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Votum: Metafiction

Atmosphärisch und verträumt
Wertung: 8.5/10
Genre: Art Rock / Progressive Rock
Spielzeit: 41:28
Release: 19.03.2010
Label: Mystic Production

Polen ist, was harte Musik betrifft, in erster Linie als Death Metal-Land bekannt – dass es neben zahlreichen Todesblei-Combos auch noch andere, sehr gute Szene-relevante Bands gibt, beweisen zum Beispiel Votum aus Warschau mit ihrem zweiten Album „Metafiction“.

„For fans of Opeth, Porcupine Tree, Anathema“ sagt das Label, was natürlich schon mal sehr neugierig macht, womit sich die Jungs aus der polnischen Hauptstadt allerdings selbst nicht gerade unerheblich unter Druck setzen. Diese drei Topacts spielen schließlich schon seit Jahren in einer eigenen Liga und wollen erst mal erreicht werden.

Dennoch schafft es die 2003 gegründete Band erstaunlicherweise tatsächlich, dieses hohe Niveau zu erklimmen und mehr noch: Sie hat bei allen Anleihen an genannte Combos – wobei Opeth hier musikalisch eine nicht ganz so große Rolle spielen, da es bei Votum keine Growls gibt und die Mucke im Gegensatz zu den Schweden eher wenig Metalelemente beinhaltet – vor allem dennoch einen recht eigenständigen Sound entwickelt.

Von der melancholischen Grundstimmung und der Atmosphäre her werden zwar immer wieder Reminiszenzen an die beiden britischen Gruppen erweckt, aber allein die Klangbilder, die das stark präsente Keyboard erschafft, haben doch einen ziemlich eigenständigen Charakter und geben der Band ein eigenes Gesicht. Übrigens sei allen gesagt, die jetzt möglicherweise gleich wieder skeptisch die Augenbrauen hochziehen, wenn hier von stark präsenten Keyboards die Rede ist, dass hier nichts cheesy, kitschig oder aufgesetzt klingt, sondern die Tasten dem jeweiligen Song dienlich eingesetzt wurden und eine verträumte Atmosphäre aufkommen lassen, in die man sich wunderbar fallen lassen kann. Von daher fallen mir als Vergleich auf jeden Fall auch noch die Hamburger Sylvan ein.

„Metafiction“ wird in Form von „Falling Dreams“ gleich mit einem Longtrack eröffnet, dessen Gitarre zu Beginn an Porcupine Trees Instrumental „Revenant“ erinnert, sich dann jedoch zu einer dem Titel entsprechenden Traumreise entwickelt. Sphärische Keyboards, perlendes Klavier und sanfte Clean-Gitarren-Sounds geben sich die Klinke in die Hand und über allem thront die weiche, schmeichelnde Stimme von Frontmann Maciej Kosinski, der im übrigen ebenfalls einen nicht unerheblichen Teil zur autarken Persönlichkeit von Votum beiträgt. Das Stück steigert sich im weiteren Verlauf immer mehr und hat auch ein paar Distortion-Sounds und ein Solo zum Anheben der Dramatik zu bieten. Ein erstklassiger Opener, der trotz seiner Länge nachvollziehbares Songwriting bietet – der rote Faden gleitet den Polen zu keinem Zeitpunkt aus der Hand.

„Glassy Essence“ beginnt dann deutlich härter und proggiger, entwickelt sich aber schnell in eine ähnliche Richtung wie der Vorgänger: Verträumte, wunderschöne Melodien stehen im Vordergrund und Kosinskis erneut tolle Gesangsperformance fügt sich schlicht glänzend ins Gesamtbild ein.

Auch „Home“ und „Faces“ schlagen in diese Kerbe – und obwohl die Melodien weiterhin so schön sind, dass man gerne immer weiter träumt und härtere Klänge nicht wirklich vermisst, wird es sicher ein paar Leute geben, die sich vielleicht wünschen, dass hin und wieder endlich auch mal ein paar rockigere, härtere Sequenzen erklingen würden; immerhin wurden ja auch Opeth als Vergleich angeführt. Nun, diese dürfen sich auf ein Stück wie „Stronger Than Fiction“ freuen, das sich um einiges härtergestaltetund sogar einige Gesangsparts beinhaltet, die wesentlich aggressiver daherkommen. Von einem totalen Stilbruch kann hier trotzdem nicht die Rede sein; der Song wurde bestens zwischen die ruhigen Nummern gebettet (das folgende „Indifferent“ ist dann nämlich wieder um einiges balladesker und wirkt fast wie eine Auflösung nach dem harten Vorgänger, steigert sich zum Ende allerdings vehement).

Beschlossen wird die CD schließlich mit dem längsten Track. Das neuneinhalbminütige Finale „December 20th“ wartet mit recht proggig-vertracktem Riffing auf, das in eine cleane Passage mündet. Zum Ende des Stückes agiert die Band dann zum ersten Mal richtig metallisch. Düsteres Riffing trifft auf Chöre und Streicher-artige Keyboardsounds – Bombast pur! Eine wirklich fette Dramatik, die das Album furios ausklingen lässt.

Das Fazit ist eindeutig: Für „Metafiction“ kann ich nichts als Lob übrig haben. Insgesamt eher ruhig, verträumt und melancholisch gehalten, gibt es trotzdem immer noch Platz für vereinzelte härtere Klänge, die die atmosphärische Stimmung aber nicht stören, sondern das Ganze etwas auflockern und für Abwechslung sorgen. Besonders die zweite Hälfte des Albums ist ein wenig rockiger beziehungsweise metallischer gehalten. Wenn Votum so stark weitermachen, können sie es schaffen, zu ihren Vorbildern aufzuschließen.

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