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Varius Coloribus: Manehf

Homogene Verbindung von Gegensätzen
Wertung: 7/10
Genre: Mittelalter-Rock
Spielzeit: 56:17
Release: 30.03.2007
Label: Curzweyhl

Die Faszination an lauten Doppelrohrblattinstrumenten und simpelsten Melodien ist für jeden nachvollziehbar, der einmal einen mittelalterlichen Markt besucht hat, der Überdruss daran stellt sich jedoch meist ebenso schnell ein. Nach etwa 2 Stunden kennt man die Melodien, die von ca. 90 % aller Gruppen gespielt werden, meist auch die Arrangements, Kostüme und Gesten auswendig. Frei nach der Maxime „Stillstand bedeutet Rückschritt“ wird hier mit Freuden und falscher Vorstellung von „alter Musik“ gern dem ersteren gehuldigt. Wie einst die Fülle an Rockgruppen und die Punkband-Schwemme, nicht zu vergessen der Überfluss an Rave-DJs und die Rap-Inflation, sind auch in der Mittelalterszene mehr Musiker als zündende Ideen im Umlauf.

Neben vielen unbeholfenen Versuchen gibt es auch Lichtblicke, wie etwa die kreativen Köpfe von Varius Coloribus Experience, die mit einigen interessanten Neuerungen die Marktmusik wieder spannend machen. Denn ihr Konzept ist von der Grundlage her dasselbe wie so oft in diesem Bereich: zwei riesige Dudelsäcke oder mehr, die von einer riesigen Trommel oder mehr begleitet werden, bei Bedarf oder Können auch noch gröhlender Gesang. Dieses Erfolgskonzept besticht durch seine Simplizität in Gestaltung, Begeisterungsfähigkeit und Durchführung, lässt dem Musiker genug Raum für eigene Experimente, sollte man meinen. Doch oftmals wird dieses Potential, welches das Genre bietet, übersehen, es wird sich stets in das gemachte Nest gesetzt ohne den Willen zur Individualität. „Manehf“ ist in dieser Hinsicht ein echter Segen, da an jedem Ende herumexperimentiert und ausprobiert wird, man aber nicht das Ziel aus den Augen verliert, Musik zu machen, die sofort die Gemüter durch ihre archaische Schönheit und furiose Energiegeladenheit in Stimmung versetzt.

Man bekommt von den vier erfahrenen Musikern eine homogene Verbindung von Gegensätzen serviert. Da wäre zum einen die Nyckelharpa, die man sehr selten in dieser Art von Musik zu hören bekommt. Sie zaubert einen wunderbaren Klangteppich, auf dem sich dann die Dudelsäcke mit ihren variantenreichen Soundinnovationen ausbreiten können. Akustische Effektgeräte, wie Flanger und Wah-Wah für die Sackpfeifen, natürliches Großstadt-Echo für die Obertonflöte.

Dargeboten werden auf der dritten CD nun auch 100% neue alte Lieder, soll heißen: Traditionelles Liedgut, welches man nicht schon von einer der Abermillionen Corvus-Extremo Kopien kennt, das die Musiker irgendwo ausgegraben haben und an die Bedingungen des Genres angepasst haben, welches trotz seiner Herkunft dennoch dem Charakter der „Marktstandarts“ wie ein Ebenbild gleicht. Leider versinkt auf diese Weise einiges von den genialen Ideen in einem Lautstärkemeer aus kräftig-brutaler Trommel und schreienden Dudelsäcken; die ungeraden Takte werden glattgebügelt, selbst der ¾-Takt ist nur beim genauen Hinhören auszumachen; die neuen Melodien gleichen von der Erscheinung her den schon hinlänglich bekannten und das Arrangement ist nur leicht unterschiedlich zur gängigen Praxis.

Mein Fazit: Was jedoch Varius Coloribus zeigen ist, dass man nie aufhören sollte, neue Wege zu beschreiten, man sich nicht im Kreis drehen kann, um Fortschritte zu machen. Wünschenswert wäre, dass man diese positive Entwicklung des selbst nach neuen Traditionen und verborgenen Techniken Suchens häufiger antreffen könnte, die Szene ein wenig mehr Experimente wagen würde und sich mehr auf die Entwicklung und vielleicht eben auch die Zukunft konzentrieren könnte.

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