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Vogelfrey: Wiegenfest

„Sieg oder Tod“? – ganz eindeutig Sieg!
Wertung: 10/10
Genre: Folk Metal /Mittelalter Rock
Spielzeit: 48:39
Release: 12.11.2010
Label: SMP Records /Trollzorn

„Selbst die Inquisition singt uns’re Lieder schon!“ So begrüßen Vogelfrey das Musik-interessierte Volk und lehnen sich damit noch nicht einmal weit aus dem Fenster. Denn angesichts dieses Mach(t)werk der Hamburger ist es wirklich fragwürdig, wer sich ihm ernsthaft entziehen kann. Dabei fangen Vogelfrey quasi gerade erst an, ihren Stiefel in die Tür des Folk-Metal-Festsaals zu schieben. Das Album „Wiegenfest“ ist nämlich nicht das Sahnehäubchen einer ewigen und routinierten Laufbahn zahlreicher Alben, sondern stellt doch tatsächlich das Debütalbum von Vogelfrey dar. Angesichts der vorliegenden absolut überzeugenden Tatsachen, wirkt das im ersten Moment noch viel unglaubwürdiger als die Behauptung, dass selbst die Feinde davon entzückt seien. Wohl oder übel entledigt man sich bei Vogelfrey automatisch aller gesammelten Musikerfahrungen, um dann wieder ganz vorurteilsfrei behaupten zu können: Debütalben können doch perfekt sein!

„Wiegenfest“ zelebriert Folk Metal, wie er im Buche steht - lustig, wild, atmosphärisch, aber auch rau und Geschichten-verliebt. Vogelfrey bestehen jede Disziplin und bieten dabei bis zum Schluss beste Unterhaltung. Dabei ist es besonders schwer, ein richtiges Herzstück in der Musik der Band auszumachen, weil es so viele markante und herausragende Punkte gibt, die alle für sich diesen Titel verdient hätten. 

Fangen wir einmal mit den Vocals an. Sänger und Rauschpfeifen-Spieler Jannik hat es heraus, durch seine Stimme nicht nur eine Geschichte interessant zu erzählen bzw. zu besingen. Er schafft es auch, eine wirklich einnehmende Atmosphäre zu erzeugen, die besonders im Intro, bei „Belsazar“ oder in dem Lied „Im schwarzen Hain“ zur Geltung kommt und echte Hörspiel-Qualitäten aufweist. Man lauscht nicht nur einer Geschichte, man fühlt sich gleich in sie hinein versetzt und bekommt eine Ahnung davon, wie unterhaltend die Bardenkunst gewesen sein muss, wenn die damalige Zeit sich schon solcher Talente zu bedienen wusste. Aber auch durch den Gesang schafft er es, mit seiner sehr ausdrucksstarken und wandelbaren Stimme die Gefühle der Geschichten passend und sehr feinsinnig Ausdruck zu verleihen. Schon in der ersten Minute kreiert sie eine so starke Atmosphäre, die dem Hörer gleich zu Beginn ein passendes Bild zu dem Lied vermittelt. Besonders auffällig wird die Feinsinnigkeit der Stimme zum Beispiel in dem Lied „Waffenbrüder“, da sie sich hier scheinbar kontrovers zu dem Text des Liedes verhält. Im Laufe dieses Songs wird aber klar, dass die zuvor vermittelte Stimmung bewusst so gewählt wurde, um dem Hörer eine gewisse Vorahnung über eine Wendung innerhalb der Geschichte zu geben. Diese Kunst zeugt von literarischer Qualität und sichert sich zudem die Aufmerksamkeit des Hörers.

