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Vista Chino: Peace

Die ultimative Kampfansage und das passende Friedenskonzept in einem
Wertung: 9/10
Genre: Stoner Rock
Spielzeit: 49:21
Release: 30.08.2013
Label: Napalm Records

Die letzten Jahre waren für Stoner-Fans ein Wechselbad der Gefühle, zumindest für diejenigen, die die Fahne für die US-Wüstenspezialisten Kyuss & Co. den Kehrbesen gehalten haben. Es gab ausverkaufte Touren auch hierzulande, grandiose Rockshows, heiß wie Wüstenwind und dazu furztrocken, dann aber auch die Streitigkeiten um die Namensgebung, wobei die Band auch so manches Mal mauerte und nach außen kommunizierte, dass den Fans doch so Manches gar nicht zu interessieren habe. Wo aber kommt dann der Name Fan denn her, bitteschön?

Anno 2010 noch unter dem Banner Garcia Plays Kyuss, kurze Zeit später dann als Kyuss Lives! unterwegs und nun endlich bei aller Redseligkeit Vista Chino – ergo keine Neuling, sondern nur ein Neuanfang mit einem Deal bei Napalm Records und einem neuen Album, wobei man vor einigen Jahren als Fan höchstens davon träumen konnte, sich aber fast nicht traute, wirklich an neue Songs aus dem Lager der Kalifornier denken zu wagen. Erst 2012 war dann zu vernehmen, dass neue Songs im Raum stehen, gar ein ganzes Album, welches mit dem Titel „Peace“ hoffentlich auch wirklich das begrabene Kriegsbeil darstellt und nicht einen mühseligen Hilferuf zwischen den ehemaligen Homies Garcia und Bjork auf der einen und Homme und Reeder auf der anderen Seite – gerichtlich beigelegte Streitigkeiten können sich so fortsetzen.

Weit gefehlt, wenn man nun davon ausgeht, dass die Mucke auf „Peace“ nun aggressiver, sich austobender darstellt, denn auch auf „Peace“ gibt es dann wie schon früher bei den Kyuss-Releases den vollen Stonerrock bis zum Anschlag, dazu toben sie sich deutlich völlig unverkrampft mehr im Siebziger Rock aus. Die volle Kyuss-Schlagseite bietet dann auch schon der Opener „Dargona Dragona“ – da wird auf den Becken gescheppert, bis die Ohren bluten, knietief steckt man im Wüstensand, genau so, wie man den Erwartungspeiler im Vorfeld schon aufgestellt hat. Auch bei „Planets 1&2” gibt es wieder die volle Kyuss-Hommage mit schön langsamen, hypnotischen Riffwiederholungen und einer präsenten, aber defensiven Leadgitarre, die sich beim Solo wie ein tiefer Zug am Grasglimmstängel kurz aufheizt, die Wirkstoffe freigibt und neben einer zentimeterdicken Gänsehaut so für farbenfrohe Kopfbilder sorgt.

Während „Sweet Remain” oder auch “As You Wish” eher mit vertrackteren Rhythmen aufwarten, die Gitarre mehr fuzzig-knarzig ins Bewusstsein dringt und so immer wieder an die Hochzeit der Band in den 90ern erinnert, so überrascht das instrumentale Intermezzo „Mas Vino“ eher mit seiner bluesig-jazzigen Ausrichtung, „Adara“ dagegen wirkt deutlich aufgeräumter. Allein durch die klaren Gitarren, die sich ein wenig dem Bass unterordnen müssen. Mit „Acidize... The Gambling Moose” ziehen Vista Chino in mehr als 13 Minuten nochmals alle Register des Stonerrocks - fuzzig-karzende Gitarren, typischer Garcia-Gesang mit süßlichen Ausflügen, Südstaatenflair in bluesiger Ausweitung, was will man mehr.

Klar ist, dass Vista Chino in Herrn Garcia auch den ganz eindeutigen Trumpf in den Bandreihen haben, einfach unverkennbar der Kerl. Überraschend aber ist die Gitarrenarbeit durch Neuzugang Bruno Fevery, der anscheinend nie etwas anders gemacht hat, als furztrockene Stonerleads herauszuhauen. Es ist kaum zu glauben, dass er bisher bei der belgischen Rockband Monza versauerte, Ende des letzten Jahrtausends mit Helmut Lotti musizierte oder beim elektronischen Duo Arsenal unterkam – Letzteres ist insofern wichtig, sind sich doch hier Bruno und John Garcia begegnet.

Vergesst Mondo Generator, vergesst auch Queens Of The Stone Age, Unida und was da noch alles keucht und fleucht – Vista Chino sind das Stonermaß aller Dinge, verweisen mit einem Handwisch alle anderen mehr als locker in ihre Schranken, mit einem staubigen Lächeln im Gesicht kredenzen sie die Friedenspfeife, wohl wissend, dass nur sie allein dem Genre locker das Oasenwasser reichen können. Rechnen konnte man damit nicht, nein, beileibe nicht, aber aus einem „Zu schön, um wahr zu sein“ ist ein „So ist das richtig“ geworden. Willkommen Stoner, willkommen Vista Chino plays Kyuss – „Peace“ ist die ultimative Kampfansage und das passende Friedenskonzept in einem.

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