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Vic Anselmo: In My Fragile

War „Trapped In A Dream“ schon gut, ist das hier entstandene Album nur als genial zu bezeichnen
Wertung: 9.5/10
Genre: Dark Wave
Spielzeit: 54:27
Release: 19.08.2011
Label: Danse Macabre

Die lettische Künstlerin Vic Anselmo ist einigen vielleicht bekannt aus dem Vorprogramm von Deine Lakaien oder als Gastmusikerin von Das Ich auf dem Amphi Festival 2011. Dort bezauberte sie das Publikum, um Stefan Ackermann Kraft zu geben, um wieder gesund zu werden. Auch ihr erstes Album „Trapped In A Dream“ konnte vollends überzeugen und letzte somit die Messlatte extrem hoch.

Nun gibt es Album Nummer zwei und es heißt „In My Fragile“. Nicht nur das Album hat ein bestimmtes Thema, auch das Cover-Artwork ist vollkommen danach ausgerichtet. Vic Anselmo posiert in den Ruinen ihrer Heimatstadt Riga. Die Geschichte des Albums ist eine Liebesgeschichte in einem nuklearen Winter. Thematisch könnte dies nicht passender zu den derzeitigen Geschehnissen in Fukushima passen. Auf dem Album sind insgesamt 15 Songs, davon ist ein Das Ich-Cover von „Das Dunkle Land“ und vier akustische Versionen, von denen „Who“ den meisten von „Trapped In A Dream“ bekannt sein wird.

Mit einem kurzen elektronischen Intro wird der Hörer auch direkt in die nukleare Katastrophe geführt. Es scheppert und kracht ein wenig und gefühlsmäßig ist man dann mitten in den Ruinen Rigas, die auf dem Cover dargestellt werden. Mit „More Than You Comprehend“ geht es dann mit einer stimmlich hervorragenden Vic los. Sie vertont auf unheimlich schön-traurige Art den Niedergang der Stadt und die damit einhergehenden Gefühle, den Zorn, das Unverständnis derer, denen es passiert. An dieser Stelle ist man schon geneigt, den Song wieder und wieder zu spielen. Mit „Open Wide“ geht ein Alptraum in Erfüllung, es scheint die Geschichte des Zahnarzt des Grauens zu sein. Inhaltlich ist der Song wirklich das, was jeder, der Angst vorm Zahnarzt hat, fühlt, wenn er doch hin muss. Das völlige Ausgeliefertsein wird von Vic Anselmo so wahnsinnig vertont, dass das Gefühl, einem Irren ausgeliefert zu sein, einem eine Gänsehaut zaubert. Sie flüstert, kreischt und zum Teil verzerrt sie ihre Stimme so arg, dass man fliehen möchte. Die nachdenklich machenden Lyrics werden wirklich großartig umgesetzt.

Auch die Coverversion von Das Ich bringt die Lettin Vic mit soviel Gefühl rüber, als sei es ihre Muttersprache. „In The Darkness“ zu beschreiben ist nicht einfach. Eigentlich passt nur ein Wort: hochemotional. Diese Ballade ist einer der vielen Höhepunkte auf dem Album. Auch die Bonustracks machen genau da weiter, wo das Album mit „The Day“ aufgehört hat. Hier zeigt sich Vics traumhafte Stimme und man möchte nur noch mit einem Glas Wein auf der Couch versinken.

Der lettischen Künstlerin gelingt es, ein absolut packendes Rundum-Paket abzuliefern, traurige, nachdenkliche Songs wie „Horizon“ oder „Ashes“ sind wunderschön. Ihre Stimme hat sich seit dem letzten Album noch verbessert und hat eine Wandelbarkeit, die ihresgleichen sucht. An keiner Stelle des Albums möchte man aufhören zuzuhören. Die Erzählung packt einen und lässt einen nicht mehr los. Diese Ausnahmekünstlerin sollte in jedem Fall weiter beachtet werden. War „Trapped In A Dream“ schon gut, ist das hier entstandene Album nur als genial zu bezeichnen.

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