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Valient Thorr: Stranger

Vertrackt, verrückt, verdammt gekonnt
Wertung: 8/10
Genre: Rock/Metal/Thrash
Spielzeit: 41:08
Release: 10.09.2010
Label: Volcom/ADA-Warner Music

Glaubt man der globalen Informationskrake namens Internet, dann sind Valient Thorr eigentlich eine große Nummer – zumindest jenseits des großen Teichs. Da ist die Rede von knapp 1700 Konzerten und fünf Alben in sieben Jahren, wovon in diesem Teil der Welt offenbar noch nicht allzu viel durchgedrungen ist. Das ist Grund genug, dem neuesten Studiowerk der fünf großzügig bebärteten Amerikaner mal ein Ohr zu leihen.

„Stranger“ heißt das gute Stück und in der Tat versprüht der Opener „Gillionaire“ erst einmal eine gewisse Fremdartigkeit: Vertracktes Geholze, irres Shouting sowie völlig verquere Strukturen hinterlassen zunächst Fragezeichen. Dagegen wirkt „Sleeper Awakes“ fast schon erlösend: Eine Prise Southern Rock, punkiges Flair, doppelläufige Gitarrensoli – damit lässt sich etwas anfangen. Höllisch vertrackt ist die Sache immer noch, aber mittlerweile gewinnt man die Sicherheit, dass das bei allem Irrsinn tatsächlich so sein soll.

Valient Thorr klingen, als hätte man die Oldschool-Wurzeln moderner Rockmusik zusammen in einen Topf geschmissen und mit Ecstasy gewürzt. Zwischen Südstaatenrock, Heavy Metal, Thrash Punkrock und klassischem Hardrock machen die Jungs irgendwie ihr eigenes Ding. Schwer zu sagen, wie genau, aber es muss irgendwas mit hohem technischen Niveau und großzügiger Missachtung jeglicher Konvention zu tun haben:

Songstrukturen sind vermutlich vorhanden, aber gut versteckt. Melodien blitzen immer mal wieder kurz auf, um sich dann gleich im Gehör festzubeißen und an rhythmische Muster sollte man sich bloß nicht zu schnell gewöhnen, denn ein paar Takte später werfen Valient Thorr sie ohnehin wieder über den Haufen. Dazwischen finden sich jaulende Gitarrensoli und auch mal ein Track wie „Double Crossed“, der mit einer Lärmkaskade beginnt, wie sie andere Bands ans Ende eines Songs packen würden.

Mit dem Wort „eigenbrötlerisch“ ist “Stranger“ vermutlich ganz gut beschrieben. Hier hat sich ein Haufen musikalischer Querdenker zusammengefunden, um hemmungslos an allen Ecken und Enden zu klauen und trotzdem alles anders zu machen als die anderen. Schön für den Konsumenten, auf den das Ergebnis losgelassen wird, ist, dass Platte ganz nebenbei auch noch ziemlichen Spaß macht.

Zu den vielen Zutaten, aus denen Valient Thorr ihr Süppchen kochen, zählen nämlich auch eine gehörige Portion rohe Rock'n'Roll-Energie und jede Menge eingängige Riffs und Melodien. Dazu hat man sich mit Jack Endino (u.a. Nirvana, Mudhoney, Dwarves) einen Produzenten ins Boot geholt, der es versteht, den verspulten Rock des Quintetts angemessen Vintage tönen zu lassen. Es bleibt also abzuwarten, ob Valient Thorr nun endlich auch hier einschlagen können. Alle Voraussetzungen dafür bringen sie jedenfalls mit.

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