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Valborg: Crown Of Sorrow

Wieder mal eine hervorragende Zeitgeister-Veröffentlichung
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Black Metal
Spielzeit: 35:34
Release: 19.04.2010
Label: Zeitgeister Music

Inzest kann so schön sein – na ja, zumindest im musikalischen Sinne. Bei Zeitgeister Records sind alle Bands irgendwie miteinander verwoben, da mindestens ein Mitglied einer Combo garantiert auch in ein anderes Projekt des Labels involviert ist. Wer allerdings jetzt denkt, dass es dadurch musikalisch leicht eintönig oder gar langweilig werden würde, liegt kräftig daneben. Es ist schon erstaunlich, dass eigentlich alles, was bei Zeitgeister veröffentlicht wird, einen hohen Qualitätsstandard aufzuweisen hat – so verhält es sich auch mit Valborg. Unglaublich, wie kreativ die paar Leutchen der Bands dieser Plattenfirma sind. Ehrlich gesagt, die drei vorigen Alben – das erste von 2002 war eine Split mit Ekpyrosis; überflüssig zu erwähnen, dass die ebenfalls bei Zeitgeister am Start sind – habe ich bisher noch nicht gehört, aber ich vermute jetzt einfach mal, dass die ebenfalls recht stark ausgefallen sind.

„Crown Of Sorrow“, Longplayer Nummer vier des aus Christian Kolf (Gitarre, Gesang), Jan Buckard (Bass, Gesang) und Florian Toyka (Schlagzeug) bestehenden Trios, ist jedenfalls eine klasse Scheibe geworden: Sehr düster, sehr schwarz, sehr bedrückend, sehr atmosphärisch und musikalisch – wie man sich bei derartigen Ausnahmekünstlern, die alle mehrere Instrumente beherrschen und in so vielen verschiedenen Bands spielen, denken kann – natürlich superb.

Beim Opener „Wisdom From The Vortex“ werden nach kurzem Intro mit rückkoppelnden Gitarren sofort Blastbeats vom Stapel gelassen, überlagert von finsteren Gitarrenmelodien, die einen tatsächlich wie eine Vortex in den Abgrund zu ziehen scheinen und irgendwie an Celtic Frost beziehungsweise Tom Gabriels neues Projekt Triptykon erinnern – allerdings erinnert die ganze schwermütige Atmosphäre und auch der grummelige Gesang von der ersten Sekunde an die Musik des Schweizers. Da ist es wenig verwunderlich, dass sich der Meister selbst, wie die Plattenfirma zu berichten weiß, nur positiv über Valborg äußerte.    

Ohne Unterbrechung geht es sofort in den zweiten Track „Ancient Horrors“ über (das erste von zwei Instrumentals auf der Scheibe), der aufgrund des hypnotischen, treibenden Schlagzeugs noch schwermütiger daherkommt, gleichzeitig aber mit schaurig-schönen Gitarrenmelodien gesegnet ist. Wer nicht spätestens jetzt gefesselt und vollständig in die pechschwarze Atmosphäre dieser Scheibe abgetaucht ist, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Das folgende „Thunderbolt“ zeichnet sich durch einen sehr interessanten Aufbau aus: Wild beginnend und mit sehr eigenwilligem – aber gerade in der Form zur Stimmung des Songs passendem – Gesang versehen, wird das Stück schließlich immer ruhiger, sodass sich das wunderbar zerbrechliche „Tristesse“, das passend zum Titel ausschließlich ruhig gehalten ist, sehr gut anfügt.

Selbstverständlich dürfte damit inzwischen wohl jedem bewusst sein, dass es sich bei „Crown Of Sorrow“ um ein Album handelt, bei dem es Pflicht ist, es ohne Unterbrechung durchzuhören und es entsprechend schwer ist, einzelne Highlights hervorzuheben (daher sei auf die Angabe von Anspieltipps verzichtet). Und dennoch fällt „I Am Space“ durch seine Überlänge schon besonders auf: In elf Minuten demonstrieren Valborg, wie exzellent sie es vermögen, wenige Riffs zu variieren und diese trotz langer Spielzeit und vieler Wiederholungen nicht langweilig werden zu lassen. Interessanterweise ist der Beginn des Stückes beinahe tänzerisch und im Vergleich zum Rest der Platte fast fröhlich. Ziemlich genial, wie die Band den Track im weiteren Verlauf erst rockiger gestaltet und danach wieder in die ursprüngliche düstere Stimmung des Albums verfällt. Ich weiß, ich wiederhole mich in meiner Wortwahl, aber das Ganze ist einzigartig hypnotisch und atmosphärisch – es hilft nichts, man muss es einfach selbst gehört haben.

Beschlossen wird „Crown Of Sorrow“ mit dem nur zweiminütigen „Saint Patrick’s Day“, das erneut mit unglaublich beklemmender Stimmung aufwartet – aber dass hier trotz des Titels nicht gerade von Saufgelagen gesungen wird, dürfte wohl jedem klar sein. Überhaupt sind die Texte es wert, aufmerksam gelesen zu werden; manch einer mag den Albumtitel „Crown Of Sorrow“ etwas zu unoriginell finden – die Lyrics sind dafür umso tiefgründiger.

Ganz klar, hier liegt eine wirklich hochklassige Platte vor, vielleicht etwas „altmodisch“, wie auch das Label selbst recht treffend formuliert, dafür aber zeitlos produziert (und übrigens live im Studio eingespielt) und zu hundert Prozent authentisch. Die Spielzeit ist mit knapp 36 Minuten ein wenig kurz, doch das soll mich nicht daran hindern, hier neun Zähler zu vergeben. Übrigens darf man sich schon auf das neue Album von Valborg freuen, das mit „Barbarian“ bereits einen Titel verpasst bekommen hat, schon eingespielt und gemischt wurde und 2011 veröffentlicht werden soll. 

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