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VI: De Praestigiis Angelorum

Ein Teil eines großen, in sich schlüssigen Ganzen
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 44:54
Release: 25.09.2015
Label: Agonia Records

2008 erschien die erste EP des damaligen französischen Duos VI unter dem Namen "De Praestigiis Daemonum" (zu Deutsch: "Von den Blendwerken der Dämonen") und sorgte für gehörig Aufmerksamkeit im Metal-Untergrund. Vor allem handelt es sich um das Produkt der Zusammenarbeit zweier Männer (BST - Bass; INRVI – Gitarre, Gesang), die wichtige kreative Einflüsse bei den berüchtigten französischen Schwarzheimern Aosoth und Antaeus sind und daher zu einiger Berühmtheit innerhalb des internationalen Undergrounds in den letzten Jahren gelangten. Darum sind die Erwartungen für das erste Full-Length-Album dieser Horde enorm hoch, vor allem weil es noch zusätzliche Verstärkung in Form von Drummer Blastum (Merrimack) gibt, der der Scheibe die nötigen organischen Drums liefert, wo es noch auf der EP lediglich nur einen Drumcomputer gab. Außerdem wartet man mit einem imposanten Albumcover auf, welches von Alexander 'Bad News' Brown kreiert wurde und dieser Künstler hat in den vergangenen Jahren die Cover vieler qualitativ hochwertiger Alben geziert. Wenn all diese Faktoren positiv miteinander reagieren, dann könnte "De Praestigiis Angelorum" (also "Von den Blendwerken der Engel") eines der vielversprechendsten orthodoxen Black-Metal-Alben dieses Jahres werden.

Gleich zu Beginn wird der Hörer vom Intro "Et In Pulverem Mortis Deduxisti Me" (lateinisch für "Und in den Staub des Todes hast du mich entführt") in ein sakral anmutendes Szenario entführt, in dem beschwörende Chöre drohendes Unheil zu verkünden scheinen und nach einer knappen Minute nimmt das prophezeite Unheil seinen Lauf in voller blasphemischer Pracht. Der Sound von VI ist auf starke, viel beschichtete und natürlich düstere, melodische Lead-Gitarren ausgerichtet, diese bestimmen somit klar den Sound. Allerdings ist gleich positiv zu vermerken, dass der Bass auch sehr klar abgemischt ist. Alles andere wäre in Anbetracht des Faktes, dass das Album in BST's hauseigenem Studio aufgenommen wurde, sehr unwahrscheinlich. Die Drums fungieren hauptsächlich als skelettartiges Rückgrat um die triumphalen, infernalischen Kompositionen von INRVI und BST herum. INRVI's harsche Vocals fallen gut im Mix auf, da sie nie zu sehr in den Vordergrund rücken und somit den Instrumenten genug Luft zum Atmen geben. Ein kleiner Wermutstropfen wäre der recht unorganische Klang des Schlagzeugs. Insbesondere die Snare klingt doch recht blechern, was vielleicht daran liegen könnte, dass BST eher visiert im Bereich Saiteninstrumente als Percussion in der Tontechnik ist. Vielleicht kann dies im Nachfolger korrigiert werden.

Eine typische Track-by-Track-Rezension ist bei "De Praestigiis Angelorum" gar nicht möglich, da einerseits die einzelnen Songnamen viel zu lang sind, wenn man sich allein den Namen von Song Nummer sieben ansieht. Andererseits fällt eindeutig mehr ins Gewicht, dass die Lieder mehr als Teile eines großen, in sich schlüssigen Ganzen zu sehen sind, denn sie weichen musikalisch nicht weit von einer gewissen Grundformel ab und fließen organisch ineinander über. Dies macht auch Sinn in Anbetracht des hypnotisierenden, fast schon religiösen Covers, welches dem Album die nötige visuelle Dimension verleiht und das Album in einer Form präsentiert, die wahrhaft mysteriös und okkult erscheint und den musikalischen wie auch lyrischen Inhalt kraft- und wirkungsvoll reflektiert. Aus diesem Grund wird der Rest dieser Review sich mit dem Gesamteindruck des Albums beschäftigen, denn es ist darauf konzipiert auch ohne verständliche und zugängliche Texte sein volles Potenzial zu entfalten und der Mangel an Texten macht die ganze finstere Reise um einiges befremdlicher und bedrohlicher – ideale Voraussetzungen für eine gelungene Black Metal Platte!

Das ganze Album strotzt nur so von melodischen Gitarren, die des Öfteren an Dissection erinnern. Jedoch bekommen sie durch INRVIs innovativen Spielstil, welcher durch gelegentliche hintergründige Engelschöre und Blastums barbarische Drums untermalt wird, eine ganz eigene Note und man merkt sofort, dass hier Profis am Werk sind. Jede einzelne Note wurde sorgfältig ausgewählt und hat ihre Daseinsberechtigung. Die Arrangements sind intelligent gemacht und lassen nichts von jugendlicher Unreife (ein Kriterium für viele sogenannte satanistische Bands) spüren, ganz im Gegenteil! Dieses Debüt wirkt nicht wie ein Debüt, da es das Ergebnis engster Kollaboration gleichgesinnter Individuen ist, die eine valide Kritik an alles Schöne und Göttliche ausüben wollen und dieses Album ist sicherlich ein gelungenes musikalisches Äquivalent zu dieser angestrebten Kritik. Um wieder auf die Gitarren zurückzukommen sei noch einmal gesagt, dass die Riffs eine fast schon transzendentale Macht versprühen, denn bei passendem Ambiente erscheinen die Riffs wie Strahlen gebündelter, negativer Energie, gerichtet auf das Herz des Wesens, welches Millionen von Menschen in Ehrfurcht preisen. 

"De Praestigiis Angelorum" stellt eine intensive musikalische Reise dar, in der es zu Anfang schon interessant, jedoch immer noch vertraut für den geübten Black-Metal-Fan zugeht. Jedoch wird ab Beginn der Hälfte des vierten Liedes mehr und mehr an Fahrt aufgenommen und durch albtraumartige Interludes, ominöse Chöre, unerwartete Soli und unfassbare Übergängen charakterisiert. Eine wirklich infernalische Soundkulisse, die den Untergang alles Heiligen zu beschwören scheint und das Böse in all seinen Formen glorifiziert. So muss orthodoxer Black Metal heutzutage klingen und dadurch allen Posern zeigen, das zu viele Experimente der Essenz dieser Musikrichtung ungemein schaden und es somit seiner Relevanz beraubt wird. Neben Mglas "Exercises in Futility" wohl eines der stärksten Black-Metal-Alben des Herbstes und bestimmt wird es auf vielen Album-of-the-Year-Listen Ende des Jahres landen. Die Zukunft sieht wahrlich finster aus.

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