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Vreid: Milorg

Kämpferisch, fesselnd und schwermütig
Wertung: 9.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 41:09
Release: 23.01.2009
Label: Indie Recordings / Soulfood

Vreid haben sich mit „Milorg“ ein weiteres Mal einem ernsten historischen Thema gewidmet. Den zweiten Weltkrieg haben die Jungs auch schon mit „I Krig“ angepackt, doch haben sie dies bislang noch nicht mittels eines Konzeptalbums getan, wie sie es mit „Milorg“ präsentieren. Inhaltlich geht es auf der Scheibe um Norwegen und die Zeiten des zweiten Weltkriegs, in denen das Land durch deutsche Truppen besetzt wurde und um Milorg, der größten norwegischen Widerstandsgruppe Milorg. Der Name Milorg ist hierbei ein Akronym des Wortes Militärorganisation, auf Norwegisch: militær organisasjon.

Festzustellen ist gleich zu Beginn, dass die früher von den Jungs verwendeten Stilelemente aus dem Bereich Black´N Roll nicht mehr den hohen Stellenwert bei ihren Kompositionen innehaben. Die Tendenz geht auf „Milorg“ ganz klar eher Richtung schwarzmetallischer Klangkunst.  

Eingangs „Alarm“ wiegt man sich noch kurze Zeit in einem Idyll. Dieses aufgrund der drohenden Gefahr trügerische Idyll nordischer Wälder und Fjorde wird jäh zerstört, als eine Luftschutz-Sirene heult. Daraufhin erklingen schwermütige Gitarren, bis Sture seinen fauchigen Eingangsgrowl loslässt. Das nun vorherrschende Tempo beschreibt bestens die Aggression und den Wahnsinn, der von der damaligen Führungsspitze in Deutschland ausging. Dazwischen immer wieder wehmütige, fast depressive Melodien in Passagen, in denen das Tempo ziemlich gedrosselt wird. Eine Neuerung stellen auch die gedämpften Clean-Vocals dar, die des weiteren bestens die Stimmung wiedergeben. Von diesem Song geht eine solch intensive Stimmung aus, dass man allein beim Hören dessen betroffen reagiert und unschwer in eine leicht depressive Stimmung versetzt wird.

Eine gehörige Portion Groove bekommt der Hörer dann mit “Disciplined“ vorgesetzt, die allerdings durchzogen ist durch Gefühle der Kampfeslust und der Aggression. In all dieser Raserei finden sich auch hier wieder unerhört gute instrumentale Parts, inmitten derer auch wieder Clean-Vocals zu hören sind, die in dieser Form bestens zu der Musik von Vreid passen.

Hváll darf eingangs „Speak Goddamnit“ seinem Bass ein wenig Freilauf verschaffen, bevor Sture seinen Eingangsgrowl auf die Trommelfelle zusteuert. Erneut ist die aggressive Stimmung zum Greifen nah und wird abrupt durch einen Instrumental-Part abgebremst, der fast schon einem Doom-Stück bestens zu Gesicht stehen würde. 
Danach wieder mit schwarzmetallischen Geschwindigkeitsgefilden anzuschließen, ist gewagt, aber Vreid zaubern aus diesen Komponenten ein sehr abwechslungsreiches und mitreißendes Stück aus Strophe und Refrain.

Ohne Pause zum Durchatmen geht es mit den Kriegsschiffen, hier speziell mit der „Blücher“, gen Norwegen. Der schwere Kreuzer, der zur damaligen Zeit die modernste Überwassereinheit der deutschen Kriegsmarine darstellte, war bei seinem ersten Einsatz 1940 an der Weserübung, der gewaltsamen Besetzung Norwegens, beteiligt und fungierte dort als Führungsschiff der auf Oslo operierenden Kampfgruppe. Die Blücher wurde jedoch von den norwegischen Küstenbatterien entdeckt und durch Granaten und Torpedos auf Höhe der engsten Stelle des Oslofjords so stark beschädigt, dass das Schiff am 9. April 1940 sank und 830 Besatzungsmitglieder und Heeressoldaten dabei den Tod fanden.

Musikalisch findet sich in „Blücher“ in schnellen Parts die drohende Gefahr, die von den Kriegsschiffen, allen voran der Blücher, ausgeht; in traurigen Melodien wird erzählt, wie die Soldaten sich in der Hoffnung auf Rettung von der kenternden Blücher in das eiskalte Fjordwasser stürzen, dort teilweise dem Heizölteppichen zum Opfer fallen oder in dem eisigen Wasser erfrieren. 

Zu diesem Stück gehört untrennbar das folgende „Blücher Pt. II“. Es schildert auf instrumentale Weise den Untergang der Blücher. Gegen Ende des Stückes erklingt eine Akustik-Gitarre, die stimmungstechnisch das Ganze abrundet, ganz so wie die Wellen, die nach dem Kentern und Untergehen der Blücher ein eisiges Seemannsgrab bilden und zeitlos dahin wogen, als wäre all dieser Wahnsinn niemals geschehen.

Um den Gegensatz zwischen Helden und Bösewichten geht es in „Heroes And Villains”. Dieses Stück im gehobenen Midtempo wirkt allerdings nach den großartigen Vorgängertracks ein wenig farblos. 

Mit dem Instrumental „Argumentum Ex Silentio“ kommt wieder etwas Ruhe in das Gesamtkonstrukt. Die Drums wirken hier stellenweise ein wenig militärisch inspiriert, trotz der Ruhe, die von diesem Stück ausgeht. Der Song ist dann auch gleich die Einleitung für das leider schon letzte Stück „Milorg“. Das Titelstück präsentiert zum Abschluss noch einmal eindrucksvoll, wie sehr sich Vreid weiterentwickelt haben in ihrem musikalischen Sound - und dies mehr als eindrucksvoll. 

Fazit: „Milorg“ stellt eine immense Weiterentwicklung der Band dar. Was sich mit „I Krig“ schon anbahnte, erreicht nun mit „Milorg“ einen vorläufigen Höhepunkt. Die Pitch Black Brigade hat wieder zugeschlagen, und zwar fesselnd, schwermütig und kämpferisch zugleich.
Vreid haben mit „Milorg“ ein Album erschaffen, das ein ganz heißer Anwärter auf das „Album des Jahres 2009“ zu werden verspricht.

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