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Virus World Radio - Best Of Germany's Next Top Band – Vol.1

Nur als Giveaway geeignet
Wertung: -/10
Genre: Hard Rock, Heavy Metal, Punk Rock, Thrash Metal, Gothic,
Spielzeit: 74:55
Release: 18.03.2016
Label: Roll The Bones Records

„Best Of Germany's Next Top Band“ - was für eine vollmundige Ankündigung, dazu noch mit dem prädikat 100% Hard'n'Heavy ausgestattet. Nun ja, das geht dann aber in die Hose, denn zum einen ist die Bandbreite von Hard Rock über Heavy und Thrash Metal bis hin zu Punk Rock recht weit ausgefallen, zum anderen erfüllen ganz sicher nicht alle Bands das Niveau der ausgelobten Spitzenposition. Dazu kommt dann auch noch die billig spartanische Aufmachung, die eher für die Restegrabbelkiste spricht und nicht für eine hochwertige Veröffentlichung – dem Booklet sind keine essentiellen Informationen zu entnehmen, sodass die Wirkung einer solchen Compilation dann mehr nach Internet-Radio-Selbstbeweihräucherung denn nach bedingungslosem Support der Undergroundszene riecht. Allein das Artwork lädt einfach mal überhaupt nicht zum Zugreifen ein – Idee mangelhaft, Ausführung mangelhaft.

Der Auftakt mit den Alternative Rockern Dead Memory ist jedenfalls schon einmal gelungen. Die schmissig punkige Note ist allgegenwärtig, die Melodie nicht der ganz große Knaller aber ausreichend eingängig und auch die Produktion klingt ausgewogen druckvoll, was ja auch für den ganzen Longplayer „Cinderella“ gilt, auf dem der Track „Justify“ zu finden ist. Mit Greydon Fields und „Us Or Them“ vom aktuellen „The God Machine“-Longplayer stellt sich dann auch ein labeleigenes Bandgewächs vor. Heavy Metal im leicht modernen Modus mit dramatischem Gesang und einem Hauch von Leadklapfenmelodiemelancholie führen zu einem ordentlichen Stampfer, der mit ein paar Samples aufgepeppt wurde. Modern, alternativ, metallisch und auch ein bisschen progressiv, so sieht die „Biogenetical Embrace“-Phase von Neorize aus Dortmund aus, die hier auch keine Berührungsängste zu leicht folkloristischen und auch poppigen Ausflügen haben.

Mit Wicked Disciple stellt die ehemalige Röhre von Greydon Fields (auch Klampfer bei Black Messiah) sein neues Projekt vor. Wer seine Vorliebe für Metallica kennt, weiß dann auch, woher die Inspiration für das Akustikintro kommt, dazu punktet aber „7 Deadly Sins“ auch mit einem fein melodischen Solo, solider Riffarbeit und kleinen Auflockerungen wie dem kurzen Pianoeinfügungen kurz vor Schluss, alles zu finden auch auf dem Debütalbum „Traveler In Time“. Deutlich experimenteller sind Mayze aus Castrop-Rauxel mit „Grinnig Faces“, welches schon auf dem Debütalbum „The Land Of Lucid Feathers“ zu finden war. Keyboardspielereien treffen auf leichte Gitarrenarbeit, progressive Drums hämmern auf die zarte Frauenstimme ein und ein leichter Gothic-Duft sorgt für eine leichte, gesteigerte Dramaturgie. Ebenfalls in Castrop-Rauxel sind Cryptic Lane beheimatet, die mit „Never Enough“ einen balladesk startenden Heavy Rocker vom Full-Length-Debüt „Signpost“ (2013) beigesteuert haben - eingängig, leicht schmachtend, zum Ende hin immer mehr Schwung aufnehmend und, wie sich live herausgestellt hat, ein richtig guter Abräumer.

