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Valdur: Raven God Amongst Us

Auch in Kalifornien wirft die Sonne Schatten: Norwegischer Black Metal auf dem Vormarsch
Wertung: 6/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 34:19
Release: 20.07.2010
Label: Bloody Mountain Records

Wenn jemand an der sonnigen Westküste der Vereinigten Staaten, besser gesagt in Kalifornien, wohnt, erschließen sich schnell Assoziationen wie sonniges Wetter, gut gelaunte Menschen und eine verbreitet lockere und optimistische Lebensweise. Wenn aber gerade aus dieser Ecke der Welt der Ruf von dunklem Black Metal ertönt, so macht dies durch seine scheinbare Kontroverse besonders aufmerksam.
In diesem Fall ist es die Band Valdur, die auch die Westküste mit den schwarzen Künsten vertraut macht und dadurch das Klischee besetzte Bild vom durchweg fröhlichen Kalifornien wieder in einen realistischeren Rahmen rückt. 

„Raven God Amongst Us“ bedient sich eines düsteren, verschleierten Sounds. Kräftige Riffs und dunkle Drums finden sich, gepaart mit rauen Vocals, zu einem Mid-Tempo zusammen. Valdur legen bei ihrem zweiten Album mehr wert auf eine bedrohliche und düstere Atmosphäre als auf eine wuchtige Musik. Folglich drücken einen die meiste Zeit weder die Instrumente noch die Stimme von Sänger Thor gegen die Wand, dafür kriecht aber durchgehend eine Musik durch den Lautsprecher, die ihre apokalyptische Stimmung zu entfalten weiß. Darüber hinaus achten Valdur besonders auch auf ihre Melodien. Diese haben einen verzehrenden Charakter. Die zeichnen sich nicht durch besondere Komplexität aus, sind aber so interessant und abwechslungsreich gestaltet, dass man sie beim Hören gerne mitverfolgt, ohne dass Langeweile aufkommt.

Den Auftakt bildet, sieht man einmal über das rechte kurze und unspektakuläre Intro hinweg, das Lied „Wound Fires In the Afterlife“. Dies fällt wuchtiger als der Rest aus und besticht durch seine Wut und seine provokanten Riffs wie auch ein dynamisches Schlagzeug. „Great Abyss Unfold“ fällt vom Stil ähnlich aus, kommt aber an den Ausdruck des vorherigen Liedes nicht heran. Das Lied „Gravlagt I Morkets Natt!” beinhaltet dafür zwar interessante Melodien, verliert sich aber in seinem eigenen undurchdringlichen Sound und lässt keinen roten Faden mehr erkennen.

Bei welchem Lied sich Valdur aber wirklich selbst übertroffen haben, ist das nun folgende „Med Fjell I Horisonten“. Die von der Gitarre übernommenen Melodien sind klar und durch die wechselnden Spielstile sehr interessant ausgefallen. Schlagzeuger L.S. sorgt für eine abwechslungsreiche, dunkle Basis, die mit den Gitarre und Bass im Einklang steht. Besonders herausragend sind hier aber die Vocals, die nach einer Art dunklen Chor bzw. einer unmenschlich verzerrten, dämonischen Stimme klingen und den Untergang durch ihren bedrohlichen, rituellen Singsang regelrecht heraufbeschwören. Der nachfolgende Song „Berserrker“ fällt dann wieder nüchterner aus. Es bildet nicht wirklich etwas Besonderes, ist durch seine treibende Energie aber trotzdem hörenswert. Etwas zu dumpf klingt dafür „Past Of Wolves“. Leider erreicht dieses Lied keine wirklichen Höhepunkte und kann getrost übersprungen werden.

„Vicious Existence“ hingegen sollte man aber nicht verpassen. Dies ist insofern interessant, da es durch die eingesetzten, militärisch klingenden Schlagabfolgen gerade am Anfang sehr nach Exekution klingt und dadurch wieder die Bedrohung in den Vordergrund gerückt wird. Leider halten Valdur diesen Stil nicht bis zum Ende des Stückes durch und verlieren sich schnell wieder in den für sie typischen, aber inzwischen bereits bekannten Klang. Durch einen gekonnten Break zum Ende hin, kriegen sie aber noch einmal die Kurve und bieten einen hörenswerten Abgang. „Creation“ bildet das instrumentale Schlusslicht des Albums und runden es durch seine hier wieder stark hervorgehobene, düstere Atmosphäre gekonnt ab.

„Raven God Amongst Us“ ist nicht wirklich etwas Besonderes, es ist aber auch nicht schlecht. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass Valdur sich durch das sonnig-kalifornische Klischee in ihrem Black Metal gestört fühlen und kreieren eine Stimmung, die man auch aus Norwegen selbst nicht anders gewohnt ist. Ob die norwegischen Wurzeln von Sänger Thor bei dem zweiten Album von Valdur großen Einfluss genommen haben, bleibt nur zu vermuten. Fest steht: „Raven God Amongst Us“ ist ein gutes Durchschnittsalbum, was sicherlich dem ein oder anderen gefallen wird. Hört einfach mal rein!

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