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Voodoo Johnson: Black Powder Mother Loader

Eine gelungene Überraschung
Wertung: 9/10
Genre: Alternative Rock, Grunge, Stoner Rock
Spielzeit: 21:26
Release: 17.10.2011
Label: Polarian Records

Nach gerade mal zwei EPs und einem Full-Length-Album den Sänger zu wechseln ist eine verdammt riskante Aktion. Voodoo Johnson aus England haben genau das getan, nach dem Release von „10,000 Horses“ wurde Kev Bayliss direkt gegen Nik Taylor-Stoaks eingetauscht, der auch bei der südenglischen Metal/Sludge-Combo Vallenbrosa am Mikro tätig ist. Mir ist nun das erste Album mit Kev nicht bekannt, aber wenn man sich die neue EP „Black Powder Mother Loader“ so anhört, kann der Sängerwechsel eigentlich kein schlechtes Geschäft gewesen sein.

So wie Voodoo Johnson in gerade mal einer Handvoll Liedern alles von Alternative Rock bis Grunge, Stoner und Hardrock einbauen, so passt auch Niks Stimme eigentlich zu all diesen Stilen. Wahrscheinlich könnte der Mann auch bei einer Black-Metal- oder Grindcore-Combo anfangen, aber vorerst dürfen wir den samtigen Klängen seiner Stimme auf getragenen Balladen wie „The Garden“ oder rockigeren Reißern wie „Dogs Of War“ lauschen. Der Sänger pendelt dabei zwischen Alter Bridge, Alice In Chains (allerdings eher den neueren mit William DuVall) und ein wenig Seventies Rock.

Dass es durchaus Sinn und Spaß machen kann, diverse Rockstile in einen Topf zu werfen, zeigt schon der bereits erwähnte Opener. „Dogs Of War“ verfügt nicht nur über einen fast hymnischen Refrain, der sich perfekt als Albumeinstieg eignet und direkt mal zeigt, was die Combo so drauf hat, hier kann sich Nik auch direkt gesanglich austoben und von Klargesang bis hin zu einem kratzigeren Rocktimbre alles ausprobieren. Wieso VJ aber auf fast jeder Internetseite mit Queens Of The Stone Age verglichen werden, bleibt mir schleierhaft; den Briten geht einfach der gewisse Stoner-Psychedelic-Touch ab, der diesen Vergleich auch nur im Ansatz rechtfertigen würde.

Aber naja, über Musik lässt sich ja bekanntlich lang und ausgiebig streiten; wenden wir uns also lieber wieder „Black Powder Mother Loader“ zu, das direkt mit dem zweiten „Swear It To The Sun“ noch einen Song parat hält, der jetzt schon zum Bandklassiker werden könnte. Die beiden Seiten der Voodoo-Medaille zeigen dann die beiden finalen „The Garden“ und „Black Mist Skies“, die die grundsätzlichen beiden Enden des musikalischen Bandspektrums anzeigen: „The Garden“ ist ein nicht ganz dreiminütiges entspanntes Stück mit gezupfter Gitarre, das ein bisschen an die alten Bush erinnert. Niks erdige Stimme passt auch hier wieder perfekt ins Klangbild, erst recht, da der Track einen leichten Countryballadentouch hat. „Black Mist Skies“ hingegen könnte zumindest im Intro genauso auch von Drowning Pool zu Dave Williams-Zeiten stammen, Nik lässt gar den Metaller raushängen und schreit fast ein bisschen – ganz großes Kino, vor allem, als dann die schrammelnden Gitarren einsetzen. Im Refrain baut sich der Song zu seiner vollen Größe auf – geil! Und dabei liegt hier der erste Output mit neuem Sänger vor – nicht auszudenken, was Voodoo Johnson noch alles auf die Beine stellen können, wenn sie auf voller Spielzeit zocken.

Wirklich großes Gefühle werden hier geboten, ohne dass auch nur eine einzige Sekunde lang auch nur ein Anflug von Kitsch zu bemerken ist. Niks Stimme könnte durchaus in Richtung Schmalz abrutschen, Gelegenheiten gäbe es genug, aber der Mann ist einfach ein zu guter Sänger, um sich der Versuchung hinzugeben. Alle Songs der EP ruhen auf einem sehr guten Instrumentalfundament, vor allem das Zusammenspiel zwischen Schlagzeug und Gitarre kommt die meiste Zeit wirklich schön rüber, ohne dass die Vocals jemals in den Hintergrund treten. Man darf gespannt und in freudiger Erwartung auf die erste Langrille mit dem neuen Sänger hoffen. Bis dahin muss „Black Powder Mother Loader“ halt auf Endlosschleife laufen.

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