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Vanderbuyst: In Dutch

Eine Mischung aus gnadenlosem Talent und dem ewigen Arsch abtouren
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock/ Blues
Spielzeit: 36:03
Release: 04.11.2011
Label: Ván Records

Vor welcher Bühne man dieses Jahr auch stand, dort oben waren immer wieder die Holländer Vanderbuyst zugegen, die ihre Lorbeeren für das wirklich vorzügliche Debutalbum „Vanderbuyst“ einheimsen wollten – Rock Hard Festival, abgeräumt – Swordbrothers Festival, abgerockt - im Vorprogramm von Saxon, überzeugend – in dem wohl tourintensivsten Jahr konnten die Retro-Rocker immer wieder im Pommesgabelmeer baden gehen. In all dem ganzen Tourstress hatte das Trio allerdings auch noch Zeit, an seinem nun vorliegenden Zweitwerk zu feilen. „In Dutch“, so der Name des guten Stücks, haut in dieselbe Kerbe wie das Debut, noch immer trumpft die Retroschiene mit zahlreichen Beispielen aus den Siebzigern, frühen Achtzigern aus allen Rillen. Das fängt schon beim Coverartwork an und endet folgerichtig in einem analogen Aufnahmeprozess. Schon jetzt ist der Boden für eine kleine Meuterei bereitet…

Vanderbuyst sind ja schon fast die Rufer in der Wüste, ähnlich wie Graveyard und Co., die einfach einen feuchten Furz auf moderne Produktionen geben, die hier auf Overdubs genauso kacken wie auf die zweite Gitarre. Das Wichtigste dabei ist doch: Genau so wollten es die Frikandeln, nichts Hochgezüchtetes, sondern erdig, roh und live. Und da kommen wir auch schon wieder zur Einleitung zurück, denn wer das Team Trioranje schon live abbekommen hat, der konnte sich kaum der Energie entziehen, die es auf der Bühne zu entfachen imstande war. 

Haken an der ganzen Geschichte: An eben ihren Live-Performances müssen sich Vanderbuyst messen lassen. Da passt es natürlich recht gut, dass sie mit „Black And Blue“ einen geschwinden Opener am Start haben, der neben zahlreichen Blues-Einflüssen auch eine gehörige Portion NWOBHM abbekommen hat. Schon mit dem ersten Song zeigen die Holländer ihr Talent auf, eingängige Ohrwürmer zu schreiben, ohne dass sie sich im klebrigen Sumpf des Kommerzes verfangen und wie Fliegenlaichen sachte vor sich hinstinken. Gitarre, Bass und Schlagzeug, ein prima Riff, ein griffiger Refrain, und schon ist er fertig, der startende Hörgenuss, ohne irgendwelchen Firlefanz.

Und von solchen Tracks haben sie dann gleich noch ein paar mehr im Gepäck – irgendwie immer etwas flippig heiter, förmlich beschwingt. Da könnte glatt „String Of Beads“ als Beispiel herhalten – die einführende Melodie hätten Girlschool Anfang der Achtziger nicht besser schreiben können – locker fluffig steppt der geneigte Hörer mit Affinität zum Retrosound, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein – diese Melodie, dieser schlichte und dafür wohl umso mitreißendere Aufbau mit dem lang gezogenen Solo, welches sich live hervorragend für ausgedehnte Jamsessions anbietet, genau so wird unbeschwerte Mucke auch anno 2011 in die Schublade mit dem Etikett „wertvoll“ gepackt. 

„Leaving The Living“ und „Anarchistic Storm“ verlassen dagegen etwas den Pfad der Beschwingheit, denn der allgegenwärtige metallische Einfluss der NWOBHM sorgt für etwas Schwermut, steht den Songs aber trotzdem sehr gut zu Gesicht, und auch hier wippt schon fast unbewusst der Fuß mit, ob man nun will oder nicht.

So ganz unbeschwert haben Vanderbuyt allerdings nicht alles durchkomponieren können, denn „Into The Fire“ rifft sich genauso bieder durch die Speaker wie die Siebziger aus der heutigen Sicht sind. Ein wenig staubig, vielleicht zu staubig, der bessere Ausdruck wäre wahrscheinlich „einfach langweilig“, was uns da Vanderbuyst mit diesem Track kredenzen. Dann doch lieber wieder das deutlich geschwindere „KGB“, das forsch voranprescht und wieder mit einer derart beschwingten Gitarrenarbeit ausgestattet ist, dass man nicht umhin kommt, hier einen Favoriten festzulegen – auch wenn der Refrain sich durch das KGB ein wenig unrund anhört.

Einen richtigen Burner allerdings haben Vanderbuyst mit „Where’s That Devil“ fabriziert. Fett im Blues verankert hört sich Jochem wie ein spritiger Gunter Gabriel an und könnte in jeder verrauchten Spelunke mehr Hutgeld einnehmen als jeder Jackson-Imitator am Kuhdamm. Schade, dass sich der gute Gary Moore nicht mehr zum bluesigen Duell einfinden kann- wäre eine spaßige Sache gewesen.

Vanderbuyst können nicht zu hundert Prozent ihren Live-Spirit ins Studio retten, das steht schon mal fest, auch wenn sie das durch eine heute eigentlich nicht mehr gebräuchliche Aufnahmetechnik versucht haben. Und trotzdem: Beschwingte Ohrwürmer wie „Black And Blue“ oder „String Of Beads“ kommen nicht aus dem Jenseits, sondern sind eine Mischung aus gnadenlosem Talent und dem ewigen Arsch abtouren, wobei sie sich wahrscheinlich auch nicht scheuen, in des Nachbarn Garage auf den Putz zu kloppen. Mut zum Risiko, auch wenn nicht ganz so weit weg, wie es auf den ersten Hör erscheint, kommt dann noch die fette Bluesballade „Where’s That Devil“ daher – genau, welcher Teufel hat euch geritten, hier nicht zuzuschlagen? Klar, moderne Sounds passen nicht ins Vanderbuystsche Konzept, man muss also schon auf den Retro-Sound abfahren, aber wer der Scheibe mehr als drei Durchläufe gönnt und sich auf den Trip zurück wagt, der bekommt es mit erdigem Rock’n’Blues zu tun. 

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