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Virgin Black: Requiem - mezzo forte

Keine leichte Angelegenheit
Wertung: 7/10
Genre: Gothic Metal, Klassik
Spielzeit: 60:48
Release: 13.04.2007
Label: Massacre Records

Eins sei Euch gleich vorweg gesagt: „Requiem-Mezzo Forte“, das neue Album der Australier von Virgin Black, verlangt seinem Hörer einiges ab. Dies liegt nicht nur daran, dass das Album bei „nur“ sieben Tracks auf eine beachtliche Gesamtspielzeit von über 60 Minuten kommt, sondern auch an der musikalischen Grundausrichtung der Platte. Obwohl Virgin Black als Gothic Rock / Gothic Metal angepriesen werden, sollte der geneigte Genrefreund etwas aufpassen, denn auch wenn es zahlreiche schwermetallische Parts gibt, so steht doch das mächtige Orchester klar im Vordergrund. Für diese überaus klassischen bzw. neo – klassischen Elemente holte sich die Band um Rowan London (Gesang, Klavier) und Samantha Escarbe (Gitarre) eigens das Adelaide Symphony Orchestra ins Studio. Wer also ausschließlich auf eingängige Hausmannskost und wildes Headbanging steht, der ist hier mit Sicherheit an der falschen Adresse. Was braucht der Gothic - bzw. Metalfan also, um mit „Requiem-Mezzo Forte“ richtig warm zu werden? Drei Dinge: viel Geduld, eine Vorliebe für klassische Musik und den Willen, sich diesem Album ganz und gar hinzugeben.

Aber auch, wenn diese drei Dinge mitgebracht werden, dürfte „Requiem-Mezzo Forte“ immer noch eine große Herausforderung sein. Doch nur Mut! Stellt euch dieser, denn es lohnt sich durchaus.

Der erste Song des Albums „Requiem, Kyrie“ ist genau das, was man sich unter einer Kyrie vorzustellen hat. Ein sehr langer, langsamer, rein orchestraler Song, der getragen wird von einer himmlischen Engelsstimme, die dem Song eine ganz spezielle, sehr düstere und traurige Atmosphäre einhaucht. Wenngleich mir trotz längerer Überlegungen nun keine wirklichen Referenzen in den Sinn kommen, so sollten aber Fans von Bands wie Qntal oder Lacrimosa (erinnert vielleicht am ehesten an die sehr orchestralen und vertrackten „Echos“ - Tage) hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. Ein Kritikpunkt kann aber nicht verschwiegen werden und dieser erstreckt sich leider über das gesamte Werk. Auch wenn das Ganze wirklich wunderschön und musikalisch perfekt ist, ist manch ein Song einfach zu lang ausgefallen. Ein paar Minuten weniger, dafür aber vielleicht ein Song mehr wäre hier eine bessere Option gewesen. Man hat manchmal einfach das Gefühl, ein Song würde nicht mehr enden und sich stetig wiederholen, was ihm doch ein gutes Stück Magie entzieht.

Weiter geht es mit „In Death“, bei welchem der Hörer nicht nur zum ersten Mal bewusst Rowan Londons sehr spezielle Stimme vernehmen kann, sondern auch kräftige, aber sparsam eingesetzte Metalfragmente (sogar Grunts im Hintergrund), die „In Death“ viel Power schenken. Mir fällt es zwar nicht ganz leicht, eine rote Linie zu erkennen, aber der Song wächst mit jedem Hören. „Midnight's Hymn“ ist mit seinen knapp fünf Minuten der zweitkürzeste Song auf „Requiem-Mezzo Forte“ und hier zeigt sich genau das Gegenteil des vorhin erklärten Kritikpunktes. Anstatt sich gegen Ende hin immer mehr zu verlieren, ist dieser Song wesentlich strukturierter und lebt von dem in diesem Fall ziemlich überschaubaren Zusammenspiel des Gesangs von Rowan und den mächtigen Chören. Sehr schön gemacht ist vor allem der metallische Einschlag im letzten Drittel.

Und mit doomigen Riffs knüpft „...and I am Suffering“ hier an. Der Song nimmt den Hörer mit durch ein zehnminütiges Wechselbad der Gefühle. Eine völlig unvorhersehbare Passage jagt hier die nächste. Aber wenig später schon weichen E – Gitarren und Co. wieder klassischen Streicher - und Pianoklängen. Der metallischste Song des Albums ist eindeutig „Domine“ und vielleicht auch der beste des Albums, obwohl er durchaus seine Längen hat. Die Mischung auch kräftigen Riffs, Death Metal Vocals und Chören funktioniert bestens und steht etwas im Kontrast zu den wenig eingängigen vorherigen Songs.

„Lacrimosa (I Am Blind With Weeping)“ ist zwar längst nicht so hart wie der Vorgänger, doch bei Weitem weniger von der Klassik dominiert als die bereits beschriebenen Songs. Mir fehlen allerdings ganz klar die Höhepunkte und irgendwie weiß ich nicht, was ich sonst noch zu diesem eher langweiligeren Song sagen könnte. Das finale „Rest Eternal“ ist als kurzes, sehr schönes Outro anzusehen und greift komprimiert Teile aus dem Opener „Requiem, Kyrie“ wieder auf.

Fazit: „Requiem-Mezzo Forte“ ist keine leichte Angelegenheit, aber ein unbedingter Anspieltipp für alle Fans der Verbindung von Metal und Klassik. Es gibt zwar kleinere Kritikpunkte, aber diese täuschen nicht über eine ansprechende Leistung hinweg.

Hinweis: „Requiem-Mezzo Forte“ ist der zweite Teil eines dreiteiligen Konzepts und liegt genau in der Mitte von „Requiem-Pianissimo“ (rein klassisch) und „Requiem-Fortissimo“ (Death/Doom).

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