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Varjo: Viimeinen Näytös

Ein würdiger Abschied
Wertung: 7.5/10
Genre: Post-Punk/Gothic Rock
Spielzeit: 41:19
Release: 27.01.2010
Label: Stupido Records

Der Grund dafür, dass „Viimeinen Näytös“ den letzten Release der Finnen Varjo darstellt, ist wahrlich kein angenehmer: Durch den tragischen Tod des Gitarristen Henry Walden bei einem Brand im Jahre 2008 entschied man sich, die Band aufzugeben. Obwohl nach diesem Album nun aber Schluss mit Varjo in der jetzigen Form ist, ist man auf dem Abschiedswerk vor keinen Experimenten zurückgeschreckt und hat so ein äußerst interessantes, aber auch nicht einfach zu hörendes Album erschaffen.

Allgemein könnte man die Musik im Spielfeld zwischen Post-Punk und klassischem Gothic Rock einordnen, ohne dass sich jedoch ausschließlich einem Genre verschrieben wird.  Der düstere, sehr Bass-lastige Sound wird mit abwechslungsreichen Gitarren und der etwas gewöhnungsbedürftigen Stimme des Frontmannes ergänzt. Ungewöhnlich für die Musikrichtung sind hierbei vor allem die ausschließlich auf Finnisch vorgetragenen Texte, die mit dem tiefen, manchmal etwas schrägen Gesang einiges an Eingewöhnungszeit benötigen – wie allgemein die komplette CD, denn schnell zünden die Songs definitiv nicht. Nach mehreren Durchläufen entfaltet das Album aber seine Wirkung und offenbart ein überraschend ausgeklügeltes Songwriting, so dass es einiges in den Stücken zu entdecken gibt.

Der Opener „Maala“ zeigt sich noch mit recht finsterer Handschrift und wartet mit Tribal-artigen Drums und bedrohlichen Glocken-Klängen auf. Die Gitarren halten sich während des langsamen, schwermütigen Stücks eher im Hintergrund und lassen einprägsamen Bassläufen und dem zwischenzeitlich etwas merkwürdigen Gesang den Vortritt. „Joku Sytytti Kynttilän“ zieht dann das Tempo deutlich an und bietet hervorragende Gitarrenarbeit, während das sehr kurze „Nyt Mun Silmät Näkee Enemmän“  mit seinem aggressiven Gesang als verhältnismäßig harter Song daherkommt. In „Soluttautujat“ schlagen Varjo dann mit starker Punk-Attitüde zu und präsentieren ein rasantes, aber relativ eingängiges Stück. Die düstere Atmosphäre wird mit „Velka“ vorerst begraben: Der Track zeichnet sich durch eine deutlich hoffnungsvollere Grundstimmung aus, ist aber sehr gelungen und überrascht mit einigen Tempowechseln.

Einen Ohrwurm geschaffen hat die Band mit „Kadonneet“, der sich mit seinen groovenden Bassläufen und einem Mitgröhl-Refrain deutlich vom Rest der CD unterscheidet. Gegen Ende läuft die Band noch einmal zu Höchstform auf und bietet mit den letzten drei Stücken sehr schwermütiges Material. „Susan“ lässt sich eindeutig als eines der Highlights des Albums bezeichnen und offenbart sich als ruhiges, mit melancholischen Piano-Klängen veredeltes Stück, das gesanglich den Höhepunkt der Platte darstellt und einen großartigen Refrain bietet. Das Titelstück „Viimeinen Näytös“ schlägt eine ganz ähnliche Richtung ein und gibt mit seinen sphärischen Klängen einen Ausblick auf das, was mit dem abschließenden Song „Olet Ehkä Kuollut“ auf den Hörer losgelassen wird. Tatsächlich präsentieren Varjo hier ein lupenreines Post-Rock-Stück und beweisen eindrucksvoll, dass sie auch in diesem Genre gut aufgehoben gewesen wären. Eingeleitet von einer Ambient-Passage hält der Song über acht Minuten lang den Spannungsbogen und erzeugt mit flirrenden Gitarren eine verträumt-melancholische Stimmung – besser kann man ein Album nicht ausklingen lassen.

„Viimeinen Näytös“ ist ein würdiges Abschiedsgeschenk der Finnen und stimmt den Hörer umso trauriger, was für eine interessante Band die Szene verlassen hat. Zwar braucht die CD einige Durchläufe, bis sie wirklich überzeugt, dann aber tut sie dies vollends und offenbart sich als ein atmosphärisches Werk mit einer Menge Tiefe. Glücklicherweise ist mit Silent Scream schon die Nachfolgeband am Start – dieses Mal will man aber ausschließlich englische Texte verfassen und eine Gothic-lastigere Ausrichtung wählen – man darf gespannt sein, wie es mit diesen Finnen weitergeht.

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