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Vitja: Digital Love

Da wäre mehr drin gewesen
Wertung: 6/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 39:40
Release: 03.03.2017
Label: Century Media Records

Mit Heaven Shall Burn und Caliban haben Century Media schon länger die Speerspitze des deutschen Metalcores unter Vertrag. Vergangenes Jahr wurde dieses Aufgebot durch die Kölner von Vitja ergänzt, die nun mit „Digital Love“ ihr erstes Album unter dem Century-Media-Schirm abliefern. Auf besagter Platte wird sich also zeigen, ob der Vierer den beiden Vorzeigebands ein wenig Feuer unterm Hintern machen kann, oder lediglich das Genre weiter mit altbekannter Durchschnittskost aufbläht. 

Fetter Sound und druckvolles Riffing, das direkt in die Beine geht, machen den Albumopener „SCUM“ zu einem rundum gelungenen Auftakt, der Mut für die verbleibenden 35 Minuten macht. Mit Sushi und Kevin von Eskimo Callboy als Gastsängern, sowie einer Songstruktur, die deren Band relativ nahekommt, markiert der Track einen abwechslungsreichen und wenn nicht unbedingt innovativen, so doch zumindest spannenden Auftakt, der perfekt ins Ohr geht und Lust auf mehr macht.  

Leider haben die Kölner im Anschluss nur noch wenige Überraschungen, mit denen sie besagtem Opener noch einmal etwas oben draufsetzen könnten, sodass die anfängliche Euphorie mit zunehmender Spielzeit Stück für Stück verfliegt. Vitja machen zwar handwerklich gesehen nichts verkehrt, allerdings fehlt es dem Album eben auch an Momenten, die sich erfolgreich in die Gehirnwindungen fräsen. Vor allem was die Lyrics angeht, fehlt es an Überraschungen, die sich vom gewohnten Brutalo-Kitsch jeder anderen Metalcore-Formation abheben. Aber auch bei Songwriting und Atmosphäre mangelt es oft an der letzten Durchschlagskraft – als Beispiel lässt sich hier der schon namentlich abschreckende Track „Six Six Sick“ nennen - und so bleibt auch nach mehreren Durchgängen nur wenig bis nichts beim Hörer hängen.

Zwar fügen sich viele der elektronischen Samples gut in die Songs ein, und auch mit dem einen oder anderen Breakdown kann der Vierer Punkte sammeln. Insgesamt kommt auf „Digital Love“ aber zu wenig um sich wirklich vom Label „Durchschnittskost“ freizustrampeln. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich das einfallslose Songwriting noch mit der druckvollen Produktion des Albums kaschieren. Auch die wirkt allerdings irgendwann stumpf und so stellt sich nach „The Flood“ – einem Albumcloser der durchschnittlicher nicht hätte ausfallen können - nur sehr begrenztes Verlangen auf einen weiteren Durchlauf ein.

Das Gesamtfazit fällt dementsprechend dann auch eher mau aus: „Digital Love“ ist eines der Alben, das bei solider Produktion handwerklich viel richtig macht, live gut umzusetzen sein sollte, aber gerade im Genrekontext so viel mehr hätte sein können. Um die eingangs genannten Genre-Ikonen unter Druck zu setzen, braucht es in jedem Fall mehr Risiken und eine Spur weniger Durchschnitts-Kitsch.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“