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Vom Fetisch der Unbeirrtheit: Psychohygiene

Kranke Geräuschkulisse ohne viel Musik
Wertung: 2.5/10
Genre: Experimental Noise, Psychedelic Rock
Spielzeit: 107:43
Release: 01.01.2011
Label: Temple Of Torturoros/Genickschuss Eucharistie

Ein Poster, ein T-Shirt oder eine Bonus-CD: Viele Bands locken den potenziellen Käufer nicht nur mit ihrer Musik, sondern legen auch gern noch ein paar nette Gimmicks mit dazu. Das dachten sich auch die Mitglieder von Vom Fetisch der Unbeirrtheit und legten den ersten 100 Kopien kurzerhand eine zerstückelte Ratte in handlicher Präparats-Dose bei. Wem das schon zu psycho ist, dem sei von der Musik schon vor dem Hören abzuraten.

„Psychohygiene“ ist nicht nur Name, sondern auch Programm – zumindest was das „Psycho“ angeht. Die Band bestreitet das Doppel-Album mit einer Mischung aus Experimental Noise und Psychedelic Rock. Vereinzelt berühren sie dabei auch die Grenze zum Progressive Rock wie auch Black Metal und EBM und machen damit das verwirrende Chaos komplett.

Zudem haben Vom Fetisch der Unbeirrtheit einen absolut ausgeprägten Hang zu Fremdwörtern, komplizierten Sätzen und Neologismen. Sie werfen damit nicht nur bei den Liedtiteln, sondern auch im gesamten Booklet so um sich, dass es schrecklich übertrieben und schwulstig wirkt. Ob hinter diesen Texten bzw. Titeln überhaupt ein Sinn steckt oder sie nur des kranken Ausdrucks wegen zusammengewürfelt wurden, ist unklar. Mit Blick auf die sehr überzeichnet kranke Aufmachung des gesamten Albums, scheint Letzteres aber wahrscheinlicher.

Nun aber zur Musik, oder das, was man dafür halten mag. Vom Fetisch der Unbeirrtheit haben ein Album kreiert, was das Genre „Noise“ absolut ausfüllt. Man kann sogar soweit gehen zu sagen: Wenn eine CD diesem Genre entspricht, dann diese. Gleichzeitig trifft aber auch die Aussage zu: Wenn eine CD kein Genre verdient hat, dann diese. Denn nichts anderes bekommt man bei „Psychohygiene“ als Noise: Lärm.  

Die Liedstrukturen sind fast ausnahmslos verdreht und wirr. Sie weisen kaum Konzept auf und wirken oft improvisiert. Durch die häufigen Wiederholungen, wirken die Lieder zudem langatmig wie gut in „Zerrissenes Stück Hirn-Masse“ zu hören. Die Klangdichte ist meist recht niedrig und die Geräusche auf „Psychohygiene“ plätschern insgesamt dahin. Die Vocals treten bei Vom Fetisch der Unbeirrtheit besonders hervor. Wenn vorhanden, werden sie aber nicht dazu genutzt, die Musik, auch hier nur unter dem Vorbehalt wenn vorhanden, weiterzubringen, sondern allein um weiter den morbiden Ausdruck der CD zu untermauern. Unter diesem Gesichtspunkt wundert man sich dann auch nicht mehr, dass „Filterlose Trunkenheit“ nur ein stammelndes Gezeter hervorbringt und die Vocals in „In Erigierter Abgründigkeit“ klingen, als würde ein gebrochener Mensch auf dem Höhepunkt seines alkoholisierten Vollrauschs den sinnlosen Versuch unternehmen, sich mittels wirscher Geräusche zu artikulieren.

Die bereits angedeuteten Musik-Ausrutscher sind auf „Psychohygiene“ nur selten zu finden. Während „Filterlose Trunkenheit“ und „In Erigierter Abgründigkeit“ kurze progressive Elemente verbuchen, kann man bei „Non-Narkotikum“ und „Infantile Sinnesfrüchte“ gelegentlich ein paar Black-Strukturen ausmachen. „Epitaph“ und „Du Magst Solche Szenen“ hingegen gehen in die elektronische Richtung, wobei sich „Du Magst Solche Szenen“ überraschenderweise als fast vollwertiges EBM-Lied beschreiben lässt.

Insgesamt kann man über „Pyschohygiene“ aber nur sagen, dass die Band sich auf einem äußerst schmalen Grad zwischen einem Musiker-Dasein und einer Tontechniker-Karriere im Bereich Geräuschkulissen bewegen. Alle Elemente des Albums dienen letztendlich zur Untermalung eines morbid-kranken Ausdrucks, der der Band auch definitiv gelungen ist. Um Musik geht es auf „Psychohygiene“ aber nicht wirklich. Es scheint mehr eine Art Kunst-Projekt zu sein. Da dies aber ein Musikreview ist, fällt die Wertung entsprechend aus.

Fazit: „Psychohygiene“ ist unter dem musikalischen Aspekt absolut belanglos. Man weiß nicht, was man damit eigentlich soll – und das gilt auch für die Ratte. 

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