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Vanderbuyst: Vanderbuyst

Hier müssen sich sogar alte Rocklegenden warm anziehen
Wertung: 9/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 40:14
Release: 15.10.2010
Label: Ván Records

Zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihrer Drei-Track-Demo kehren Vanderbuyst mit ihrem ersten Album zurück. Ohne wirklichen Titel bleibt als erster Eindruck natürlich der holländische Name des Gitarristen und das Cover der am Boden liegenden Frau, welche die Beine über den Sessel räkelt. Also hören wir doch lieber erst einmal hinein, bevor man die Gedanken kreisen lässt und in Vorurteile rutscht.

Die Lead-Gitarre erklingt und man ist sich nicht ganz sicher, ob dies das Intro sein soll oder man hier wirklich [Blackmore]-inspirierten Hardrock hören wird. Letzteres ist der Fall und die Holländer zocken im gelungenem Retrolook-Gewand. Irgendwo in den Endsiebziegern angesiedelt, würde man hier einen Hybrid aus UFO und Thin Lizzy erkennen wollen. Da ist Groove, Melodie und einfach dieses alte Feeling, welches von den meisten Retrobands nur schwer erzeugt werden kann. Die blitzsaubere Gitarre von Willem Vanderbuyst sorgt für Entzücken und gute Laune. Der Kopf nickt kräftig im Takt mit und man fühlt sich ein wenig jünger.

„Tiger“ rockt ebenso geradlinig daher - ein starker Rocker mit einem nicht ungewöhnlichen Refrain, der trotz seiner Verwandtschaft absolut seinen Reiz zu versprühen mag. Schön dahin gerifft wirkt er, als ob es ein Hit aus den 70ern gewesen wäre. Dann folgt dwe Break und man zollt im rein instrumentalen Mittelpart ganz klar den Anfängen der New Wave Of British Heavy Metal Tribut. So haben Iron Maiden auch begonnen oder auch Def Leppard mit ihrer Unbekümmertheit auf dem ersten Album - sehr, sehr stark.

„New Orleans“ hat man dann als Cover von Ian Gillans „Future Shock“-Album erwartet und wird eines Besseren belehrt. Stark ist, mit welchem Groove die Band hier vor sich hinrockt. Der Refrain brennt sich recht zügig in die Hirnrinde und sorgt für fröhliches Summen, Mitschnippen der Finger oder vor sich hinträllern, auch wenn man mal keine Mucke hört. Das macht Laune und hat einen großen Spaßfaktor.

Deutlich zügiger geht es dann bei der Huldigung an Porno-Queen „Traci Lord“ zu. Die mit sechzehn (!) Jahren ins Pornogeschäft eingetretene Minderjährige weist bis heute Beteiligungen an gut einhundert Filmen des Millieus auf. Als ihr Alter bekannt wurde, das sie nicht ungeschickt höher angegeben hatte, gab es den großen Skandal, der die Pornoindustrie Millionen von Dollar kostete, da sie die Filme zurückrufen mussten, um sich nicht der Vermarktung von Kinderpornographie strafbar zu machen. Genau dieses Thema des Alters wird hier noch einmal kräftig ausgearbeitet.

Auch „Stealing Your Thunder“ lebt wieder von der starken Gitarenarbeit und dem exzellenten Bassspiel von Sänger Jochem Jonkman. Der Gesang ist nicht wirklich herausstechend, aber absolut passend. Der Song rockt wirklich wie die Hölle. Als Drei-Mann-Band funktioniert das fabelhaft und man kann sich sicher sein, dass viel Flair verloren gehen würde, wenn da noch ein, zwei Musiker zusätzlich agieren würden. Keyboardgesülze gibt es gar nicht. Hier geht es einfach nur ehrlich und straight zur Sache.

Eigentlich ist dann schon mit der Platte an sich Schluss, denn nun gibt es „nur“ noch zwei live im Studio eingespielte Stücke. Der erste ist der UFO-Song „Rock Bottom“. Unglaublich - die Band zimmert hier einen Auftritt hin, den UFO so gut schon seit vielen Jahren nicht mehr abliefern. Das ist erschreckend, wenn man das mit dem Original vergleicht. Selten sind Coverversionen auch nur annähernd gleichstark. Aber hier kommt das authentische Feeling rüber und man wird kräftig gepusht. Es gibt ein über alle Belange gutes Gitarrensolo und ein ausgedehntes Schlagzeugsolo von Barry van Esbroek. Das muss man sich auf einem Debütalbum trauen. Über elf Minuten wird hier einem der ganz großen Highlights des Hardrocksektors gehuldigt, sogar eher neuer und trotzdem mit angestaubtem Charme versetzter Glanz verliehen. Jeder, der nun erst einmal wegen Majestätsbeleidigung sprechen will, sollte sich den Song im direktem Vergleich anhören, ihr werdet erstaunt sein.

„From Pillar To Post“ wurde ebenfalls live im Studio eingespielt. Auch dies ist ein guter Song, aber der einzige, der qualitätsmäßig leider den Ausreißer nach unten darstellt. Aber vielleicht täuscht der Eindruck auch ein wenig, weil „Rock Bottom“ noch zu sehr durch den Kopf donnert.

Fazit: Vanderbuyst ist ein sehr, sehr starkes Debüt, welches nur einen Makel hat: Die viel zu kurze Spielzeit. Es wird dem Album nicht gerecht, aber man muss schon wieder „Rock Bottom“ hören. Es ist halt ein Übersong, trotz allem weist die Band mit ihrem eigenen Material und der Art, wie sie es zockt, einen für dieses Genre derart hohen Qualitätsstandard auf, dass es so einigen Helden, die heute immer noch die gleichen Setlists spielen müssen wie vor 30 Jahren, ein Graus sein dürfte, diese Band ins Vorprogramm zu nehmen. Denn da würde sicher die ein oder andere Show vom Opener gestohlen werden.

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