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Vengince: A Turn For The Worst

Man merkt das Bemühen, sich von der Masse abzuheben
Wertung: 7/10
Genre: Thrash Metal, Hardcore
Spielzeit: 37:33
Release: 28.05.2010
Label: Ivorytower/Cargo Records

Die Info beschreibt es und die CD bestätigt es sofort nach dem Auflegen: Vengince aus Kalifornien, die mit „A Turn For The Worst“ ihr bereits drittes Album vorlegen, spielen eine Mischung aus Metal, Hardcore und Thrash. Gähn, weil schon hundertmal gehört? Erstaunlicherweise nicht unbedingt. Was nämlich sofort ins Auge springt, ist die Tatsache, dass hier gleich sechs Mann zu Werke gehen, was einen schlussfolgern lässt, dass hier ein Keyboarder mit zugange ist – was bei dieser Art Musik ja nun nicht gerade als Standard bezeichnet werden kann.

Die Art, wie die Jungs das Tasteninstrument eingesetzt haben, zeigt, dass sie wissen, wie es geht, denn die Aggressivität der Musik wird dadurch keineswegs gemindert, vielmehr wird dem Ganzen eine etwas melodischere, atmosphärischere Komponente verliehen, ohne das Endresultat zu verwässern. Im Vordergrund stehen schon klar straightes Riffing und wuchtiges Drumming, sowie die heiseren Brüllvocals von Frontmann Relentless.

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber mit dieser Art zu singen werde ich mich nie anfreunden können und auch mit Core-Elementen werde ich wohl nie so richtig warm werden, doch objektiv hat das Dargebotene durchaus Format und besitzt der Gesang Druck, erinnert in manchen Momenten gar an Phil Anselmo. Außerdem hat „A Turn For The Worst“ trotz vieler Breakdowns und der Tatsache, dass das Ganze nicht nur dadurch wesentlich mehr im Core denn im Metal verwurzelt ist, auch für Nicht-Core-Hörer etwas zu bieten: Immer mal wieder werden melodischere Passagen eingeflochten und zumindest in der ersten Hälfte der Platte werden Thrash-Reminiszenzen wach.

Gleich das erste Riff des Openers „Failure To Flee“ klingt äußerst thrashig, bevor man in einen Core-lastigeren Part übergeht, der schließlich in den melodischen, clean gesungenen Refrain mündet, bei dem im Hintergrund Bläser-artige Klänge zu vernehmen sind. Ein gelungener Auftakt, und auch „Greet Them And Weep“ weiß mit eingängigem Riffing und geschickt platzierten Tempowechseln durchaus zu überzeugen. Auch kommen hier ein paar Harmonieläufe zum Einsatz und das Keyboard schimmert in einer kurzen Sequenz ebenfalls durch die Gitarrenwand.

Beim folgenden „Only Depression Remains“ kommt es sogar in Form richtiger Pianoklänge zum Vorschein, denen in puncto Harmonik beinahe etwas von Dimmu Borgir anhaftet. Auch das fette Endriffing macht sich gut. – Ich muss schon sagen, nach diesen ersten drei Tracks bin ich trotz aller Vorbehalte gegen Core und Brüllkreisch-Vocals bereit, erst mal alle Vorurteile über Bord zu befördern, eben weil die Band erfreulich klischeefrei agiert.

Das Niveau können Vengince nicht über das gesamte Album halten – zum Ende wird es meiner Ansicht nach zu Core- und Breakdown-lastig, was leider auch gerade das Titelstück nicht ausschließt und irgendwann fängt das Gebrüll an, mir auf den Keks zu gehen, aber das ist wohl Geschmackssache, genau wie das an sechster Stelle stehende „Changing Of The Guard“, bei dem man als Schmankerl für alle Fans von Stuck Mojo - mit denen die Gruppe bereits live auftrat - deren Frontmann Lord Nelson als Gast-Sänger rappen lässt. Nicht mein Ding, aber zweifellos gut gemacht. Sehr cool ist auch die überraschende Wendung bei „Bail Out“, in welchem zum Ende hin ein abruptes Break erfolgt, nach dem auf einmal cleane Gitarren und cleaner Gesang zu hören sind. Mehr davon wäre in Zukunft bestimmt nicht die schlechteste Idee. So oder so können Vengince allerdings durchaus überzeugen und sich ein wenig von der Masse abheben. Core-Fans sollten das ordentlich produzierte Album ohnehin schnell ins Herz schließen, doch auch der ein oder andere offene Thrasher könnte die Scheibe zumindest streckenweise interessant finden.

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