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Virgin Island: Fantasy Or Reality?

Solider Gothic Rock ohne große Chancen
Wertung: 5/10
Genre: Gothic Rock/Melodic Rock
Spielzeit: 40:17
Release: 29.05.2010
Label: Eigenproduktion

Virgin Island – ein absolutes MUSS für alle Fans der guten Rockmusik!“ - so die wenig bescheidene Eigenwerbung der gleichnamigen Band aus Vilsenhofen im tiefsten Niederbayern. Nun ja. Ob das, was uns die fünf Herren und eine Dame da vorsetzen, tatsächlich ein Muss ist, wage ich zu bezweifeln. Aber der Reihe nach.

Virgin Island existieren bereits seit 22 Jahren. In dieser langen Zeit hat man sich als Stilschublade eine Mischung aus Melodic- und Gothic Rock auserkoren, die maßgeblich von drei Elementen getragen wird: Markus Urlbauers Keyboardarbeit, Ulrike Peetz-Kunkels Gesang und Lorenz Kunkels Leadgitarrenspiel. Das Ergebnis, das man auf „Fantasy Or Reality?“ zur Schau stellt, erinnert, vor allem dank der großzügig eingesetzten orchestralen Sounds, öfters mal an female fronted Power Metal à la Within Temptation. Frontfrau Peetz-Kunkel steht da ein wenig zwischen den Stühlen: Einerseits finden sich durchaus Passagen, in denen sie fast schon klassisch singt, die meiste Zeit schlägt sie aber eher rockige Töne an.

Um einmal beim Gesang zu bleiben: Hier liegt vielleicht einer der Gründe, warum man von Virgin Island über die lokale Szene hinaus in den letzten 22 Jahren nicht allzu viel gehört hat. Es ist nicht etwa so, dass Frau Peetz-Kunkels Stimme nicht wohlklingend oder leistungsfähig wäre. Zwar ist sie sicherlich keine Sängerin von Weltklasse; in Verbindung mit etwas Hall klingt ihr Organ aber vor allem in den klassischeren Passagen voll und angenehm. Das Problem liegt eher in ihrem sehr seltsamen Akzent, der nicht durchgänig auffällt, aber wenn, dann richtig.

So klingt „Let's stop the wars/in our world“ bei ihr wie „Let's ztap ze fohrß/in auer föhrlt“ - das wirkt schon unfreiwillig komisch und stört auf Dauer ziemlich. Hinzu kommt, dass die Texte an sich auch keine wirklichen literarischen Meisterwerke sind, sondern mit eher spärlichen Englischkenntnissen zusammengeklaubt erscheinen.

Selten, aber immerhin vorhanden, sind die Songs, in denen die gesangliche Leistung über die textlichen und sprachlichen Mängel hinwegtäuschen kann. „Wherever you will go“ etwa ist minimalistisch nur mit einer einzigen Gitarre besetzt und bringt die sehnsüchtige Gesangsmelodie sehr schön zur Geltung. Was nicht heißen soll, dass alles andere unhörbar wäre. Man kommt nur meist nicht über einigermaßen solides Mittelmaß hinaus - ein Umstand, der auch für das Songwriting an sich gilt.

Virgin Island sind einfach keine Band für die Weltbühne, denn dafür fehlen ihnen sowohl spannende Besonderheiten wie auch Professionalität im Sound: Ein Song wie „Sweet Hell“ beispielsweise kommt über knapp sechs Minuten einfach nicht voran und ergeht sich in endlosen Wiederholungen durchschnittlicher Riffs. Zudem fehlt hier jede Anwandlung von so etwas wie Groove. Besser funktioniert da der deutlich rockigere Track „Let's Get High“, der zudem mit einer netten Melodie gesegnet ist. Trotzdem: “Mäik de föhrlt go spinning raunt“ geht auch hier gar nicht.

Gelegentliche Glanzpunkte kann der oben schon genannte Leadgitarrist Lorenz Kunkel mit seiner eher langsamen, dafür intensiven Solotechnik setzen. Geht er, wie in „Let's Get High“, mal schneller zur Sache, tut das der Qualität seines Spiels aber auch keinen Abbruch.

Letztlich ist sein Spiel aber auch nicht so herausragend, dass es Virgin Island an sich qualitativ deutlich aufwerten würde. Für kleine Bühnen und die lokale Szene liefert die Band durchaus brauchbare Rockmusik ab; für größere Dimensionen hapert es aber einfach an zu vielen Stellen.

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