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Vision Of Disorder: Razed To The Ground

Man kann die Neunziger förmlich schmecken
Wertung: 8/10
Genre: Hardcore Punk, Metal, Crossover
Spielzeit: 41:01
Release: 20.11.2015
Label: Candlelight Records

Vision Of Disorder – der Name dürfte so ziemlich jedem Hardcorekiddo der Neunziger die Schuhe ausziehen und den Pogo-Schweiß aus den Poren treiben. Ab 1992 machte die Truppe aus Long Island die Clubs und Festivals mit ihrer Mischung aus Metal und Hardcore Punk unsicher, bis nach drei Alben und zehn Jahren die Luft raus war und man ab 2002 getrennte Wege ging. Gitarrist Mike Kennedy und Sänger Tim Williams formierten mit zwei weiteren Kollegen die Band Bloodsimple, auch mit den alten Bandkollegen wurden einige kleinere Konzerte gespielt, bevor man 2008 endlich wieder die Kurve bekam und sich zusammenraufte. Als erstes Album nach der Wiederzusammenkunft erschien vor zwei Jahren „The Cursed Remain Cursed“, aktuell haben die Amis mit „Razed To The Ground“ glücklicherweise einen wenig profanen Titel im Programm.

Grundlegend hat sich am angepissten Sound erstmal nicht viel geändert – zieht man beispielsweise die 1998er Platte „Imprint“ zum direkten Vergleich heran, kann man schon beim ersten „Razed To The Ground“-Song „Heart Of Darkness“ die Parallelen erkennen: Der Opener der neuen Platte hat natürlich einerseits den typischen Hardcore-Punk-Schreddersound, andererseits wird der Track von einem klar gesungenen Refrain beherrscht, der den Spirit der Neunziger atmet. Super Einstieg, es bleibt die Hoffung, dass der Rest der Platte sich als ähnlich gut erweist.

Es stellt sich heraus, dass die Kombination aus lärmigem Hardcore Punk und dem klaren Refrain genau das ist, was V.O.D. (immer noch) am besten können. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist das dynamische „Craving“, das ähnlich aufgebaut ist wie „Heart Of Darkness“ – Vision Of Disorder at their best sozusagen. Glücklicherweise haben die Herren über die Jahre gemerkt, dass miese Soundqualität kein Pluspunkt ist und sich für eine wesentlich überschaubarere Produktion entschieden, die aber immer noch lärmig genug ausfällt, um dem Hardcore Punk Genüge zu tun.

Dass Vision Of Disorder einiges an Crossoverpotenzial haben, kann man nicht leugnen: „Electric Sky“ verbreitet im Refrain Stonerfeeling, „Nightcrawler“ atmet im Chorus gar einen Hauch Marilyn Manson, was vor allem an Tim Williams’ fiesem Tonfall liegt, und über beinah sämtlichen Songs liegt zumindest in der Instrumentalabteilung ein leichter Hauch von Grunge.

 „Amurdica – A Culture Of Violence“ klingt dann wie eine schriftliche Abhandlung zur Lage der Nation, entpuppt sich aber tatsächlich als wütendes Stück Musik mit einem klar gesungenen Refrain, der direkt Assoziationen zu Deftones-Sänger Chino Moreno weckt und zum Ende des Albums noch mal ordentlich Pluspunkte sammeln kann. So wird aus „Razed To The Ground“ also am Ende eine ziemlich runde Sache: Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, gebannt auf 41 Minuten Laufzeit und präsentiert von einer gut trainierten Crew mit einem immer noch erstaunlich vielseitigen Sänger.

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