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Voodoo Gods: Shrunken Head

Endlich mal kein Fremdschämen bei einer „Supergroup“
Wertung: 7.5/10
Genre: Death Metal, Thrash Metal, Heavy Metal
Spielzeit: 22:49
Release: 01.04.2012
Label: Misanthropica Enterprises

Sogenannte „Supergroups“ sind immer mit äußerster Vorsicht zu genießen. Oft genug artet die Zusammenkunft verschiedener berühmter und (meist) talentierter Musiker in völlige Griffbrettwichserei oder narzisstische Egotrips aus. In der bereits 2001 gegründeten Truppe Voodoo Gods (damals noch Shrunken Head) geben sich die großen Namen die Klinke in die Hand: Leadgitarrist David Shred Demon Shankle spielte – man ahnt es bei dem ausufernden Namen fast – gute sieben Jahre lang bei Manowar, Gitarrist Hiro zupfte als Liveaushilfe die Saiten bei Decaptitated, Perkussionist und Sänger Mike Browning verdiente seine Brötchen unter anderem bei Morbid Angel und Incubus und Nergal, der sich mit dem wesentlich unbekannteren Seth Van De Loo die Hauptvocals teilt, dürfte den meisten Lesern als Fronter von Behemoth ein Begriff sein.

Damit hätten wir den internen Schwanzvergleich schon mal abgedeckt – ein Großteil des Septetts kommt aus in der Szene renommierten Bands und sollte somit zumindest von der technischen Qualität her keine großartigen Defizite aufweisen. Wieso es bis zum Debüt „Shrunken Head“ ganze elf Jahre gedauert hat, zumal das gute Stück schon 2007 hätte veröffentlicht werden sollen, kann man sich den vollgestopften Terminkalendern auch denken. Interessanter gestaltet sich da schon die musikalische Ausrichtung: Voodoo Gods lassen, wie man ansatzweise hätte vermuten können, einen ordentlichen Bastard aus Death, Thrash, einer Prise Black Metal (resultierend aus Nergals Gesang) und einem Haufen Heavy-Metal-Riffs auf die Hörerschaft los.

Gerade mal vier Songs sind eine erschreckend maue Ausbeute, wenn man es mit solchen Musikern zu tun hat, aber es zählt ja an und für sich eher Klasse statt Masse, also soll im Vorfeld zumindest darüber nicht gemeckert werden. Trotz des gesetzteren Alters einiger Bandmitglieder gehen die Voodoogötter auf den vier Tracks erstaunlich experimentierfreudig zu Werke, das Intro zum finalen „Rise Of The Voodoo Ostinati“ erinnert gar ein wenig an eine Old-School-Version von System Of A Down, bevor Nergals bitterböse Vocals einsetzen. Spannend ist auch und vor allem das Wechselspiel zwischen den beiden Leadsängern. Während Seths tiefe Death-Growls laut und deutlich durch die Boxen wummern, liegt über der Stimme des Behemoth-Fronters immer ein leichter Hall und der Gesang ist insgesamt weiter in den Hintergrund gemischt worden. Das mutet nun aber keinesfalls an wie ein Fehler beim Abmischen, sondern erhöht im Gegenteil die Dynamik und macht den Song zu einem todsicheren Anspieltipp.

Ehrlich gesagt überrascht einen die Siebenertruppe ohnehin ganz gehörig: Was mit „Ritual Killing“ zwar als rasanter, aber doch irgendwie ermüdender Aufguss aus gefühlten hundert Jahren Heavy Metal beginnt, wendet sich schon beim folgenden „The Pulse Of Jungle Warfare“ zum Besseren: Zwar erfinden die Amis auch hier nicht das Rad neu, aber eine gewisse Frische wird durch das schwerfällige, fast ein bisschen an Florida-Death à la Six Feet Under erinnernde Gitarrenspiel in den Song gebracht; auch die intelligent platzierten Tempowechsel machen hier einiges aus, ganz zu schweigen natürlich von den mächtigen Organen der Sänger.

„Lion’s Reign, Enter The Lion’s Reign“ scheint dann nochmal eine halbe Oktave tiefer gestimmt zu sein und walzt behäbig durch die Boxen, bevor zum Refrain hin das Tempo knallhart angezogen wird. Einen Pluspunkt gibt es für den der Monotonie vorbeugenden Wechsel zwischen Gebolze und Geplänkel – schön gemacht, auch wenn hier solotechnisch definitiv Manowar durchzuhören sind.

Überraschendes Fazit: „Shrunken Head“ ist wider Erwarten kein eingewachsener Zehnägel am Fuß der Supergroupbewegung geworden, sondern ein mit Old School durchsetztes Süppchen aus Death, Thrash und Heavy Metal. Vor allem Nergal kann hier stimmlich glänzen, ein gutes Bild geben aber ausnahmslos alle Musiker ab.

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