiegen ist – und es soll ja Fans der holländischen Prog-Rocker geben, die ihr immer noch hinterhertrauern. Seit dem Split ist Anneke weitestgehend mit akustisch geprägten Projekten unterwegs, in metallischen Gefilden trat sie hingegen eher als Gast bei anderen Künstlern wie beispielsweise Devin Townsend in Erscheinung.

Nun hat die Niederländerin mit der Engelsstimme jedoch anscheinend mal wieder Bock auf härtere Töne und Ende letzten Jahres die Band Vuur (niederländisch für „Feuer“) gegründet, bei der sie mit Ed Warby (u.a. ex-Gorefest, Ayreon) am Schlagzeug, dem ehemaligen Stream Of Passion-Bassisten Johan van Stratum und Ex-Revamp-Gitarrist Jord Otto auch alte Bekannte um sich geschart hat. Ursprünglich entstand die Formation allerdings aus der Livebesetzung von Arjen Lucassens Nebenprojekt The Gentle Storm – man kennt ja die geradezu inzestuösen Verhältnisse bei Bands untereinander.

Dem mit Spannung erwarteten Debütalbum „In This Moment We Are Free – Cities“ liegt ein loses Konzept zugrunde, geht es doch um verschiedene Städte, die van Giersbergen während ihrer Karriere bereist hat und die ihr besonders viel bedeuten, mit denen sie Erinnerungen verbindet und die deshalb einen nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterließen. Das als Erklärung dafür, weswegen jeder Songtitel zusätzlich mit einem Städtenamen versehen ist – eine charmante Idee, die natürlich auch ein Tribut an die dort ansässigen Fangemeinden der Sängerin darstellt.

Stellt sich nur die Frage, ob die Umsetzung entsprechend ausgefallen ist und hier muss man ganz klar konstatieren, dass Anneke und ihre Jungs es dem Hörer nicht gerade einfach machen. Die Band hat bereits live gespielt (und für 2018 sogar eine Headlinertournee angekündigt) und wer sie schon gesehen hat, ohne das Album gehört zu haben, kam meist zu dem Schluss, dass man sich die Mucke am besten noch mal in Ruhe zu Hause reinzieht, bevor man sich ein Urteil erlaubt, denn das Songwriting erweist sich doch als relativ zäh und sperrig.

Fast alle Tracks dauern sechs Minuten und länger, die Riffs sind vertrackt und unbequem – zugutehalten kann man dem Quintett, dass es den Leuten keine bloße, schon x-mal gehörte Standardkost vorlegen will. Dennoch gestaltet sich schon der Einstieg mit „My Champion – Berlin“ recht schwierig, zumal es bei meist eh langen Stücken natürlich gewagt ist, das allerlängste an den Anfang zu setzen. Und obwohl sich die Symbiose aus harschen, trocken vorgetragenen Riffs und Annekes einzigartiger Stimme als in gewisser Weise elegant erweist, weil gerade der Kontrast den Reiz ausmacht, wird an dieser Stelle bereits deutlich, was der Platte über fast die gesamte Distanz ein bisschen fehlt: zwingende Hooks.

Selbstverständlich geht es bei progressiver Musik darum, auch nach mehreren Durchläufen noch Details zu entdecken, die Songs sich erst nach und nach entwickeln zu lassen, aber hier und da ein bisschen mehr Gespür für Melodien mit Widerhaken oder gar mal einen eingängigen Refrain hätten sicherlich nicht geschadet. Es bleibt auch die Frage, warum die anstrengendsten Stücke an den Anfang gesetzt wurden, denn auch das an zweiter Stelle positionierte, schleppende „Time – Rotterdam“ will so überhaupt nicht auf den Punkt kommen.

Trotzdem handelt es sich beim Vuur’schen Erstlingswerk um eine gut produzierte Platte, die von erfahrenen Musikern eingespielt wurde, die ihr Handwerk verstehen. Annekes Stimme verzaubert auch nach so vielen Jahren immer noch, natürlich hat das alles irgendwo Hand und Fuß und natürlich gibt es trotzdem wunderschöne Momente auf „In This Moment We Are Free“: Die herrlich melancholische Strophe von „Sail Away – Santiago“ zum Beispiel, das zerbrechliche Intro von „Valley Of Diamonds – Mexico City“, das mit einem kraftvollen orientalischen Mainriff ausgestattete, in feierlicher Pracht regelrecht aufblühende „Save Me – Istanbul“, das optimistisch und gleichzeitig sehnsüchtige „Freedom – Rio“ oder das treibende, sehr dynamische „Days Go By – London“.

Es existiert also einiges an Licht, aber auch ein bisschen Schatten. Interessant ist die Scheibe zweifellos, sie bietet Überraschungen und Abwechslung, wirkt aber gleichzeitig oft auch zu bemüht, zu hüftsteif und nicht mitreißend genug. Einfach zu bewerten ist jedenfalls etwas anderes; letztendlich ein okayer Einstieg mit Luft nach oben, ein Stück weit mehr Eingängigkeit würde der Band beim nächsten Output bestimmt ganz gut zu Gesicht stehen.

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