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Violent Diva: Six Violent Mornings

Sticht heraus aus der großen grauen EBM-Masse
Wertung: 7.5/10
Genre: EBM
Spielzeit: 34:9
Release: 01.07.2007
Label: Eigenproduktion

Im zumeist sonnigen Italien ist Electronic Body Music (kurz: EBM) eher rar gesät. Zumindest fällt mir außer der Vorzeigeformation Kirlian Camera und der Chris Pohl (Blutengel) - Entdeckung Adam keine weitere EBM-Combo ein, die es zu einem großmächtigen Bekanntheitsgrad außerhalb Italiens gebracht hätte. Allerdings könnte sich dies mit dem Duo von Violent Diva nun ändern...

Einst im Jahre 2005 von vDiva und 24R ins Leben gerufen, dauerte es insgesamt drei Sampler-Beiträge (auf “Italien Body Music“, “When Angels Die“ und “Decadance Compilation“), bis mit “Six Violent Mornings“ die erste eigene EP erscheinen konnte. In Eigenregie zu Hause in Bologna aufgenommen und produziert, starten Violent Diva nun auch einen Angriff auf die Club-Szene außerhalb Italiens.

Geboten werden auf dem Kleinod sieben wirklich hervorragend produzierte Elektro-Smasher der (eher)natürlichen und frischen Art. Entsprechend sollte man sich von der neo-apokalyptischen Covergestaltung nicht allzu sehr beirren lassen, da der dargebotene Sound insgesamt alles andere als apokalyptisch anmutet.

Zwar beginnt “White Dress“ als allererstes gleich mit grollenden und donnernden Beats der Marke Kloq und Hocico, entpuppt sich dann aber in den einsetzenden (cleanen) Gesangparts von vDiva als absolut ohrwurmtaugliche Hymne gegen das allgemeine Kriegsgebaren in der Welt. Jedenfalls hat sich “White Dress“ nicht umsonst zu meinem Lieblingslied auf dieser EP entwickelt: Gekonnt werden zwar stereotypische Szene-Klischees aufgegriffen, aber nur um sie in eine völlig andere (da harmonischere) Richtung zu lenken. Ein Experiment, welches zuletzt auch bei dem im Ruhrpott ansässigen Elektro-Rock Act Jesus On Extasy sehr gut funktionierte.

Ebenfalls gut gefällt mir die eigenwillige Coverversion des alten Duran Duran - Klassikers “Wild Boys“. Denn durch den dieses Mal ziemlich entfremdeten Gesang wird auch der Kenner des Originales einige Augenblicke benötigen, um diesen zeitlosen Evergreen (wieder) zu erkennen. Zwar ist “Wild Boys“ etwas weniger dynamisch ausgefallen als “White Dress“, aber dennoch sehr tanzflächentauglich.

“TV Shows“ hatte mich dann allerdings ein paar Hördurchläufe gekostet, um daran Gefallen zu finden. Zum einen lag es an dem etwas zu stark übertriebenen Einsatz des Voicecoders - zum anderen an den einfallslos plazierten Sprach-Samples aus dem Martin Scorsese Kultfilm “Taxi Driver“ (USA 1976). Ich meine, jeder kennt die berühmte Schlüsselszene, in der Robert De Niro völlig martialisch in seiner maroden Wohnung vor dem Spiegel steht und sich selbst mit verbalen Hasstriaden aufstachelt (“Redest Du mit mir? - Hört zu, ihr Wichser, ihr Scheißköpfe: Hier ist ein Mann, der sich nicht alles gefallen läßt, der nicht mehr geduldig alles einsteckt...“). Aber muss dies den unbedingt über drei Minuten Nonstop in Dauerrotation zu hören sein? Also, weniger wäre hier deutlich mehr gewesen...

“Electro Suicide“ und “Flammable“ packen dann allerdings wieder die kantigen EBM-Salven aus, ohne dabei aber die bisher eingeschlagenen Melodiebögen zu vernachlässigen. Zwar rumst es auch in “Headfucker (The Noise Inside The Head)“ gar nicht mal so schlecht, allerdings fehlt mir bei diesem (etwas dumpfen und vor allen Dingen zu dreisten) Suicide Commando - Abklatsch dann doch der individuelle Charakter.

Abschließend beglückt uns der “Neverending Nightmare“ mit einem (nicht unglücklichen) Kontrast aus melancholischen Orchesterparts und traurig-gequälten Vocals. Zwar ist “Neverending Nightmare“ keine Ballade, geht aber dennoch zu Recht ziemlich unter die Haut.

Fazit: Alle Achtung! Die beiden Italiener haben die elektronische Musik mit “Six Violent Mornings“ zwar auch nicht neu erfunden, schaffen es aber dennoch, ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Mit glücklicherweise wenigen altbackenen Ausnahmen gelingt es Violent Diva also gut, sich aus der großen grauen EBM-Masse auszuklinken. Wer jedenfalls berechtigtes Interesse bekundet, sollte mal auf www.violentdiva.com vorbeischauen. Dort gibt es neben Hörproben auch die Möglichkeit, den Silberling für 10€ zu erstehen.

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