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Von Hertzen Brothers: Stars Aligned

Interessante, experimentelle Scheibe
Wertung: 7.5/10
Genre: Psychedelic Rock, Heavy Rock
Spielzeit: 51:49
Release: 25.03.2011
Label: Spinefarm Records / Cooperative Music

Wenn man sich den Bandnamen anguckt, könnte man glatt vermuten, hinter den Von Hertzen Brothers verberge sich eine deutsche Schlager- und Volksmusikcombo. Aber nein, werte Leser, so etwas würden wir euch selbstredend nicht antun. Diese Jungs heißen, obwohl sie aus Finnland stammen, tatsächlich „von Hertzen“ mit Nachnamen – zumindest die gesamte Saitenfraktion, die aus drei Brüdern besteht.

Die insgesamt fünf Mitglieder (es gibt noch einen Drummer und einen Keyboarder) legen mit „Stars Aligned“ bereits ihre vierte Langrille vor; der Verfasser dieser Zeilen muss allerdings einräumen, zuvor noch nie etwas von der Truppe gehört zu haben. Das sollte sich bald ändern, denn so komisch der Name für jeden Deutschen auch klingen, so wenig Metal er scheinen und so pathetisch und ausgelutscht die Erklärung der von Hertzens, der Name sei Programm, da Musik schließlich vom Herzen kommen müsse, auch erscheinen mag – man sollte sich nicht davon abschrecken lassen.

Was das Quintett bietet, ist nämlich mehr als nur hörenswert, da in jedem Sinne eigenständig, experimentell und originell. Die dargebotene Mucke in eine Schublade zu stecken, ist nur schwer möglich, wenngleich der Erklärungsversuch in der Info, man solle sich die Foo Fighters vorstellen, wie sie Pink Floyds größte Hits covern, nachdem sie in Indien jahrelang Beach Boys-Songs geträllert haben, gar nicht so daneben ist. Klingt komisch? Is’ aber so. Man checke allein mal den Opener „Miracle“. Danach dürfte auch der skeptischste Hörer davon überzeugt sein, dass das hier alles andere als konventionell ist: Mit einer zarten, zerbrechlichen Gesangslinie geht es los, doch schon nach wenigen Sekunden werden einem ein Riff von Sabbath’scher Schwere und ein an guten alten Krautrock erinnerndes, plärrendes Keyboard um die Ohren gehauen. Garniert wird das Ganze letztlich mit einem gut reinlaufenden Refrain mit mehrstimmigem Gesang – definitiv ein Markenzeichen der Band; die drei Brüder haben auf jeden Fall ein Händchen für derartige Vokalarrangements.

Dennoch ist es nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, eine adäquate Beschreibung des Sounds abzuliefern, denn dazu passiert einfach zu viel: Hier ein Gitarrenlick, dort ein durchgeknallter Sound vom Keyboard – doch mit dem zweiten Track soll es noch viel besser kommen: „Gloria“ besticht durch abermals wunderschöne, mehrstimmige Gesangslinien, eine mitreißende Rhythmusfraktion und einen superben, melancholischen Refrain. Anfangs muss man fast ein wenig an Muse denken, doch damit ist es dann auch wieder vorbei, als plötzlich ein Akkordeon erklingt, das durch seine Unaufdringlichkeit auffällig unauffällig integriert wurde. Bei so vielen verrückten, aber cool umgesetzten Ideen und so vielen Einflüssen ist man echt platt!

„Voices In Our Heads“ tönt nach dem feurigen Vorgänger etwas entspannter und wartet mit allerhand elektronischen Spielereien auf. Mal spacig, mal psychedelisch, mal industriell steht hier eher das Keyboard im Vordergrund, während bei „Angel’s Eyes“ die angesprochenen fiktiven Indien-Erlebnisse erstmals sehr deutlich durchschimmern: Der Song kommt mit orientalischen Melodien daher, verströmt durch die verdrogte Atmosphäre aber eher indisches denn nahöstliches Flair.

Verdrogt mutet allerdings das gesamte Album an, was angesichts der obigen Beschreibung wohl nicht weiter verwunderlich ist. Natürlich macht das den Charme von „Stars Aligned“ aus und zeichnet auch einen sich behutsam aufbauenden Track wie „Down By The Sea“ aus, der irgendwo zwischen den ruhigen Interludium-Nummern von Tool, Porcupine Tree und alten Psychedelic-Größen schwankt. Hin und wieder verlieren auch die Her(t)zbrüder aber ein wenig den roten Faden: Das pöbelnde Gelaber bei „Bring Out The Snakes“ ist ja ganz lustig, zieht sich allerdings eindeutig zu lange hin. Der Song selbst will auch nicht recht zünden, obwohl es auch hier einiges zu entdecken gibt – ein bisschen lässt wenigstens in der ersten Hälfte außerdem „On The Run“ von Pink Floyd grüßen. Auch „Repeat Mode“ kann trotz der erneut coolen Idee mit den Bläsern zu Beginn nicht hundertprozentig überzeugen. Mit den beiden Schlussnummern „Always Been Right“ (irgendwie nervös, aber sehr eingängig; klingt in etwa wie The Hives auf Speed plus erneute Keyboard-Verrücktheiten und Mandoline) und dem achtminütigen „I Believe“, dessen Anfang eine klare Verbeugung vor Queen („Breakthru“), den Meistern der Innovation, darstellt, kriegt man aber doch noch die Kurve.

Summa summarum haben die Von Hertzen Brothers mit „Stars Aligned“ ein interessantes und vielfältiges Album auf den Markt geworfen, das voller Ideen und kleiner Details steckt, die entdeckt werden wollen. Hin und wieder geht die Experimentierfreudigkeit zwar zu Lasten des Songwritings, aber dass Experimente nicht unbedingt mit klaren Strukturen harmonieren können, dürfte wohl klar sein. Hörenswert, insbesondere für Freunde psychedelischer und abgefahrener Klänge, ist die Scheibe aber auf jeden Fall.

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