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Vlad In Tears: Underskin

Finnenrock vom Mittelmeer
Wertung: 7/10
Genre: Dark Rock/Gothic Rock
Spielzeit: 36:48
Release: 05.02.2010
Label: Hellfest Records/Rough Trade

Düster und geheimnisvoll ist ja momentan mal wieder voll im Trend: Vampire, Werwölfe und ähnliche zwielichtige Gestalten haben, wohl vor allem dank meinungsspaltender Teenieromane aus Amerika, Hochkonjunktur. Böse Zungen könnten behaupten, dass die vier Italiener, die unter dem doch einigermaßen transsilvanisch klingenden Namen Vlad In Tears melodisch-schmachtenden Gothic-Rock finnischer Prägung kredenzen, nur auf diese Stimmung gewartet haben, um ihr neues Album „Underskin“ auch in Deutschland auf den Markt zu bringen. Titelnamen wie „I'll Bite Your Life“ und die Tatsache, dass das Booklet statt Songtexten fast ausschließlich Fotos der vier gestylten Musiker, alle mehr oder weniger Marke „ Evil-Gothic-Industrial-Teenieschwarm“, beinhaltet, lassen auf eine weibliche Zielgruppe zwischen 14 und 17 schließen. Wie gesagt: Böse Zungen könnten behaupten.

Nun will ich den Jungs aber nicht Unrecht tun und lasse mich gerne von der Musik eines Besseren belehren.

Was mir dann mit „Forbidden Dream“ entgegen prescht, klingt auch tatsächlich ziemlich ordentlich: Stürmische, stellenweise recht harte Gitarren, leichte elektronische Anleihen, ordentlich Druck von der Rhythmusfraktion und ein paar eingestreute Klaviertöne verbinden sich zu einem dichten Klangbild, auf dem sich Sänger Kris Vlad austoben darf. Dessen Stimme zeichnet sich durch leichten bis mittelschweren italienischen Akzent und den stereotypisch leidenden Gothic-Tonfall aus – nicht unbedingt mein Fall, aber sicherlich Geschmackssache.

„My Wreck“ gefällt vor allem durch seine Experimentierfreude: eingeleitet von mehrstimmigen A-Capella-Chören entwickelt sich der Song im Refrain zu einer treibenden Rocknummer mit verzweifeltem Shouting, um später in einen von elektrischen Beats und Akustikgitarren getragenen Teil umzuschwenken. Ihr Patentrezept für gefühlvolle Härte – fette Gitarren plus hohe Klaviertöne – packen Vlad In Tears hier erneut aus; nicht zum letzten Mal auf „Underskin“.

„You Will Burn My Dream“ trägt mit Streichern, Klavier und Chören dick auf und klingt ein wenig wie die Mutter aller schnulzigen Rockballaden. Glücklicherweise finden sich auch vorantreibende Gitarren und Drums in der Mixtur, sodass der Track vor langatmigem Stillstand weitgehend gefeit bleibt. Bemerkenswert sind die Gesangskapriolen, die Kris Vlad gegen Ende auspackt: Viel höher kommt Matthew Bellamy von Muse auch nicht.

Der erste wirkliche Tiefpunkt der Platte steckt allerdings in der nächsten Ballade mit dem vampirisch anmutenden Titel „I'll Bite Your Life“: Die anfänglich minimalistische Instrumentierung nur mit Klavier und Elektrobeat klingt zunächst noch interessant – bis Kris Vlad mit einer Gesangsleistung einsetzt, die den zuvor gewonnenen, positiven Eindruck schmerzhaft widerlegt. Unsicher, krächzend, kraftlos, schräg – irgendwie stimmt hier gar nichts. Der plötzliche Einsatz hochverzerrter Gitarren zu einem kurzen instrumentalen Zwischenspiel bleibt der gelungenste Moment des ganzen Songs, denn auch der Refrain kann weder melodisch noch gesanglich wirklich überzeugen.

Glücklicherweise berappelt man sich nach diesem Reinfall wieder einigermaßen und verlässt sich auf das, was man gut kann: orchestral-pathetischen Herzschmerz-Gothic-Rock mit erfreulich dichten Gitarrenwänden, viel Melodie und gutem, charakterstarkem Gesang. „I'm Still Alive“ bietet zum letzten Mal einen Querschnitt aller Trademarks, bevor „Invisible Mist“ erneut balladesk, diesmal aber gelungen, das Album beschließt.

Auch Vlad In Tears erfinden das Gothic/Dark Rock-Genre nicht neu, sondern verlassen sich, wie auch ihre finnischen Kollegen HIM oder The Rasmus, auf die bewährten Ingredienzien Pathos, Schmacht und Opulenz. Dennoch – oder gerade deshalb – ist „Underskin“ ein durchaus gefälliges Album geworden, dem ein wenig mehr Eigenständigkeit und Kurzweil, sowie eine etwas längere Spielzeit als die mickrigen 37 Minuten zwar gut getan hätten, das Genrefans aber trotzdem empfohlen werden kann.

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