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Volkstrott: Im Angesicht der Barbarei

50% Mut
Wertung: 7/10
Genre: Folk Rock
Spielzeit: 39:29
Release: 21.11.2008
Label: John Silver Production

Fröhliches Genreraten: Welchem Musikstil hat sich eine Band verschrieben, die den Namen Volkstrott trägt, ihr zweites Album „Im Angesicht der Barbarei“ nennt, größtenteils auf Deutsch singt und mit Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Geige und Dudelsack instrumentiert ist? Mittelalterrock/Metal? Falsch geraten.

Besagte Band macht zwar durchaus von Melodien Gebrauch, die so oder ähnlich auch von Bands wie Schandmaul oder (frühen) Subway To Sally stammen könnten, bewegt sich aber textlich und thematisch deutlich in späteren Jahrhunderten, genau genommen in der Neuzeit. Volkstrott das Etikett „Surfer auf der Mittelalter-Welle“ zu verpassen, wäre somit ungerechtfertigt; stattdessen ist eine Klassifizierung (sofern man denn überhaupt eine vornehmen möchte) als Folk-Punk-Rock eher angemessen. Über ein Fundament von meist verzerrten Gitarren, Bass und Schlagzeug legen Violine und Sackpfeife ihre Melodien und untermalen den Gesang von Sänger LeBen. Dieses altbekannte Rezept verfeinern Volkstrott jedoch auf ihre Weise, indem sie in einigen Songs erfreulich experimentierfreudig zu Werke gehen: Der Instrumentaltrack „Herzenslust“ markiert als siebter von zwölf Songs die Grenze zwischen den eher konventionellen Songs der ersten Albumhälfte und den deutlich wagemutigeren Songs der zweiten Hälfte.

Nach den ersten sechs Songs blüht das Album nämlich geradezu auf. Das ist aber auch dringend notwendig, denn zuvor fiel vor allem der relativ kraftlos klingende Gitarrensound auf, über den Geige und Dudelsack immer ähnliche Melodien schichteten. Zwar sticht der dritte Track „Der Tod ist in der Stadt“ dank Gastgesang von Ben Richter (Thanateros) und leicht morbidem Einschlag aus der Masse heraus, insgesamt bleibt aber zunächst ein eher fader Nachgeschmack.

Ab Song Nummer acht scheinen Volkstrott dann aber derart heftig von der Muse der Inspiration geküsst worden zu sein, dass Schilderungen dieses Ereignisses vermutlich die Zensurbehörde auf den Plan rufen würden. Plötzlich gibt es da Songs auf Deutsch und (stark vom deutschen Akzent geprägtem) Englisch („Lebenswege“, „Ohne Zweifel“), alternative Songstrukturen, Dynamik und mit dem abschließenden Track „Der Knabe im Moor“ gar eine durch dramatisch eingesetzte Streich- und Blasinstrumente sehr gelungene Vertonung eines Gedichts von Annette von Droste Hülshoff. Auch der Sound im Allgemeinen erscheint auf einmal wesentlich frischer und lebendiger; besonders LeBen zeigt jetzt eine große gesangliche Vielfalt und Variation. Man hat das Gefühl, als habe die Band in die letzte Albumhälfte  wirklich Herzblut gesteckt und sich hier von den sicheren Pfaden gelöst, um deutlich mutiger vorzugehen. Die Frage die sich zum Schluss stellt: Warum nicht die ganze Zeit so?

„Im Angesicht der Barbarei“ ist im Ganzen ein zur Hälfte äußerst durchschnittliches und zur anderen Hälfte erfrischend experimentierfreudiges zweites Album geworden. Wirklich negativ fällt eigentlich kein Song auf; die erste Albumhälfte verblasst jedoch hinter der wesentlich interessanteren zweiten. Alles in allem ein insgesamt im oberen Qualitätsdurchschnitt angesiedeltes Machwerk der Berliner, die ihren Mut zum Ausprobieren auf der nächsten Platte hoffentlich auf Albumlänge ausleben.

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