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Volbeat: Beyond Hell / Above Heaven

Für ihre Verhältnisse schwach
Wertung: 7.5/10
Genre: Rock'n Roll, Heavy Metal
Spielzeit: 50:52
Release: 10.09.2010
Label: Universal Music

Volbeat sind mit Sicherheit einer DER Aufsteiger der letzten Jahre. Ihr eigenwilliger Mix aus Metal, Punk und Rock’n Roll, kombiniert mit Michael Poulsens Stimme ist trotz des Erfolges der Dänen immer noch absolut einzigartig geblieben. Das ist aber auch gut so, denn Nachahmer hätten es mehr als schwer, diesen ganz eigenen Stil glaubwürdig 'rüberzubringen. Volbeat brachten es bisher auf drei starke Alben und unzählige begeisternde Konzerte. Dieses Jahr folgt nun also Album Nummer vier „Beyond Hell/ Above Heaven“, welches der Popularität mit Sicherheit keinen Abbruch tun wird.

Dem Album vorangegangen sind Auftritte mit Nightwish, AC/DC und (das dürfte die Band ganz besonders gefreut haben) Metallica. Wie man bei diesem Programm noch Zeit hat ein komplettes Album zu schreiben, ist erstaunlich. Andererseits sind Volbeat natürlich auf diese Art stets perfekt aufeinander eingespielt gewesen und wie sie zu klingen haben, wissen sie wohl selbst am besten. Trotzdem ist „Beyond Hell/ Above Heaven“ für mich ihr erstes Album, welches „nur“ gut geworden ist. Vielleicht hätten ein bis zwei Monate mehr Feinschliff dem Album gut getan. Es ist aber müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, denn auch 2010 haben Volbeat wieder einige Songs im Gepäck, die sich eigentlich live spielen MÜSSEN. Einer davon leitet praktischerweise Album Nummer vier ein.

„The Mirror And The Ripper“ verzahnt Thrash-Riffs auf so einfache Weise mit Country-Einflüssen, als ob es das Normalste auf der Welt wäre. Ein typischer Volbeat-Opener eben, der aber leider nicht das Qualitätsniveau widerspiegelt. Auf diesem Album haben die Dänen für ihre Verhältnisse ziemlich experimentell gearbeitet. Dabei reicht die Bandbreite vom Einsatz einer Mundharmonika beim sonst eher ziemlich handzahmen Feel-Good-Track „Heaven Nor Hell“ über Gastauftritte bis hin zu einer deutlichen Steigerung des Härtegrads. Deutlich wird letzteres zum Beispiel bei „Who They Are“, welches bis auf den (leider nicht besonders einprägsamen oder guten) Refrain ein beinharter Thrasher geworden ist. Noch eine Ecke härter ist „Evelyn“ ausgefallen, bei dem sich Michael das Mikrofon mit Napalm Death-Röhre Barney teilt. Eine Kollaboration, die irgendwie gezwungen wirkt, so, als hätte man zwei Lieder zusammengeschnitten.

Aber wenn wir gerade bei Gastauftritten sind: Kreators Mille betont ja gerne, dass er nicht der größte Fan davon ist, auf anderen Platten zu singen. Für Volbeat hat er aber eine seltene Ausnahme gemacht und keift in seiner unnachahmlichen Art bei „7 Shots“ ins Mikro. Man möchte vermuten, dass das ebenso befremdlich klingt wie bei „Evelyn“, aber es funktioniert einfach besser, da auch das Lied an sich stärker ist und Mille nur ein paar Zeilen brüllt. Nach einem „Sad Man’s Tongue“-artigen Intro auf der Slide Guitar geht es zwar nicht genauso schnell nach vorne los, aber dafür mit einem tollen Solo und echten Ohrwurmqualitäten. Die gibt es auch zuhauf bei Hits in spe der Marke „A New Day“, „Fallen“, „A Warrior’s Call“ und „16 Dollars“.

„Fallen“ und „A New Day“ fallen sehr melodisch und eingängig aus. „Fallen“ ist darüber hinaus die erste Single des neuen Albums und Michael Poulsens verstorbenem Vater gewidmet, ist aber nicht tief traurig ausgefallen. Das Lied ist vielmehr etwas melancholisch, wird im weiteren Verlauf aber immer rockiger. Ein schöner Tribut, wie ich finde (auch wenn ich den Verstorbenen natürlich nicht kannte). „A Warrior’s Call“, die Hymne für den dänischen Boxer Mikkel Kessler, stand ja schon vor ein paar Monaten als kostenloser Download auf der Homepage bereit und geht ein wenig in die Richtung der ersten Alben. Live sollte hier wieder nichts schief gehen können.  Mein persönlicher Favorit auf der neuen Platte ist aber das kurze Rockabilly/ Punk/ Metal-Gemisch namens „16 Dollars“, das frech durch die Genres springt und sich unwiderstehlich im Gehörgang festsetzt. Da macht es auch nichts, dass eine der Gesangslinien doch sehr deutlich von Aerosmiths „Walk This Way“ inspiriert ist.

Das klingt zwar bisher alles soweit gut, aber es ist nicht zu überhören, dass Volbeat trotz vereinzelten „Ausreißern“ nicht mehr so hart wie früher zu Werke gehen. Das muss natürlich nichts Schlechtes sein, aber auf diesem Album haben sich erstmals einige Filler eingeschlichen, die es vorher nicht gegeben hatte. „Being 1“, "A Better Believer“ oder „Magic Zone“ klingen erschreckend ideenlos, weil man das alles schon besser gehört hat. Die unwiderstehlichen Hooklines fehlen hier jedenfalls. Das gilt zwar auch für „Thanks“, nur bei einem „Dankeschön“ an die Fans kann man gewisse Selbstzitate verzeihen. Selbst wenn sich zusätzlich noch Einflüsse von Bubblegum-Punk-Gruppen wie Blink 182 einschleichen.

Fazit: Sie können es besser, so einfach ist das. „Beyond Hell/ Above Heaven“ ist eine gute Platte, aber nach den Vorgängern (ja, ich meine auch „Guitar Gangsters And Cadillac Blood“) ein Abstieg. Vielleicht sollte sich die Band für ihren nächsten Streich ein bisschen mehr Zeit nehmen. So wirkt es nämlich so, als wollten sie einen Grund haben, weiter auf Tour gehen zu können (oder das neue Label glücklich zu machen). Wie gesagt: Kein schlechtes Album, aber mit Sicherheit kein Überflieger, wie man es von Volbeat bisher erwartet hat.

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