„Call The Doctor“, Song- und Albumtitel gleichermaßen, ist aus der Feder der Dortmunder Dr. Mulle. Simpel gestrickter Punk Rock in Dauerschleife und klarer, wenig ausdrucksstarker Gesang, da ist die Sirene zu Beginn und auch mittendrin ein Highlight, die Woohoo-Chöre törnen dagegen richtig ab. Zum Zeitpunkt der Compilation-Veröffentlichung haben Bitter Thrill hier aus dem Pott einen wirklich neuen Song herausgekramt, der auf dem ein paar Monate später kommenden Full-Length-Album „Blue Pill“ erschien. Der Titeltrack sortiert sich bei den frechen Punk'n'Roll-Songs ein, lebt vom partykompatiblen Refrain und tanzbarer Grundstruktur. Wenn man die gleich zu Beginn einsetzende Cowbell hört und sich das folgende Riff spürt, denkt man unweigerlich an Motorjesus & Co., einer der Inspirationsquellen für die Voodoo Cowboys aus Herne. „Devil's Heaven“ kann da songschreiberisch noch nicht mithalten, vor allem der Gesang von Frontmann David muss da noch zulegen. Aber auch so schmiert der Song im ruhigeren Mittelpart ab und lässt nur bedingt Hoffnung auf Besserung aufkommen, wobei das anschließende Klampfensolo dann doch wieder ein bisschen Boden gut machen kann.

“The Race“ von der EP „104“ aus dem Hause Crazy Black Sunday führt eigentlich schon auf dem richtig groovenden Heavy-Rock-Weg. Die Wanne-Eickeler sorgen erst einmal mit riffiger Klampfenpower für das passende Grundgerüst, lassen sich aber den Schwung aus den Händen nehmen und auch hier muss Frontmann Martin noch reichlich Erfahrung sammeln. Femal-fronted Alternative Rock erwartet uns mit „Rise And Shine“ von Why Amnesia vom „Godiva“-Album. Seicht genug fürs Radio und auch massenkompatibel dazu, souveräner Gesang und leichte Blueseinflüsse lassen erkennen, dass die Truppe mehr Potenzial in sich trägt als sie hier schon zu Hundert Prozent preisgibt. Keyboard-geschwängerte Heavy Metal bieten nun Beyond Redemption aus Bochum feil, zu finden auf der „Demo 2015“. Nett gemachter Treter mit leicht symphonischen Charakter, der aber eben auch das Demo-Niveau ganz gut transportiert.

Ein recht modernes Schwergewicht namens „Blue Sky“ kommt da von den Essenern Mavort. Groove, schwere Riffattacken, fluffig leichte Leadgitarren und ein schön aggressiver Gesang sind so schnell eine wirklich positive Überraschung auf dem Sampler. Ein paar Jährchen hat „Desert Eagle“ von Pandorium ja auch schon auf dem Buckel, ist halt auf dem 2013er Debüt-Album „The Human Art Of Depression“ zu finden. In der Ausrichtung sind sie auf der CD die härteste Band, spielen Thrash Metal mit reichlich Double-Bass-Power, fast schon todesbleihaltigen Vocals und für die härtere Fraktion fetter Abgehstoff. Heavy Metal, ein bisschen Thrash, dafür stehen Twilight aus Minden mit ihrem Song „The Chapel“ von der „Bloodpath“-Demo von 2013. Eine bessere Produktion würde dem Song gut tun, ansonsten aber ist das 80er-Feeling durchaus stimmig.

Ein bisschen Metal, ein wenig punkige Rohheit und auch diverse Ska-Einflüsse bieten kurz vor Schluss Helliön aus Bremen – und zeigen, dass sie wirklich auch als unberechenbar durchgehen, wie sich sich selbst darstellen wollen, zu hören auf dem zweiten Longplayer „What The Fork...?“ von 2014. Neros Echo verführen zum Schluss in die Lüde & die Astros-Ecke. Deutschsprachiger Hard Rock ohne große Ecken und Kanten, aber einem interessanten Sänger – leider haben sich die Essener mittlerweile auch aufgelöst.

Mittlerweile ist ja auch schon Volume 2 veröffentlicht, da hoffen wir mal, dass die Macher hinter der Compilation nicht nur ein besseres Händchen bei der Bandauswahl beweisen, sondern die an sich gute Idee auch mit einem wertigen Produkt würdigen. Als Giveaway würde es reichen, eine Kaufoption sehe ich da eher weniger, weil auch hier keine exklusiven Extras zu finden sind.

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