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Voivod: Target Earth

Eher ein fettes Rrröööaaarrrr als ein harmlos gekralltes Grrrr
Wertung: 9,5/10
Genre: Progressive Thrash Metal/ einfach nur Voivod
Spielzeit: 56:41
Release: 18.01.2013
Label: Century Media

Wenn man schon auf der Suche nach einer Konstante in Voivods Bandleben sucht, dann wohl diese, dass sie eigentlich schon immer kompromisslos ihren Weg gegangen sind und diesen auch auf dem neuen Album „Target Earth“ weiterverfolgen. Und gerade die wechselvolle Basshistorie ist es immer wieder, die die Fans beschäftigt, was nach dem Wiedereinstieg Aways 2008 und dem darauffolgenden hochklassigen, häufig viel zu schlecht gequatschten Album „Infini“ wesentlich dazu beigetragen haben dürfte, dass sich Voivod eigentlich einem fast übermächtigen Druck ausgesetzt fühlen mussten, als sie ihr neuestes Werk angegangen sind.

Doch Pustekuchen, das kanadische Quartett scheint in ihren einsamen Quebecer Holzhütten davon so gar nichts mitbekommen zu haben, denn wieder einmal schießen sie mit einem schief klingenden Sound aus allen Rohren und verbinden sicherlich so die wütende Spacementalität der frühen „Rrröööaarrr“- und „Killing Technology“-Alben mit dem wesentlich aufgeräumteren Werdegang späterer Outputs.

Klar dürfte sein, dass Voivod beileibe nicht für „easy listening“ stehen, sie schütteln ihre 30-jährige Bandgeschichte im Studioalltag ab und haben in Chewy wohl den Gitarristen gefunden, der nicht nur endlich vollkommen bei Voivod angekommen ist, sondern der wohl am besten den 2005 verstorbenen Piggy-Spirit atmet. Und wie sehr er angekommen ist, merkt man allein schon daran, dass auf „Target Earth“ die Piggy-Resteverwertung ruht, denn es sind keine Riffs zur Aufarbeitung mehr übrig, alles musste aus eigener Feder kommen.

Respekt, denn einmal mehr zeigen Voivod auf ihrem Album, wie Abwechslung, verdrogte Schrägheit, Space-Symbiose und Jazz-Universum zusammenpassen. Und wie halt Abwechslung in voivodscher Sprache geht, zeigen sie in Perfektion mit „Corps Étranger“, denn zuerst fühlt man sich auf einem balladesken Trip, wird dann aber in einen spacigen Thrasher förmlich hineingesogen, und auch wenn auch Voivod wie alle anderen nur die Chromatische zur Verfügung haben, so scheinen sie mit irr schrägen Sounds das nicht nur voll auszureizen, sondern eher ad absurdum zu führen, wozu auch die französischen Vocals passen.

Oder nehmen wir einfach mal „Warchaic“ zur Hand. Zuerst die eher kleinbühnentheatralische Trommeleinlage, der ruhige sphärische Gesang und dazu die gezupfte Gitarre, dann plötzlich die fett einsetzenden Gitarren und der nur eine Spur aggressivere Gesang Snakes – der übrigens einmal mehr in seiner sehr eigenwilligen Art dem Album seinen Stempel aufdrückt –, dann die leichte Tempoverschärfung nach fast drei Minuten, dazu ein leicht vertracktes Drumming und im weiteren Verlauf ein flirrendes Gitarrensolo – was braucht oder will der Voivod-Fan mehr?

Einmal mehr scheuen die Kanadier auch nicht vor weitergehenden Experimenten zurück. Die fast fernöstlich anmutende Gitarrenarbeit zu Beginn von „Empathy For The Enemy“ und diese Stopp-and-Go-Rhythmik, dazu ein voranpreschendes „Kluskap O’Kam“ mit dem schon fast mitsingbaren Refrain, wo man gezwungen ist, den Songtitel förmlich mit hinauszuposaunen, außerdem die intensive Bassarbeit und der stimmungsvolle Songaufbau. Schon fast straight gehen Voivod bei „Resistance“ zu Werke, dazu mit „Kalaidos“ ein bassbetontes Stück mit fast hypnotischen Gitarrenspuren, die dann aber noch locker von Snakes Gesang in den Schatten gestellt werden.

„Target Earth“ bedeutet eines: Volle Möhre Voivod – quer die Gitarrensaiten runter und die Beckenschläge wieder hinauf, eher ein fettes Rrröööaaarrrr als ein harmlos gekralltes Grrrr, was heißen soll, dass die Kanadier weiterhin ihren verqueren Weg gehen und dabei ihre Wurzeln nicht vergessen. Lobenswert, dass sie bei den aktuellen Retrotripps der Szene und der Fans nicht auf die alten (Über-)Scheiben setzen, sondern noch immer das richtige Maß finden, einfach sich selbst treu zu bleiben.

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