Ein weiterer, ganz großer Pluspunkt bei den Liedern von Vogelfrey ist der Einsatz der Geige und deutlich auch die Fähigkeit des Geigenspielers selbst. Die Geige findet immer ein gutes Mittelmaß zwischen Dominanz und Zurückhaltung und gibt der Musik eine Menge Schwung wie auch Ausdruck. Alexander beherrscht sein Instrument so kunstvoll, dass man schnell Geigenspieler anderer Bands als plump abstellen wollen würde, wenn man sich nicht bewusst wäre, wie schwer dieses Instrument schon generell zu spielen ist. Ihr Einsatz fällt dabei sehr vielfältig aus. In„Puella Rufa“ vermittelt sie, zusammen mit den Flötenklängen, eine märchenhafte Romantik. Das Lied „Im schwarzen Hain“ dagegen bekommt eine sehr düstere Note durch die teils unheimlichen, teils theatralischen Passagen der Geige, die diese zusammen mit dem Cello bestreitet - im Einklang mit der Stimme von Jannik eine wirklich ergreifende Atmosphäre. Meist kann man ihr aber bei einer wilden und dynamischen Spielweise lauschen, die in Lieder wie „Belsazar“ oder „In Acht und Bann“ herausragen. Die Fingerfertigkeit ist hier wirklich beachtlich und hebt die Qualität des gesamten Albums weiterhin hervor. Die Rhythmik ist so stark und die Energie so spürbar, dass man sich sofort zum Tanz dazu aufmachen möchte.

Gut eignen sich hierfür auch die Lieder „Ball der Gehängten“ oder „Heldentod“. Um es mit den Worten von Vogelfrey auszudrücken: „Ob Tanz, ob Schlacht, man brauch es nicht zu wissen“, wird selbst ein Kampflied wie „Heldentod“ zur Partyeinladung, so dass man nichts dagegen hätte, fröhlich mit ihnen in die nächste Schlacht zu tanzen.
Nicht zu vergessen wären aber auch die typischen Metal-Instrumente, die auch bei Vogelfrey nicht fehlen und genau an den richtigen Stellen losschmettern. Sie verleihen dem Ausdruck der Lieder noch mehr Wucht und Durchschlagskraft. Ihr Einsatz ist genauso gut geplant wie der der klassischen Instrumente und lässt an dem Sinn der Band für Arrangements keinen Zweifel mehr.

Abschließend soll noch einmal auf das Lied „Belsazar“ eingegangen werden. Während die Vocals zwischen einer erzählerischen Variante und gerade durch Mehrstimmigkeit ausgedrückten Bedrohlichkeit hin- und herwechseln, übernehmen Gitarre und Bass die weitere Untermalung und geben dem Lied dadurch Wucht und Schwere. Die Geige kümmert sich in der Zeit um die gewisse Dramatik und vermittelt gleichzeitig aber auch eine exotische Atmosphäre durch dementsprechende Klänge. Da es in dem Lied um den König von Babylon geht, ist dieser Stilwechsel sehr passend ausgewählt. Auch der Stimmungswechsel in dem Lied wird durch eine gut platzierte Kunstpause deutlich und hebt noch einmal die Spannung vor dem überraschenden Ende.

Überaus beeindruckend wirkt das wuchtige Gebrüll des Königs, das selbst unter dem elektronischen Effekt zum Ende hin nicht an Derbheit und Ausdruck verliert, sondern noch einmal ordentlich hinzugewinnt. Bei einer Folk-Metal-Band ist dies eher überraschend, da sich elektronische Effekte meist negativ auf die Atmosphäre auswirken und zudem auch noch oft deplatziert wirken. Bei Vogelfrey hätte diese Passage aber nicht besser sein können und verblüfft den Hörenden zusätzlich.
Auffallend sind auch die sehr kunstvollen, sprachgewandten Lyrics, die aber dieses Mal nicht selbst von der Band stammen, sondern aus dem gleichnamigen Gedicht von Heinrich Heine entliehen wurden. Eine authentische und würdige Vertonung, die selbst dem Poeten sicherlich beeindruckt hätte.

Vogelfrey schafften ein Debütalbum, was so viel Kunstfertigkeit offenbart, dass die Frage aufkommt, wie es sich die Band vorgestellt hat, diese Leistung bei ihrem nächsten Album noch toppen zu können. Dass es ein nächstes geben wird, steht hier jedenfalls ganz außer Frage. Die Hamburger Band beweißt absolut, dass sie Folk Metal verstanden und verinnerlicht haben und legt gleichzeitig die Messlatte für kommende Debütalben um ein deutliches höher. Es bleibt nicht mehr zu sagen außer: Diese Band hat alles richtig gemacht!

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