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Vidoll: Bastard

Europa-Debüt mit viel Pop
Wertung: 7/10
Genre: Pop-Rock/Crossover
Spielzeit: 50:11
Release: 04.06.2010
Label: Gan Shin Records

Vidoll personifizieren in vielerlei Hinsicht die typische Visual-Kei-Band: aufwändige Kostüme im barocken Stil, die hohe, androgyne Stimme des Frontmanns Jui und dazu das wilde Gemisch aus Rock, Pop, Metal, Gothic und Jazz, das für Kenner der Szene gar nicht mehr so außergewöhnlich scheint. Mit Major-Label im Rücken versuchen die Japaner via Gan Shin nun auch Europa zu erobern – ob sich die Band mit „Bastard“ an die Spitze der hiesigen Szene spielen kann ist zwar fraglich, jedoch wird hier für Anhänger des klassischen Visual-Kei-Sounds qualitatives Material geboten.

Obwohl man in der Vergangenheit auch gerne mal Ausflüge in härtere Gefilde unternahm, bestimmt auf dem Europa-Debüt melodischer Rock mit starkem Pop-Einschlag das Klangbild, der in der Rythmus-Fraktion des Öfteren mal jazzige Vorlieben offenbart, wobei auf einem technisch hohen Niveau agiert wird – das gilt nicht nur für das souveräne Schlagzeugspiel, sondern auch die groovenden Bass-Arrangements und die ausgeklügelten Riffs und Leads. Auch die besagten Metal-Einlagen finden noch ab und zu ihren Platz, genre-typisch natürlich in Form von Nu Metal – die manchmal eingesetzten Screams sollte Jui dabei besser anderen Genre-Kollegen überlassen, denn die eher dünnen Schreie wirken nett gemeint, aber nicht gekonnt. Ansonsten prägt der Gesang die Musik aber sehr stark und das nicht im negativen Sinne – auch wenn die Stimme sicherlich gerade für westliche Ohren sehr fremd klingt, lässt sich dem Frontmann sein Können nicht absprechen.

Mit dem Titelstück „Bastard“ wagt die Band den Einstieg mit fröhlichem Pop-Rock, der mit zahlreichen Tempowechseln und filigranem Gitarrenspiel überzeugt, während Jui einige gut ausgearbeitete Gesangsharmonien mit viel Einsatz der Kopfstimme präsentiert. „At Age 13“ bietet dann einen deutlichen Kontrast, in den Strophen wird statt Pop Nu Metal geboten, wobei die Screams etwas von Hundegebell haben. Trotz einiger Ungereimtheiten hat der Wechsel von harten Riffs zu dem sehr poppigen Refrain jedoch unbestreitbar seinen Reiz und geht relativ reibungslos und ungekünstelt über die Bühne. Mit „D.J. „Hero““ hat es ein sehr ungewöhnliches Stück in die Diskographie Vidolls geschafft, das eine Menge Elemente unterbringt, ohne dass der Spielfluss gestört wird. Eingeleitet von cleanen Gitarren, gesellen sich in den Strophen tiefe Rap-Vocals zu dem Gesang, die im Gegensatz zu den holprigen Versuchen einiger Genre-Kollegen recht annehmbar wirken und gut ins Gesamtbild passen. Im fast schon epischen Refrain setzen dann auch die verzerrten Gitarren ein und unterstützen eine sehr gelungene Melodie, bevor eine Variation der ersten Verse den Song weiterführt.

Ansonsten zieht die Band ihren Stil relativ konsequent durch und lässt Ohrwürmer wie „Innocent Teens“ oder härter angehauchte Tracks wie „Cokeheads - Under The Society“ auf den Hörer los, während „Hatsuyuki“ und „Cloud“ die Balladen im Repertoire darstellen, die allerdings recht ähnlich klingen und trotz überzeugender Stimmleistung nicht mit den restlichen Stücken mithalten können. Herauszuheben ist ohne Frage noch die virtuose instrumentale Leistung in „Neo Cinderella“: Das komplexe Drummung trifft auf groovendes Gitarrenspiel und ein halsbrecherisches Solo, einzig der uninspirierte Refrain trübt den Eindruck. „Sarah“ erscheint mit den Jazz- und Swingeinflüssen wie ein Merry-Song und überzeugt mit einem starken jazzigen Solo – obwohl die Genres recht gekonnt miteinander verbunden werden, erreicht das Stück jedoch nicht die Klasse des Vorbilds. Gegen Ende des Albums findet sich mit „Tree“ noch ein Highlight auf der CD, hier werden dem Pop-Rock-Sound spacige Synths und ein treibender Drum-Beat hinzugefügt, so dass eine sehr gut funktionierende Mischung entsteht.

Die große Innovation aus der Visual-Kei-Szene sind Vidoll sicherlich nicht, liefern mit „Bastard“ aber einen mehr als soliden Europa-Erstling ab. Obwohl stets eine klare Linie verfolgt wird, findet sich genug Abwechslung, um das Album auf Dauer interessant zu machen, wobei vor allem die technischen Fähigkeiten der Musiker beeindrucken. Zwar ist das Gesamtbild eher positiv, jedoch haben auch einige schwächere Tracks ihren Weg auf die CD gefunden, gerade bei den Balladen hat man in der Vergangenheit schon Besseres von der Band gehört. Für Freunde der neuen Generation des klassischen Visual-Kei-Sounds ist Bastard eine lohnende Investition und macht sich gerade wegen der hübschen Aufmachung der CD gut in der Sammlung, alle anderen sollten vor dem Kauf erst einmal Probehören.

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